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Größte „Infantino-Feindin” könnte neue Fifa-Chefin werden

Дата публикации: 05-08-2026 16:12:00

Die Präsidentin des norwegischen Fußballverbandes legte sich schon mit dem Fifa-Präsidenten Infantino an, als sie noch kaum jemand kannte. Nun ist Klaveness als seine Nachfolgerin im Gespräch.

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Die Präsidentin des norwegischen Fußballverbandes legte sich schon mit dem Fifa-Präsidenten Infantino an, als sie noch kaum jemand kannte. Nun ist Klaveness als seine Nachfolgerin im Gespräch.

Als Lise Klaveness an diesem 31. März vor etwa viereinhalb Jahren die Bühne betritt, ahnt kaum einer der Anwesenden, was folgen wird. Die Präsidentin des norwegischen Fußballverbandes (NFF) ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal einen Monat im Amt und hält eine denkwürdige Rede, die in Katars Hauptstadt Doha kaum Applaus findet.

Norwegerin Lise Klaveness bot Infantino schon mehrfach die Stirn

Klaveness spricht am Rednerinnenpult unbequeme Themen an, die nur wenige der 208 anwesenden Mitglieder hören möchten, die anlässlich des 72. Fifa-Kongresses im „Exhibition and Convention Center“ zusammengekommen sind. Vor allem nicht Gianni Infantino, der in der ersten Reihe sitzt. So kritisiert sie die Vergabe der WM an Katar, die Abkehr der Fifa von ethischen Grundprinzipien und fehlende Transparenz.

Sie mahnt den Weltverband und seinen Präsidenten Infantino höchstpersönlich, endlich zu führen und nicht nur zu folgen. Forderungen wie „Jede Entscheidung muss von nachhaltigen Fußballwerten geleitet werden“, „Transparenz wahrhaftig umsetzen“, „Null Toleranz gegenüber Korruption“ und „Die Entwicklung des Frauenfußballs vorantreiben“ sind Teile ihrer Rede.

Blatter spricht sich für „Feindin“ Infantinos als Nachfolgerin aus

DFB-Präsident Bernd Neuendorf wird später sagen, dass er es gut finde, „dass die Diskussion offen auf der Bühne stattfindet und dass man sich mit diesen Fragen auseinandersetzt“ – mehr aber auch nicht.

Anfang Juni erzählte Klaveness im „Sports Management Podcast“, dass sie durch ihre einstige Karriere als Profifußballerin die nötige Naivität besessen habe, eine solche Rede zu halten. „Ich wusste nicht, wie kontrovers das war. Ich habe erst später festgestellt, wie radikal das war, aber es war natürlich für mich, direkt und transparent zu sein“, sagte die 45-Jährige.

Seit diesem Auftritt in Doha gilt Klaveness als größte Gegenspielerin Infantinos. Als eine Frau, die dem wachsenden Einfluss autokratischer Regime innerhalb der Fifa die Stirn bietet. Einige Medien bezeichnen sie gar als Feindin des Schweizers.

Dass sie dieser Tage als Kandidatin für dessen Nachfolge gilt, war damals nicht abzusehen, erscheint mittlerweile aber folgerichtig. Sie war die erste Präsidentin des NFF und könnte nun die erste Präsidentin der Fifa sein. Zumindest wenn es nach Sepp Blatter geht. Der Vorgänger Infantinos sprach sich nach dessen gescheitertem Investorendeal in den sozialen Medien für die norwegische Verbandschefin aus. „Lise Klaveness verdient größten Respekt. Sie war die Einzige, die stets klar Stellung bezogen und sich nicht dem Mainstream angeschlossen hat. Und bei der Fifa ist die Zeit reif dafür, dass eine Frau die Führung übernimmt“, schrieb Blatter im Kurznachrichtendienst X.

Tatsächlich könnte der von Skandalen gebeutelte Weltverband, der schon lange nicht mehr für Demokratie im Fußball steht, eine Frau wie Klaveness an der Spitze gebrauchen. Nach Jahren, in denen Infantino die konsequente Strategie anwandte, unliebsame Mitarbeitende durch loyale Erfüllungsgehilfen zu ersetzen.

Norwegische Nationalspielerin und Juristin in einem

Doch wofür steht Lise Klaveness überhaupt? Sie wuchs in einem kleinen, verregneten Ort an der Westküste Norwegens auf, wo sie entgegen des Rats ihres Vaters den Fußball zu spielen und lieben gelernt hat. Mit einem ihrer Vereine, Stabæk Fotball Kvinner, gewann sie mehrere Titel und lernte zudem Ingrid Camilla Fosse Sæthre kennen, mit der sie heute verheiratet ist und drei Kinder hat.

