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Bahn geht Dunja Hayali und ZDF nach Bahn-Reportage scharf an

Дата публикации: 23-07-2026 19:07:00

In einer neuen Reportage fragt ZDF-Journalistin Dunja Hayali: Ist Bahnfahren mehr als nur nervig – ist es gefährlich? Die DB reagiert erbost und bezeichnet den Beitrag als „unseriös“.

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In einer neuen Reportage fragt ZDF-Journalistin Dunja Hayali: Ist Bahnfahren mehr als nur nervig – ist es gefährlich? Die DB reagiert erbost und bezeichnet den Beitrag als „unseriös“.

Verspätungen bei fast jeder zweiten Fernfahrt, eine chaotische Kundenkommunikation und die marode Infrastruktur: Wie komplex die Gründe dafür sind und wie schwierig es ist, die Bahn wieder richtig aufzugleisen, zeigt eine neue Ausgabe der Reportage-Reihe „Am Puls mit Dunja Hayali“ im ZDF.

Bahn kritisiert „methodische Fehler, die die journalistische Expertise stark in Frage stellen“

In einem Pressestatement kritisiert die Bahn, der Beitrag zeige „einseitig die angebliche Realität der Deutschen Bahn“. Der Konzern warf dem Sender vor, wesentliche Fakten und Fortschritte bei Infrastruktur, Digitalisierung und Betriebsqualität ignoriert zu haben. Nach Ansicht der Bahn entstehe dadurch ein verzerrtes Bild der aktuellen Lage und der Arbeit der mehr als 200.000 Beschäftigten.

„Der Film enthält zudem methodische Fehler, die die journalistische und fachliche Expertise der Filme-Macher stark in Frage stellen“, schreibt die Bahn in ihrer Stellungnahme und führt drei Beispiele auf.

„Hier werden Kirschen mit Kürbissen verglichen“

Besonders der Vergleich mit dem belgischen Nachbarland hinke.

Die Bahn bemängelt: „Am deutlichsten wird dies im Pünktlichkeitsvergleich zwischen der Bahn in Deutschland und jener in Belgien: Hier werden Kirschen mit Kürbissen verglichen. Die erwähnte belgische Quote von rund 92 Prozent Pünktlichkeit umfasst sämtliche Zugverkehre. In unserem Nachbarland fahren überwiegend Nahverkehrszüge auf einem Netz von gerade einmal einem Fünftel des deutschen Schienennetzes. Der ehrliche, direkte Vergleich – nämlich den Personenverkehr gesamt betrachtet – zeigt: Die DB fährt auf annähernd gleich hohem Niveau, im Jahr 2025 lag der Wert bei 88,0 Prozent. Diesen Vergleich bleibt der Film schuldig.“

In der ZDF-Doku reist Hayali nach Belgien, wo bereits das gesamte Streckennetz digital ausgerüstet ist. Doch der Vergleich mit Deutschland ist etwas ungerecht: Das belgische Gleisnetz ist mit seinen 6400 Kilometern deutlich kleiner. Das Streckennetz der Deutschen Bahn ist knapp 33.500 Kilometer lang.

„Faktisch falsch“, meint die Bahn

Doch Hayalis zentrale Frage, wieso die Digitalisierung des deutschen Schienennetzes kaum vorankommt, ist berechtigt. Die Antworten bleiben in der Doku gleichwohl vage. Ein Grund sei, dass zunächst die Züge mit der Technik ausgerüstet werden sollten, die Politik dafür aber kein Geld bereitgestellt habe. Klare Verantwortlichkeiten bleiben auch hier aus.

Scharfe Worte wählt die Bahn auch beim Thema digitales Stellwerk. „Die Behauptung, die Deutsche Bahn verfüge über kein einziges digitales Stellwerk, ist faktisch falsch. Bereits 2018 wurde das erste digitale Stellwerk in Annaberg-Buchholz in Betrieb genommen. Aktuell hat die DB bereits 3 digitale Stellwerke in Betrieb und über 20 Stellwerke, die verschiedene Elemente von digitalen Stellwerken im Echtbetrieb haben. Das hat keine andere Bahn in Europa. Dass wir zu viele alte Stellwerke haben, sagen wir selbst seit Jahren“, so die DB.

