Ein morbides Trinkgefäß findet seinen Weg zu „Bares für Rares“. Der Totenkopf-Humpen gehörte wohl einst einem Studenten aus den 1920er Jahren. Welcher Händler traut sich zuzugreifen?
Stand: 24.07.2026, 13:41 Uhr
Von: Sabine Kohl
Ein morbides Trinkgefäß findet seinen Weg zu „Bares für Rares“. Der Totenkopf-Humpen gehörte wohl einst einem Studenten aus den 1920er Jahren. Welcher Händler traut sich zuzugreifen?
Köln – Vom Zinndeckel einmal abgesehen wirkt der Totenschädel täuschend echt, sein Anblick löst leichte Gänsehaut aus. Auch „Bares für Rares“-Moderator Horst Lichter ist unschlüssig: „Ich finde ihn wirklich interessant, bin aber mit mir am Hadern, würde ich so was wirklich haben wollen?“

Und tatsächlich dürfte ein wenig Überwindung dazugehören, das gruselige Trinkgefäß an den Mund zu setzen. Dabei handelt es sich selbstverständlich nicht um einen echten Totenkopf, wie Kunst-Expertin Dr. Friederike Werner umgehend klar macht. Allerdings um eine sehr naturalistische Nachbildung. Der Becher ist aus sogenanntem Biskuitporzellan gefertigt, mit einem Deckel aus Zinn.
Prost auf das Leben: Totenkopf-Becher fasziniert bei „Bares für Rares“Das Trinkgefäß stammt wohl von einer Studentenverbindung aus den 1920er Jahren. Solche morbiden Memoribilia waren damals gar nicht so selten. Um welche Verbindung und um welche Uni es sich handelt, lässt sich allerdings nicht feststellen, den dem Totenkopf-Becher fehlen jeglicher Stempel oder eine Widmung. Dennoch glaubt Friederike Werner, dass die Firma Ernst Bohne & Söhne aus Rudolstadt in Thüringen den Becher gefertigt haben.
Besitzerin Moni Lamm aus Niedersachsen kann auch nicht viel Licht ins Dunkel bringen. Sie weiß lediglich, dass das Trinkgefäß viele Jahre im Haus ihrer Eltern stand und der Vater – ein Lehrer – ihn einst aus seiner Heimat Polen mitbrachte. An der Preisschätzung für den Totenkopf-Becher, der – ganz studentisch – auf einem sogenannten Commersbuch mit der lateinischen Aufschrift „Gaudeamus igitur juvenes dum sumus“ (“Freuen wir uns, solange wir jung sind“) hockt.
Moni Lamm wünscht sich 300 Euro, Friederike Werner schätzt gar 400 Euro als realistisch ein. Entsprechend überreicht Horst Lichter die Händlerkarte. Im Händlerraum sorgt die 74-Jährige dann erst einmal für leicht verstörte Gesichter, aber auch so manchen Lacher, als sie ihren Totenkopf mit den Worten „Etwas, dem wir immer näher kommen“ vor Daniel Meyer abstellt. „Bleiben Sie weg, bleiben Sie weg“, reagiert dieser entsprechend.
„Bares für Rares“-Urgestein Walter „Waldi“ Lehnertz tippt aber gleich richtig: „Ist der von einer Studentenverbindung?“ Der Eifel-Händler gibt dann auch mit 80 Euro das erste Gebot ab. Dabei bleibt es aber nicht. Sämtliche Männer in der Runde – neben Lehnertz sind das Daniel Meyer, Jan Čížek und Benjamin Leo Leo – bieten mit. Lediglich Schmuck-Händlerin Susanne Steiger hält sich raus. Dafür machte sie ihren Deal, als in derselben „Bares für Rares“-Folge eine antike Goldkette vor ihr auf dem Tisch landete.

Schnell gehen die Gebote deshalb nach oben. Bei 350 Euro steigt Walter Lehnertz aus, nur noch Jan Čížek und Benjamin Leo Leo sind im Rennen. Als Letzterer sein eigenes Gebot von 380 Euro noch einmal überbietet, ist Čížek raus. Der morbide Humpen geht für 400 Euro nach Berlin. Nicht abschütteln lassen hat sich Jan Čížek dagegen in einem Bieter-Duell mit seinem brasilianischen Kollegen Anaisios Guedes, als es um eine Jagdtrophäe aus dem deutschen Kaiserhaus ging.
Als ihm von seinen Kollegen scherzhaft „Todessehnsucht“ unterstellt wird, kontert Benjamin Leo Leo mit den fast philosophischen Worten: „Nein, im Gegenteil. Der soll mich daran erinnern, dass ich mein Leben jeden Tag lebe, als wäre es der letzte.“