Ältere Menschen mit Adipositas haben heute oft Blutdruck- und Cholesterinwerte wie Normalgewichtige – dank Medikamenten. Doch junge Adipöse bleiben eine übersehene Hochrisikogruppe.
AUDIO: Über 40 sind Cholesterin und Blutdruck mittlerweile ähnlich (1 Min)
Adipositas im Wandel
Übergewicht oder nicht – über 40 sind Cholesterin und Blutdruck ähnlichvon MDR WISSEN/ IZ
Stand: 02.07.2026 12:55 Uhr
Eine umfassende Langzeitstudie im Journal The Lancet kommt zu dem Ergebnis, dass ältere Menschen mit Adipositas mittlerweile metabolische Werte aufweisen, die sich denen von Gleichaltrigen ohne Adipositas nähern. In den meisten Ländern sind Cholesterin und Blutdruck seit 1990 gesunken – und zwar sowohl bei normalgewichtigen Menschen als auch bei Menschen mit Übergewicht. Besonders bei älteren Menschen und Personen mit schwerer Adipositas haben sich diese Werte überproportional stark verbessert, sodass sie mittlerweile mit normalgewichtigen Menschen gleichauf sind.
Dass Cholesterin und Blutdruck in den vergangenen Jahrzehnten bevölkerungsübergreifend gesunken sind, liegt aber nicht daran, dass die Menschen gesünder leben oder mehr Sport treiben. Die Veränderung ist hauptsächlich auf entsprechende Medikamente zurückzuführen. Dabei geht es etwa um die sogenannten Statine, hochwirksame Medikamente zur Senkung des LDL-Cholesterinspiegels im Blut. Gerade bei Älteren und Mittelalten gab es in den vergangenen 25 Jahren einen deutlichen Anstieg in der Nutzung von Statinen. Menschen mit Adipositas erhalten diese Medikamente deutlich häufiger als Normalgewichtige. In England und den USA bekamen über 70 Prozent der älteren Männer mit Adipositas Statine. Bei den Normalgewichtigen waren es nur rund 40 Prozent.
Blutdrucksenker werden gezielter eingesetztDass der Blutdruck vieler Risikogruppen in den vergangenen Jahrzehnten gesunken ist, führen die Studienautoren ebenfalls auf entsprechende Medikamente zurück. So habe der Einsatz von Blutdrucksenkern stark zugenommen. Ältere Menschen mit Adipositas werden häufiger mit den entsprechenden Medikamenten behandelt.
Damit zeigt die Studie, wie kardiovaskuläre Risiken mit den entsprechenden Medikamenten reduziert werden können. Und sie identifiziert eine Gruppe, die bisher im Nachteil ist: Junge Menschen mit Adipositas werden selten mit entsprechenden Medikamenten behandelt und bleiben daher eine unterschätzte Risikogruppe für kardiovaskuläre Probleme.
Die Studie vergleicht Trends auf Basis nationaler Gesundheitsstudien in sieben Industrieländern. Insgesamt wurden Daten von 978.425 Personen von 1990 bis 2024 erfasst. Damit ist die Studie vergleichsweise umfassend und liefert einen guten Überblick über die entsprechenden Industrienationen. Auf Schwellen- und Entwicklungsländer sind die Befunde möglicherweise nicht übertragbar.
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