Der DFB greift durch und will die Strafzahlungen für den Einsatz von Pyrotechnik bei Profifußballspielen massiv erhöhen. In der Vergangenheit mussten sowohl der FCS als auch die SVE dafür schon tief in die Tasche greifen. Eine Auswertung.
Saarbrücken/Spiesen-Elversberg · Der DFB greift durch und will die Strafzahlungen für den Einsatz von Pyrotechnik bei Profifußballspielen massiv erhöhen. In der Vergangenheit mussten sowohl der FCS als auch die SVE dafür schon tief in die Tasche greifen. Eine Auswertung.
Der DFB will stärker gegen den Einsatz von Pyrotechnik bei Fußballspielen vorgehen.
Foto: dpa/Peter SteffenEs gibt wohl unter Fußballfans kaum ein anderes Thema, das die Gemüter so erhitzt wie der Einsatz von Pyrotechnik in den Fußballtempeln der Republik. Die zwei klassischen Denkweisen lassen sich dabei wohl so zusammenfassen: Die Fraktion Pro-Pyrotechnik argumentiert vor allem mit dem Stichwort Fankultur. Fans und Ultras sehen Bengalos als emotionalen Teil einer lebendigen Fankurve, die neben Choreografien das Gemeinschaftsgefühl und die Atmosphäre im Stadion steigert. Die Gegenseite hält dagegen, dass Böller, Bengalos und Co. eben vor allem eines sind: eine Gefahr.
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„Die Geldstrafen für besonders gefährliche Pyrotechnik wurden deutlich erhöht“
Bengalische Feuer erreichen Temperaturen von bis zu 2.000 Grad und können durch giftige Dämpfe zu Atemwegsreizungen sowie Verbrennungs- oder Brandgefahren in Menschenmengen führen. Der DFB verbietet den Einsatz von Pyro deshalb strikt – und will jetzt noch härter durchgreifen, mit einer Neuausrichtung des sogenannten „Strafmessungsleitfaden“. Davon sind auch der 1. FC Saarbrücken und die SV Elversberg betroffen.
Gerade weil es in jüngerer Vergangenheit immer wieder zu größeren Schlagzeilen rund um Pyrotechnik kam – man denke nur an das DFB-Pokalfinale zwischen dem FC Bayern und dem VfB Stuttgart, bei dem dem Berliner Olympiastadion ordentlich eingeheizt wurde – will der DFB die Strafen verschärfen – geht an einer Stelle aber auch einen Kompromiss ein. Das Präsidium hat neue Leitlinien für die Ahndung von Pyrotechnik beschlossen. Der Grundgedanke: Künftig soll stärker zwischen den unterschiedlichen Gefahren unterschieden werden.
Dazu heißt es konkret: „Die Geldstrafen für besonders gefährliche Pyrotechnik, wie Böller, Raketen oder geworfene Pyrotechnik, wurden deutlich erhöht. Demgegenüber werden Strafen für andere, zum Beispiel in der Hand gehaltene Bengalfackeln, leicht gesenkt, um hier innerhalb der tatsächlich bestehenden Gefahren zuallererst die Risiken insgesamt zu minimieren und insbesondere Verhaltensänderungen zu bewirken.“ Gleichzeitig dürfen die Vereine künftig einen größeren Teil der verhängten Geldstrafen in Sicherheitsmaßnahmen und Präventionsarbeit investieren als bisher. Konkrete Zahlen, wie viel teurer der Einsatz von Pyrotechnik künftig werden soll, nennt der DFB allerdings nicht.
So viel mussten FCS und SVE in den vergangenen Spielzeiten zahlen
Doch schon nach dem bisherigen Strafenkatalog des Fußballverbands ist Pyrotechnik für die Vereine ein teures Vergnügen. Jeder abgebrannte Bengalo kostet in der Bundesliga 1.000 Euro, in der 2. Bundesliga 600 Euro und in der 3. Liga 350 Euro. Noch deutlich teurer wird es bei geworfener oder abgeschossener Pyrotechnik. Dafür werden aktuell 3.000 Euro pro Gegenstand in der Bundesliga, 1.500 Euro in der 2. Bundesliga und 750 Euro in der 3. Liga fällig. Genau diese besonders gefährlichen Verstöße will der DFB künftig deutlich härter sanktionieren – wie viel härter, ist bislang nicht bekannt. Bei „schwerwiegenden“ Fällen – etwa wenn Menschen verletzt werden oder Spiele wegen Pyrotechnik unterbrochen oder sogar abgebrochen werden müssen – drohen den Vereinen außerdem weitergehende Sanktionen bis hin zu Geisterspielen, Punktabzügen oder im Extremfall sogar dem Zwangsabstieg, wie es in der aktuellen Pressemitteilung heißt.
Das Thema betrifft auch die saarländischen Proficlubs unmittelbar. Der 1. FC Saarbrücken gehört seit Jahren zu den Vereinen, der wegen Fanvergehen regelmäßig tief in die Tasche greifen muss. Alleine in der Saison 2024/25 summierten sich die DFB-Strafen auf rund 277.000 Euro – der Großteil davon wegen des Einsatzes von Pyrotechnik. Damit belegte der FCS im Strafen-Ranking den dritten Platz der 3. Liga. In der vergangenen Saison kamen die Saarbrücker etwas günstiger weg und mussten insgesamt rund 70.000 Euro Strafe an den DFB abdrücken.
Die SV Elversberg kam im gleichen Zeitraum deutlich besser davon. Der Bundesliga-Aufsteiger musste für Fanvergehen in der Saison 2024/25 lediglich 3.600 Euro bezahlen und war damit sogar der Zweitligist mit den niedrigsten Strafzahlungen. In der vergangenen Saison musste die SVE allerdings ebenfalls mehrfach wegen Pyrotechnik zahlen – unter anderem 10.800 Euro für 18 abgebrannte pyrotechnische Gegenstände in Kaiserslautern sowie weitere 9.600 Euro für Bengalos in Darmstadt und einen Rauchtopf gegen Münster. Insgesamt mussten die Elversberger in der Saison 2025/26 20.400 Euro für Fanvergehen blechen.
Über die letzten 15 Jahre ergibt sich ein eindeutiges Bild
Schaut man sich die vom DFB geahndeten Fanvergehen seit der Saison 2011/12 an, ergibt sich ein noch deutlicheres Bild. Der 1. FC Saarbrücken musste in diesem Zeitraum rund 785.000 Euro an den DFB zahlen, die SV Elversberg gerade einmal rund 33.000 Euro. Mit den verschärften DFB-Regeln könnten vergleichbare Vorfälle künftig noch deutlich teurer werden – wie viel teurer genau, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt allerdings noch nicht sagen. (sve)