Wie sicher ist die Bahn, will Hayali wissen

In dem Film „Unsere Bahn - Geliebt, Verflucht - Gefährlich?“ macht sich die Journalistin auf die Reise mit dem ICE, trifft die Bahnchefin, Lokführer und Politiker - und spricht mit vielen Betroffenen.

Eine ihrer zentralen Fragen: Ist der schlechte Zustand der Bahn mehr als nur ein Ärgernis für Reisende, ist er gar eine Gefahr für Leib und Leben? Ein großer Teil der knapp 45-minütigen Doku widmet sich dem Zugunglück von Garmisch-Partenkirchen. Bei der Entgleisung eines Regionalzuges im Juni 2022 starben fünf Menschen, Dutzende wurden verletzt. Hauptgrund waren marode Betonschwellen, die dem Gewicht des Zuges nicht mehr standhielten.

Fünf Menschen starben bei dem Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen

Nach dem Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen sorgen sich viele um die Sicherheit im Zug. Picture Alliance/dpa | Peter Kneffel

Hayali zitiert aus einem internen Untersuchungsbericht zu dem Unglück. Er zeigt demnach unter anderem, dass bei der Bahn seinerzeit offenbar wichtige Informationen zu den maroden Schwellen nicht an die zuständigen Kontrolleure weitergegeben worden seien. Die Deutsche Bahn hat im Anschluss an das Unglück Millionen Betonschwellen ausgetauscht. Hayali fragt, wie viele marode Schwellen noch in der Erde liegen - Zahlen dazu erhält sie nicht. 

Lokführer: Fühle mich in manchen Momenten überhaupt nicht wohl

Ein anonym bleibender Lokführer berichtet in dem Film, dass er auch nach dem Unfall auf seine internen Hinweise zu möglichen Problemstellen kaum Rückmeldung erhalte. Ob die gemeldete Stelle ausgebessert wurde oder nicht, wisse er bei der nächsten Drüberfahrt nicht. „Es gibt tatsächlich auch Momente, in denen ich mich überhaupt nicht wohlfühle“, sagt der Mann.

Ende Januar dieses Jahres wurden im Zusammenhang mit dem Zugunglück in Oberbayern zwei angeklagte Bahnmitarbeiter freigesprochen. Bewegend sind die Szenen, in denen Hayali mit einem Witwer spricht, dessen Frau bei dem Unfall ums Leben kam. Groll gegen den freigesprochenen Fahrdienstleiter und den Streckenverantwortlichen hege er keinen, betont der Mann. Im Prozess sei er auf einen der beiden zugegangen. „Als ich zu dem hin bin, da sind wir beide in Tränen gewesen.“ Er habe sich über den Freispruch gefreut, sagt der Witwer. Klar wird: Schuld sind nicht einzelne Personen, das Problem ist systemisch.

Digitalisierung Fehlanzeige

Das wird auch deutlich beim zweiten zentralen Thema der Doku, die schleppende Digitalisierung des deutschen Schienennetzes. Nur zwei Prozent davon seien mit dem digitalen Zugleitsystem ETCS ausgestattet, referiert Hayali. Fassungslos steht sie bei den jüngsten Sanierungsarbeiten zwischen Hamburg und Berlin an der Strecke und sieht dabei zu, wie statt digitaler Leit- und Sicherungstechnik die alte Signaltechnik wieder eingebaut wird.

Schlechter kann es nicht werden

Der CDU-Abgeordnete Michael Donth muss sich gegen Ende des Films noch der Frage stellen, wieso die Union, die seit vielen Jahren das Verkehrsministerium führt (mit kurzer Unterbrechung in der vorherigen Legislaturperiode), das Schienennetz in Deutschland so habe verkommen lassen. Eine überzeugende Antwort darauf hat er nicht. 

„Gäbe es einen Masterplan, würde man Geld in die Hand nehmen und wirklich richtig Gas geben, dann ist das schon möglich - auch in Deutschland“, sagt Hayali zum Abschluss. Wie genau ein solcher Plan aussehen müsste, bleibt jedoch offen. Und so bleibt vor allem der Wunsch der Bahnchefin: „Dass wir in Deutschland wieder stolz sind auf unsere Bahn und dass die Pünktlichkeit in einigen Jahren deutlich besser ist als das, was wir heute sehen.“ Hayalis Kommentar: „Viel schlechter kann es ja auch nicht mehr werden.“

mit Material der dpa

„Keiner ist in der Lage, richtig zu organisieren”

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