Ein Transmann als Krieger? Nicht weiß genug? Laut war das Geschrei von rechts, bevor „Die Odyssee“ ins Kino kam. Jetzt ist sie da, und ein großer Hit – gleich mehrfach eine gute Nachricht.
Meinung | Saarbrücken · Ein Transmann als Krieger? Nicht weiß genug? Laut war das Geschrei von rechts, bevor „Die Odyssee“ ins Kino kam. Jetzt ist sie da, und ein großer Hit – gleich mehrfach eine gute Nachricht.
Matt Damon spielt in „Die Odyssee" Odysseus, den Listenreichen – aber ein paar Fehler macht er auch.
Foto: epd/Melinda Sue GordonFilmemacher Christopher Nolan hat ja seine treuen, beinharten Fans. Ich gehöre nicht dazu. „Oppenheimer“ war mir zu lang und gesprächig – was an meiner kurzen Aufmerksamkeitsspanne liegen kann. Oder doch am Film. Und „Tenet“ habe ich bis heute nicht durchgehalten.
Zwei Mal habe ich es tapfer versucht, zu Hause auf dem Sofa, das vielleicht zu bequem ist, zu einladend zu einem Schläfchen. Dieses Schläfchen kam jeweils schon nach einer etwas verwirrenden ersten Viertelstunde.
Ist das laut!
Die Erwartungen an „Die Odyssee“ waren also durchwachsen. Erneut ein Schläfchen? Nein, da hat der listenreiche Nolan vorgebaut: Musik und Sounddesign donnern einem derart laut um die Ohren, dass der Gesang der Sirenen dagegen ein Säuseln ist. Aber Dös-Gefahr droht ohnehin nicht: „Die Odyssee“ ist grandioses Kino mit großen Bildern und dann wieder überraschend kleinen, intimen Momenten – die Brücke zwischen den behaupteten (Gegen-)Polen Kommerz und Kunst schlägt derzeit niemand so konsequent wie Nolan.
Wie oft mögen seine Dialoge manchmal tiefsinniger klingen als sie es sind, aber egal: Alleine die wahnwitzige Tierverwandlungs-Szene mit Circe (nebenbei ein Appell an bessere Tischmanieren) und der bizarre Ausflug in den Hades sind schon den Gang ins Kino wert.
Bilderstrecke zuletzt aktualisiert:
27.05.2026
Schlechte Nachricht für rechte Trolls
Das sehen viele, viele Leute genauso – der Film könnte im Kino locker über eine Milliarde Dollar einspielen. Eine grandiose Nachricht. Nicht nur für die Kinos und für Regisseur Nolan, dem seine teuren Maßanzüge bis an Lebensende nicht mehr ausgehen werden. Der Erfolg ist auch ein großer ausgestreckter Mittelfinger an Kulturkampf-Krakeeler, Rassisten, Sexisten und rechte Trolls. Keine schlechte Bilanz für einen einzigen Film.
Panik wegen Trans-Mann?
Denn die letzten Wochen vor dem Filmstart waren begleitet von Geblöke von rechts – da ereiferte man sich in den üblichen Kanälen darüber, dass Helena nicht von einer Weißen gespielt wird. Oder dass ein Krieger von einem Transmann gespielt wird. Einer der lautesten Krakeeler: Elon Musk. Man warf Nolan vor, nur divers zu besetzen, um sich bei einer scheinbar „woken“ Filmindustrie anzudienen, und damit sozusagen ein anti-weißer Rassist zu sein.
Viele in den rechten Kanälen hofften auf einen Kassenflop. Doch der Start war kommerziell sensationell. Absolut erwartbar kursierten von rechts schnell Verschwörungs-Erzählungen über gefälschte Einspiel-Zahlen. Elon Musk hat nun angekündigt, bis Ende des Jahres mit seiner Künstlichen Intelligenz „Grok“ eine eigene „Odyssee“ zu produzieren, die „historisch akkurat“ sei – was immer das bedeutet, schließlich ist die Vorlage, Homers „Odyssee“, ein Werk der Dichtung.
Musk weint in sein Kissen
Wie dem auch sei: Der Erfolg des Films zeigt, dass diese Kampagne von rechts, angeschoben und befeuert vom reichsten Mann der Welt, mit eigener medialer Plattform, verpufft ist. Alleine dafür muss man diesem Odysseus schon dankbar sein. Zugleich ist der Film ein Signal an ein Hollywood, das scheinbar panisch auf das Immergleiche setzt, auf bunte Animations-Hektik, inflationäre Superhelden und Einheits-Ästhetik.
Wenn ein Film wie „Die Odyssee“, durchaus mit Schauwerten, aber auch einer ungewöhnlichen Erzählweise, eine Milliarde Dollar einspielt, ist das ein Appell für mehr filmischen Mut. Nur Elon Musk und seine Gleichgesinnten werden in ihr Kissen weinen.