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Rose Gaiser aus Mutlangen: „Weniger aufwendig wär' mir lieber gewesen“

Дата публикации: 22-07-2026 14:00:00

Rose Gaiser engagiert sich seit Jahrzehnten für ihre Mitmenschen. Für ihren außergewöhnlichen Einsatz bekommt sie jetzt das Bundesverdienstkreuz.

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Stand: 23.07.2026, 11:58 Uhr

Von: Andrea Rohrbach

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Rose Gaiser mit ihren Auszeichnungen, dem Bundesverdienstkreuz und dem Ehrenamtspreis der Gemeinde Mutlangen

Rose Gaiser mit ihren Auszeichnungen, dem Bundesverdienstkreuz und dem Ehrenamtspreis der Gemeinde Mutlangen © Andrea Rohrbach

Rose Gaiser engagiert sich seit Jahrzehnten für ihre Mitmenschen. Für ihren außergewöhnlichen Einsatz bekommt sie jetzt das Bundesverdienstkreuz.

Mutlangen. Zwischen einem Termin und dem Mittagessenkochen für ihre Enkel bleibt Rose Gaiser gerade Zeit für ein Gespräch. Viel Zeit ist es nicht. Der Terminkalender der Mutlangerin ist auch im Ruhestand erstaunlich gut gefüllt. Mal geht es zur Sitzung des Gemeinderats, mal ins Marktcafé, mal zum Kirchenchor oder zu einer Besprechung für das Schulprojekt Cartagena. Und wenn irgendwo Hilfe gebraucht wird, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Rose Gaiser nicht lange überlegt. „Eigentlich war das für mich nie Arbeit“, sagt sie. „Es hat einfach immer Freude gemacht.“

Zwei Auszeichnungen für jahrzehntelanges Engagement

Dass sie für dieses jahrzehntelange Engagement Ende Juli gleich mit zwei besonderen Auszeichnungen geehrt wurde – dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und dem Ehrenamtspreis der Gemeinde Mutlangen –, freut sie zwar. Wohl fühlte sie sich mit so viel Aufmerksamkeit allerdings zu Beginn nicht. „Weniger aufwendig wär' mir lieber gewesen“, sagt sie augenzwinkernd.

Dieser Satz beschreibt Rose Gaiser vermutlich besser als jede Laudatio. Sie gehört zu den Menschen, die lieber organisieren als geehrt werden, lieber im Hintergrund Fäden ziehen als selbst im Mittelpunkt stehen.

Bürgermeisterin Stephanie Eßwein würdigte sie bei der Feierstunde als eine Persönlichkeit, die immer zur Stelle sei, wenn Hilfe gebraucht werde, Verantwortung übernehme und es verstehe, Menschen für gemeinsame Ziele zu begeistern. Herzlichkeit, Verlässlichkeit und eine scheinbar unerschöpfliche Tatkraft zeichneten sie aus. Wer Rose Gaiser begegnet, merkt schnell: Genau das scheint ihr Antrieb zu sein. Nicht Auszeichnungen oder öffentliche Anerkennung, sondern die Freude daran, gemeinsam mit anderen etwas zu bewegen.

Das Engagement liegt offenbar in der Familie

Dass sie einmal so viele Ehrenämter übernehmen würde, sei keineswegs geplant gewesen. „Ich glaube, das ist ein Familiengen“, sagt sie und lacht. Schon ihr Vater habe sich mit großer Selbstverständlichkeit für andere eingesetzt. Dieses Vorbild habe sie geprägt.

Angefangen hat alles vor rund 40 Jahren im Kirchengemeinderat. Damals war die junge Mutter Anfang 30 und saß in einem Gremium, das fast ausschließlich aus Männern bestand. „Das war damals schon einschüchternd“, erinnert sie sich. Gleichzeitig sei diese Zeit eine gute Schule gewesen. Dort habe sie gelernt, die eigene Stimme zu erheben und sich einzubringen.

Nach den klassischen Stationen vieler Eltern – Elternbeirat, Kindergarten und Schule – nahm ihr ehrenamtliches Engagement mit der Altersteilzeit noch einmal richtig Fahrt auf.

Gemeinderat, Marktcafé und Kirchenchor

Wer versucht, alle Aufgaben von Rose Gaiser aufzuzählen, kommt schnell ins Stocken. Gemeinderätin, erste stellvertretende Bürgermeisterin, Vorsitzende des Vereins zur Förderung des Schulprojekts Cartagena, Chorsprecherin, Marktcafé, Aufsichtsrätin der Agnes Philippine Walter-Stiftung – und das sind nur die bekanntesten Stationen. Fragt man sie selbst danach, winkt sie fast schon verlegen ab. „Ein Zuviel hat es für mich nie gegeben. Keines meiner Ehrenämter war jemals eine Last“, stellt sie klar.

Was sie antreibt, ist weder Ehrgeiz noch Pflichtgefühl. Es sind die Menschen. „Es macht einfach Freude, zusammenzuarbeiten.“

Das Schulprojekt Cartagena liegt ihr besonders am Herzen

Besonders am Herzen liegt ihr bis heute das Schulprojekt Cartagena. Eine Reise nach Kolumbien im Jahr 2004 wurde zum Wendepunkt. Die Armut in den Slums und die Perspektivlosigkeit vieler Kinder ließen sie nicht mehr los. Seit über 20 Jahren organisiert sie gemeinsam mit vielen Mitstreitern Oster- und Weihnachtsmärkte, Benefizaktionen und Bewirtungen, um Kindern dort eine Schulbildung und damit eine Zukunftsperspektive zu ermöglichen.

In ihrer Dankesrede machte sie deutlich, dass sie beide Auszeichnungen nicht allein als persönliche Ehrung verstehe, sondern als Anerkennung all der Menschen, die sie über Jahrzehnte begleitet, unterstützt und mit ihr gemeinsam Projekte verwirklicht haben. Ehrenamt sei niemals eine Einzelleistung.

Menschen zusammenbringen statt selbst im Mittelpunkt stehen

Diese Haltung zieht sich durch ihr gesamtes Leben. Ob im Gemeinderat, im Kirchenchor oder im Marktcafé – überall geht es ihr darum, Menschen zusammenzubringen. Vielleicht ist genau das ihre größte Stärke: Andere für eine gute Sache zu begeistern, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen.

Der Glaube als Kraftquelle

Kraft schöpft Rose Gaiser aus ihrem christlichen Glauben. Der Satz aus dem ersten Petrusbrief „Dient einander, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat“ begleitet sie seit vielen Jahren. Dass sie sich nach Bundesverdienstkreuz und Ehrenamtspreis nun etwas zurücklehnen könnte, kommt für sie trotzdem nicht infrage. „Ich verstehe diese Auszeichnung nicht als Abschluss meines Weges, sondern als Ermutigung weiterzumachen“, sagte sie bei der Feierstunde.

Auch für die sieben Enkel ist sie im Einsatz

Und wenn gerade einmal keine Gemeinderatssitzung, kein Marktcafé oder keine Benefizveranstaltung ansteht? Dann übernimmt Rose Gaiser ihre vielleicht schönste Aufgabe. Mit derselben Hingabe, mit der sie sich seit Jahrzehnten für andere einsetzt, ist sie „Koch, Läufer und Springer“ für ihre sieben Enkel.

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