Als sie Teil der norwegischen Nationalmannschaft war, schloss sie ein Master-Studium in Jura ab und war anschließend als Richterassistentin am Osloer Bezirksgericht und als Sonderberaterin der norwegischen Zentralbank tätig. Kürzlich erzählte sie, dass Fußball zwar ihre Obsession gewesen sei, sie aber immer Anwältin werden wollte.

Dieser Wunsch spiegelt sich auch in den Worten wider, die sie gewählt haben soll, als sie Ende 2017 gefragt wurde, ob sie nicht Technische Direktorin des NFF werden möchte: „Zur Hölle nein, was für eine komische Frage.“

Klaveness war aufgrund ihrer aktiven Karriere und eines TV-Jobs im ganzen Land bekannt. So kommentierte sie etwa Spiele der WM in Russland 2018. „Ich war die erste Frau und natürlich habe ich eine Menge Scheiße abbekommen“, erzählte Klaveness im „Sports-Management-Podcast“. „Ich wollte daher die Dinge ändern, damit Mädchen und Frauen das tun können, ohne belästigt zu werden.“

Ich fühle mich bei falschen Dingen sehr dazu verpflichtet, etwas zu sagen. Lise Klaveness

Womöglich brachten die Kombination aus dieser Erfahrung und die wiederholten Bitten des Verbandes sie dazu, das Amt der Technischen Direktorin doch anzutreten. Und vier Jahre später ging es auf der Karriereleiter noch einen Schritt nach oben. Auch das Amt als Präsidentin soll sie nicht gewollt haben, es aus Verantwortungsgefühl dann aber doch angetreten haben.

In ihren zahlreichen öffentlichen Auftritten betont sie immer wieder, dass es ihr nie um persönliche Ambitionen geht. „Ich habe mein berufliches Leben damit verbracht, in Auseinandersetzungen transparent zu sein. Ich fühle mich bei falschen Dingen sehr dazu verpflichtet, etwas zu sagen. Ich erwarte dabei kein Ergebnis, ich wähle nicht aus taktischen Gründen“, sagte Klaveness mal, aber auch: „Ich war nie eine Politikerin.“

Mehrfache Kritik an Infantino und der Fifa

Dennoch kennt sie das System Fifa von innen und möchte es dringend verändern. Auch Infantino galt bei seinem Amtsantritt 2016 als jemand, der den damaligen Reformkurs zu unterstützen schien, später aber für das Gegenteil sorgte. Allerdings ließ Klaveness im Gegensatz zu Infantino ihren Worten bereits Taten folgen. Das hat sie auch potenziellen Kandidaten wie Victor Montagliani, Präsident des Kontinentalverbandes Concacaf, oder Uefa-Präsident Aleksander Čeferin voraus.

So setzte sich etwa der norwegische Verband während der WM in Katar an die Spitze derer, die nicht müde wurden, auf die Missstände rund um dieses Turnier hinzuweisen. Der norwegische Verband war der einzige, der die Verleihung des Fifa-Friedenspreises an Donald Trump nicht nur scharf kritisierte, sondern auch eine Beschwerde gegen Infantino einlegte.

Im Nachgang des Falls Falorin Balogun und der aufgehobenen WM-Sperre, kündigte Klaveness eine formelle Beschwerde des NFF gegen die Fifa an – erneut als einziger Verband. Spätestens da war klar, dass die Norwegerin nicht zulassen würde, dass Infantinos fragwürdige Entscheidungen unter den Teppich gekehrt werden.

Wie groß ihre Unterstützung im europäischen Fußball tatsächlich ist, zeigte sich allerdings bei ihrer Kandidatur für das Uefa-Exekutivkomitee 2023. Klaveness erhielt nur 18 von 55 Stimmen. Manche Beobachter werteten das Ergebnis als Quittung für ihren direkten Konfrontationskurs.

Bis zum 18. November müssen Kandidat:innen ihre Bewerbung einreichen, um am 18. März des kommenden Jahres in Rabat als Fifa-Chef gewählt werden zu können. Ob Klaveness tatsächlich antritt, ist offen. Sollte sie kandidieren, würde die Wahl jedoch erstmals seit Langem wieder zu einer grundsätzlichen Richtungsentscheidung: für die Fortsetzung des Systems Infantino – oder für eine Kandidatin, die ihre Glaubwürdigkeit bisher hauptsächlich aus ihrer Bereitschaft bezieht, sich diesem entgegenzustellen.

Von Charlotte Bruch

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