Holger Schödder, zweiter Vorsitzender des Schlossbauvereins, wünscht sich eine „offene Diskussion“ über das Prestigeprojekt in Burg. Ein Kritikpunkt: Die Brücke passe nicht in das historische Ambiente von Schloss Burg.
An dieser Stelle auf dem Parkplatz von Schloss Burg soll die Brücke einen Ausgangspunkt haben.
Foto: Christian BeierSolingen · Holger Schödder, zweiter Vorsitzender des Schlossbauvereins, wünscht sich eine „offene Diskussion“ über das Prestigeprojekt in Burg. Ein Kritikpunkt: Die Brücke passe nicht in das historische Ambiente von Schloss Burg.
Als die Firma Eberhardt Projektentwicklung aus Riedlingen das Vorhaben in der Bezirksvertretung Burg/Höhscheid erstmals vorstellte, sahen viele BV-Mitglieder Tourismusträume für Burg wahr werden. Im Zusammenspiel mit dem frisch sanierten Schloss Burg soll sich irgendwann majestätisch eine Hängebrücke über die Wupper erheben – etwa 280 Meter lang, vom ehemaligen Sportplatz in Oberburg bis zum Parkplatz von Schloss Burg. Erreichbar wäre das Bauwerk über einen Fußweg vom Sportplatz aus, um dann in einem Waldstück in der Nähe des Ehrenmals Bergisches Feldartillerie-Regiment 59 zu beginnen.
Das klingt für viele verlockend. Holger Schödder, zweiter Vorsitzender des Schlossbauvereins, ist angesichts der Pläne allerdings skeptisch. Er engagiert sich seit vielen Jahren für den Erhalt von Schloss Burg und blickt deshalb besonders auf das historische Umfeld. „Die Burg ist mit der Sanierung in einen Zustand versetzt worden, wie man ihn sich im Mittelalter vorgestellt hat. Und da gab es nun mal keine Hängebrücke.“
Die allgemeine Euphorie über das Projekt könne er nicht nachvollziehen, solange für ihn wesentliche Fragen unbeantwortet bleiben. Eine davon ist die: „Was sagt eigentlich der städtische Denkmalschutz dazu?“ Die Stadt Solingen und der Investor verweisen derzeit auf „vertrauliche Gespräche“.
Holger Schödder, zweiter Vorsitzender des Schlossbauvereins, sieht die Pläne für eine Hängebrücke kritisch.
Foto: Christian BeierSchödder befürchtet, dass die Würfel in Bezug auf die Hängebrücke längst gefallen sind. „Sonst hätte der Investor wohl kaum das Grundstück auf dem ehemaligen Sportplatz in Oberburg gekauft.“ Madig reden wolle er die Pläne nicht, plädiert aber für „eine offene Diskussion mit den Bürgerinnen und Bürgern von Burg“.
Zudem stellt sich für ihn die Frage, welche Zugkraft das Bauwerk später besitzen wird, wenn die Stadt Wuppertal im Rahmen der Bundesgartenschau ebenfalls eine Hängebrücke plant – mit 850 Metern deutlich länger als die in Solingen.
Zudem wünscht er sich einen etwas anderen Standort der Brücke als den aktuell geplanten. „Sie sollte etwas weiter von der Burg entfernt stehen und nicht direkt daneben.“ Auch in Bezug auf den Naturschutz sieht Holger Schödder Klärungsbedarf.
Eine Hängebrücke in Todtnau im Schwarzwald ist das bauliche Vorbild für das Projekt in Solingen.
Foto: Roland Keusch„Der Denkmalschutz und der Naturschutz haben da ein erhebliches Wörtchen mitzureden“, betont auch der Vorsitzende des Naturschutz-Beirates Bernd Krebs. Schödders Argumente könne er grundsätzlich nachvollziehen, findet aber auch: „Der Investor macht auf mich einen sehr vertrauenswürdigen Eindruck.“ Der Beirat wolle sich erst dann ausführlich mit dem Vorhaben beschäftigen, wenn die konkreten Pläne auf dem Tisch liegen.
Große Hoffnungen verbindet derweil Burg/Höhscheids Bezirksbürgermeister Paul Westeppe (CDU) mit den Plänen. Die Brücke solle „den Tourismusstandort Burg stärken und zukunftsfähig machen“. Was das historische Erscheinungsbild betrifft, hält er nichts von Purismus im Sinne einer streng historischen Gestaltung. „Wir leben im 21. Jahrhundert, die Welt hat sich weitergedreht. Deshalb stehen wir heute vor der Herausforderung, Tradition und Moderne sinnvoll miteinander zu verbinden. Man muss mit der Zeit gehen.“
Große Vorteile des Brückenschlags wären laut Westeppe unter anderem eine Minderung des Parkdrucks durch den Ausbau des ehemaligen Sportplatzes in Oberburg. „Außerdem haben wir die Möglichkeit, eine Attraktion zu schaffen, für die wir keine öffentlichen Mittel in die Hand nehmen müssen.“ Die Eber-hardt Projektentwicklung würde den Bau der Brücke vollständig finanzieren und diese später auch wirtschaftlich betreiben.
Einer, der vom Erfolg der Idee nicht mehr überzeugt werden muss, ist Gottfried Engendahl vom Team der Deepwood GmbH in Wuppertal. Das Unternehmen eröffnete 2021 den Müngstener Brückensteig, ein besonderes Klettererlebnis auf der Müngstener Brücke. Von der geplanten Hängebrücke verspricht sich Engendahl eine äußerst attraktive Ergänzung für das touristische Angebot im gesamten Städtedreieck. „Touristisch ist das eine Riesenchance“, ist er überzeugt. Noch fehle dem Bergischen eine starke touristische Identität, doch werde die Region schon jetzt erfolgreich als „Brückenland“ vermarktet. Die geplanten Hängebrücken in Solingen und Wuppertal sowie die Müngstener Brücke zwischen Solingen und Remscheid sehe er nicht als Konkurrenz für den Brückensteig, ganz im Gegenteil. „Wir müssen für den Tourismus in der Region alle an einem Strang ziehen.“