Tag der Wassermelone am 3. August: Woran Sie eine reife Wassermelone erkennen, warum der Klopftest wenig taugt und woher die Frucht stammt.
In jedem Berliner Supermarkt läuft im August dieselbe Szene ab. Jemand steht vor der Melonenkiste, beugt sich vor, klopft mit den Fingerknöcheln gegen die grüne Schale, hält kurz inne. Dann legt er die Frucht zurück und nimmt die daneben.
Niemand weiß, was er da eigentlich hört. Es sieht nur so aus, als wüsste man es.
Passend dazu ist heute Tag der Wassermelone. Ein guter Anlass, mit dem Ritual aufzuräumen.
Öko-Test hält den bekannten Klopftest für überschätzt, und zwar aus einem simplen Grund: Laien wissen gar nicht, auf welchen Klang sie achten sollen. Ohne Vergleichswert ist jedes Geräusch aus einer Melone einfach ein Geräusch aus einer Melone.
Der verlässliche Hinweis liegt an einer Stelle, die im Regal nach oben zeigt: an der Unterseite.
Dort hat die Frucht auf dem Feld gelegen. Ist der Fleck cremig- bis kräftig gelb, hatte sie genug Zeit in der Sonne. Ist er weißlich und lässt die grünen Streifen durchscheinen, wurde zu früh geerntet.
Also: Melone im Laden einmal umdrehen. Eine makellose Oberseite sagt nichts.
Eine reife Wassermelone ist prall und rund und hat stumpfe Enden. Spitz zulaufende Früchte sind laut Öko-Test oft noch nicht so weit.
Die Schale wirkt eher matt als glänzend. Und im Vergleich mit gleich großen Exemplaren fühlt sich die bessere Melone schwerer an, weil mehr Saft drinsteckt. Ein noch vorhandener Stiel sollte braun und trocken sein.
Wer trotzdem klopfen will, kann es wenigstens richtig machen. Ulrike Bickelmann von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung rät, mit der flachen Hand leicht gegen die Schale zu schlagen. „Wenn sie vibriert, dann ist sie genau richtig“, sagte die Fruchtexpertin dem Portal t-online. Bleibt die Melone stumm, ist sie innen weich und wattig.
Reif oder nicht? Das sieht man erst nach dem Anschnitt – oder vorher am gelben Fleck an der Unterseite. (Symbolbild)
© IMAGO/Vitaly Timkiv
Der Tag der Wassermelone selbst ist deutlich schlechter dokumentiert als die Frucht. Der National Watermelon Day stammt aus den USA, wo Anfang August die Haupterntezeit beginnt. Wer ihn ins Leben gerufen hat, weiß niemand.
Das Portal Kuriose Feiertage hat ihn immerhin bis Ende der 1990er-Jahre zurückverfolgt. Zwei US-Schülerinnen führten ihn damals in einem Online-Kalenderblatt, dessen älteste auffindbare Fassung aus dem Mai 2000 stammt. Mehr gibt die Aktenlage nicht her.
Bei der Frucht wird es dann seriös. Citrullus lanatus gehört zu den Kürbisgewächsen und ist streng genommen eine Beere. Zu rund 92 Prozent besteht sie aus Wasser, handelsübliche Exemplare wiegen zwischen vier und 25 Kilogramm.
Herkunft: Die Wassermelone kommt aus dem SudanLange galt das südliche Afrika als Heimat der Pflanze. Ein Team um die Biologin Susanne Renner korrigierte das 2021 in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“.
Die Forscher sequenzierten das Genom der Kordofan-Melone aus dem Sudan und identifizierten sie als nächste Verwandte und wahrscheinliche Stammform der Kulturwassermelone. Deren Fruchtfleisch ist weißlich und nicht bitter.
Vom knallroten Zuckerschock heutiger Sorten ist das weit entfernt – und genau das ist der Punkt: Die Süße der Wassermelone ist kein Naturgeschenk, sondern das Ergebnis von Jahrtausenden Züchtung.
Dazu passen ägyptische Grabmalereien, die das Team neu interpretiert hat. Schon vor gut 4300 Jahren dürfte im Niltal Wassermelone als Dessert serviert worden sein. Renner überzeugte vor allem, dass die Früchte dort neben Weintrauben und anderem süßen Obst liegen.
Nach oben ist bei dieser Frucht viel Luft. Den Guinness-Weltrekord hält seit Oktober 2013 der US-Amerikaner Chris Kent aus Sevierville im Bundesstaat Tennessee. Seine Melone wog 159 Kilogramm.
Teurer wird es in Japan. Die Densuke-Melone aus der Kleinstadt Toma auf Hokkaido hat eine tiefschwarze, glänzende Schale und wird in kleinen Stückzahlen versteigert. Der Höchstpreis liegt bei 750.000 Yen, gezahlt 2019, umgerechnet rund 6000 Dollar.
Auch bei der Saisonauktion im Juni 2025 wechselte ein Exemplar für 700.000 Yen den Besitzer. Käufer war ein Supermarkt, der die Frucht anschließend zum Probieren freigab.
Der Berliner Wochenmarkt bleibt bodenständiger. Deutschland importiert den Großteil seiner Melonen aus Südeuropa, vor allem aus Spanien.
2022 stammten laut Statistischem Bundesamt 52 Prozent der eingeführten Wasser- und Zuckermelonen von dort, rund 285.300 Tonnen. Wichtigste Exportprovinz ist Almería.
Selbstverständlich war die Frucht nicht immer. Obst aus dem Süden kam in der DDR überwiegend aus den sozialistischen Partnerländern, vor allem aus Ungarn, Rumänien und Bulgarien, und war laut Bundeszentrale für politische Bildung nur unregelmäßig im Handel.
Eine Melone im Netz war damit kein Alltagseinkauf, sondern eine kleine Geschichte.
Berlin steuert in dieser Woche wieder auf über 30 Grad zu. Insofern kommt der Anlass gelegen.
Wer heute an der Melonenkiste steht, darf ruhig weiter klopfen. Es beruhigt, es gehört dazu, es kostet nichts. Nur entscheiden sollte man danach nicht.
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