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Interner Machtkampf bei VW: Warum Audi ausgerechnet jetzt sein Traditionswerk zusammenschrumpfen will

Дата публикации: 28-07-2026 09:24:21

Audi senkt die Produktionskapazität in Neckarsulm von 225.000 auf 150.000 Fahrzeuge jährlich und plant umfassende Sparmaßnahmen.

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Alexander Hassenstein / Staff / Getty Images

  • Audi senkt die Produktionskapazität im Werk Neckarsulm von 225.000 auf 150.000 Fahrzeuge jährlich.
  • Diese Entscheidung gehört zu umfassenden Sparmaßnahmen, die auch andere VW-Standorte betreffen, berichtet das Handelsblatt.
  • Experten warnen, dass die Umstellung auf Elektrofahrzeuge für Neckarsulm entscheidend ist, da die Nachfrage ab 2025 steigen wird.

Audi will die Produktionskapazität im Werk Neckarsulm von 225.000 auf 150.000 Fahrzeuge jährlich senken. Das würde die Kapazität des Standorts im Vergleich zu 2019 halbieren.

Die Pläne sind laut „Handelsblatt“ ein Teil der umfassenden Sparmaßnahmen. Im vergangenen Jahr produzierte das Werk rund 180.000 Fahrzeuge. Audi äußerte sich auf Anfrage nicht zu den Vorhaben.

VW-Konzern plant drastische Einschnitte

Oliver Blume, der VW-Konzernchef, präsentierte am 9. Juli dem Aufsichtsrat seine Pläne, die 55.000 bis 70.000 Stellen kosten und vier Werke schließen könnten. Neben Neckarsulm stehen die VW-Standorte Zwickau, Emden und Hannover auf der Liste.

Der VW-Aufsichtsrat lehnte die Sparpläne mit sieben zu fünf Stimmen ab. Die Arbeitnehmer- und Kapitalvertreter blockieren einander. Immerhin: Die Audi-Aufsichtsratssitzung zwei Tage zuvor verlief pragmatischer.

Audi-Chef Gernot Döllner garantierte den Erhalt von Neckarsulm nicht. Entscheider sehen eine Schließung jedoch nicht als sinnvolle Lösung.

Das Problem: Neckarsulm produziert die Modelle A5, A6, A7 und A8 – aber keine Elektrofahrzeuge. Anders als das Stammwerk Ingolstadt. Davon profitierte das Werk während der E-Auto-Flaute zwischen 2022 und 2024.

E-Autos werden zum Problem

Ab 2025 steigt die Nachfrage nach Elektroautos in Deutschland wieder, besonders im Flottengeschäft. Das verschlechtert die Situation für Neckarsulm dramatisch. Über 2034 hinaus fehlen Pläne für das Werk. Eine Umrüstung auf neue Verbrenner-Modelle rechnet sich wirtschaftlich nicht.

Arbeitnehmervertreter fordern deshalb E-Modelle für Neckarsulm. Ihr Argument: Audi verkauft jährlich rund 700.000 Autos in Europa. Die Werke in Ingolstadt, Neckarsulm und Győr können zusammen etwa 850.000 Fahrzeuge produzieren.

VW baut Audi-Modelle

VW fertigt den elektrischen Q4 E‑tron für Audi im Werk Zwickau. Die großen SUV-Modelle Q7, Q8 und den künftigen Q9 produziert VW in Bratislava. Im vergangenen Jahr bauten VW-Werke über 160.000 Audi-Fahrzeuge.

„Wir subventionieren Volkswagen in der Produktion mit etwa 150.000 Fahrzeugen jährlich“, sagt ein hochrangiger Audi-Entscheider. Er betont: Audi habe bereits ein Werk geschlossen und Personalmaßnahmen umgesetzt. „Beim Sparen sind jetzt andere an der Reihe.“

Die Verhandlungen zur Rettung Neckarsulms umfassen auch den Abbau von Doppelstrukturen außerhalb der Produktion. Audi unterhält in vielen Bereichen parallele Abteilungen in Neckarsulm und Ingolstadt. Dazu gehört eine technische Entwicklungsabteilung mit etwa 600 Mitarbeitern in Neckarsulm.

Insider schätzen: Der Abbau dieser Redundanzen rettet rund 1000 Arbeitsplätze. Die Beteiligten erwägen auch den dauerhaften Verzicht auf Leiharbeiter. Das Stammwerk Ingolstadt könnte seine Kapazität von 450.000 auf unter 400.000 Fahrzeuge senken.

Porsche setzt neue Maßstäbe

Setzt Audi diese Maßnahmen um, halbiert die Marke ihre deutschen Produktionskapazitäten binnen zehn Jahren nahezu. Vor dem Sparpaket 2019 konnte Audi bis zu 900.000 Fahrzeuge in Deutschland bauen. Künftig wären es nur noch gut eine halbe Million.

Am Mittwoch segnete der Porsche-Aufsichtsrat einen Sparkurs ab: 5000 Stellen fallen weg, aber Porsche garantiert Arbeitsplätze und Standorte bis 2035. Dieser Kompromiss setzt die Kapitalseite im VW-Konzern unter Druck. Besonders die Familien Porsche und Piëch drängen auf Werksschließungen. Eine familiennahe Quelle befürchtet Folgeeffekte bei anderen Konzernmarken.

Niemand rechnet mit einer schnellen Entscheidung über Neckarsulms Zukunft. Am 4. September tagt der VW-Aufsichtsrat, Mitte September folgt Audi. „Jetzt sind Werksferien. Aber wenn sie enden, erwarte ich einen sehr heißen Herbst“, prognostiziert ein Ingolstädter Entscheider.

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