Die Lage am Persischen Golf eskaliert weiter. Gas ist so teuer wie 2023 nicht. Verbraucher sollten ihre Gasverträge prüfen.
Gas wird im Großhandel wieder teurer. Dahinter stecken die neuen Unsicherheiten an der Straße von Hormus. Verbraucher müssen ihre Verträge prüfen.
Am Donnerstag (23. Juli) ist der Preis für Erdgas in Europa auf rund 63 Euro pro Megawattstunde gestiegen. So teuer war Erdgas seit Januar 2023 nicht mehr, und speziell seit dem Irankrieg ist das ein neuer Rekord. Am Markt wächst die Sorge vor länger anhaltenden Lieferstörungen, weil die Vereinigten Staaten und der Iran die Lage am Persischen Golf zuletzt weiter eskalierten. Das Problem für Verbraucher: Wenn Gas im Großhandel teurer wird, wirkt sich das mittelfristig auch die Preise für neue Gasverträge aus.
Für eine Verteuerung spricht zum Beispiel das Problem Gasspeicher. Richtung Jahresende befürchten Marktbeobachter wegen der derzeit noch geltenden Füllstandsvorgaben teurere Gaspreise. Üblicherweise kaufen die Händler im Sommer, wenn niemand es braucht und es billig ist, viel Gas ein und machen Profit, indem sie das Gas in der Bedarfsperiode ab Oktober und November wieder verkaufen. Weil durch die Füllstandsvorgaben aber klar ist, dass irgendjemand im Sommer auf jeden Fall Gas kaufen muss, gibt es keinen Anreiz, die Preise zu senken.
Die Gasversorger haben zwei Optionen. Entweder kaufen sie trotzdem wie gewohnt ein und zahlen mehr, wobei sie die zusätzlichen Kosten irgendwie an Verbraucher weitergeben würden, oder sie warten ab, bis die Lage am Persischen Golf sich entspannt, und riskieren Versorgungsengpässe.
„Europa insgesamt und Deutschland im Besonderen steuern darauf zu, mit dem niedrigsten Gasspeicherbestand seit der Energiekrise von 2022 – und womöglich seit mehr als einem Jahrzehnt – in den Winter zu gehen“, warnt die Gasmarktexpertin Natasha Fielding von Argus Media. Es sei schwer vorstellbar, dass die Bundesrepublik ihre Füllstandsvorgaben ohne ein Eingreifen der Regierung noch erreichen kann.
Weil die Börsenpreise ein Teil des Gaspreises sind, den die Verbraucher am Ende bei ihren Verträgen spüren, werden sich höhere Börsenpreise immer auf die Preisgestaltung für die Verträge auswirken. Neben den Beschaffungskosten für Gas spielen auch staatlich veranlasste Kosten und Netz- sowie Messentgelte eine Rolle.
Bislang sind Verbraucher trotz des Kriegs von allzu schweren Preisanstiegen verschont geblieben. Im Gegenteil ging das Vergleichsportal Verivox für das Gesamtjahr gar noch von günstigeren Gaspreisen aus. Ein möglicher Grund: Gasanbieter kaufen ihr Gas grundsätzlich weit im Voraus. Im Grunde zehren die Verbraucher, die neue Gasverträge abschließen, also noch von den niedrigeren Gaspreisen vom letzten Jahr. 2025 hatte die Megawattstunde im Durchschnitt 37 Euro gekostet.
Das wird aber nicht zwangsläufig so bleiben. „Es ist durchaus möglich, dass einzelne Versorger bis Jahresende noch Preisanpassungen vornehmen“, warnt Thorsten Storck vom Vergleichsportal Verivox. Spätestens, wenn die neu eingekauften Gasmengen an der Reihe sind, an die Verbraucher weiterverkauft zu werden, kann es zu Erhöhungen kommen.
Neben Gas-Neuverträgen werden die höheren Gaspreise den Strompreis betreffen. Gaskraftwerke sind in der Bedarfsdeckung am Strommarkt oftmals die letzten Kraftwerke – und auch die teuersten. Ihr Betriebspreis kann darum den endgültigen Preis für den gesamten gehandelten Strom beeinflussen. Wenn also Gas über einen längeren Zeitraum teurer bleibt, kosten nicht nur die Gasverträge mehr, sondern auch die Stromverträge.
Für Verbraucher heißt das: Wer nicht aufpasst, zahlt am Ende ein paar Cent pro Kilowattstunde mehr. Wie das durch das jetzt wieder teurere Gas aussehen kann, zeigt ein Blick zurück ins Frühjahr. Im März 2026, also im Zeitraum des letzten Großhandels-Rekords beim Gaspreis, war die Kilowattstunde für Neukunden etwa 8,4 Cent teuer. Im April stieg der Preis auf 10,86 Cent, ehe er im Mai wieder auf 9,79 Cent fiel.
Es gab also durchaus eine Verteuerung, aber die schnelle Erholung hat unter anderem zu der milden Vorhersage von Verivox beigetragen.
Für den Fall, dass es sich nur um eine kurzzeitig Spitze handelt, könnten wir im August ganz ähnliche Anstiege erleben. Allerdings hängt das voll von der geopolitischen Lage um die Straße von Hormus ab. Weitere Eskalation oder stärkere Ausschläge beim Großhandelspreis für Gas können die Endkundenpreise deutlich höher treiben als noch vor wenigen Monaten.
Prüfen Sie regelmäßig Ihren Strom- und Gasvertrag darauf, ob Sie vielleicht einen billigeren Vertrag finden. Marktakteure raten seit Kriegsbeginn zu Verträgen mit mindestens einem Jahr Preisgarantie. Die verhindern, dass die Anbieter die Preise während festgelegter Zeiträume verändern.
Diese Verträge sind zwar oftmals teurer als welche ohne Garantie. In geopolitisch turbulenten Zeiten können diese Garantien aber dabei helfen, viel Geld zu sparen.
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