Manipulierte SIM-Karten können Smartphones angreifen teils sogar bei gesperrtem Gerät. Forscher zeigen, wie die neue Angriffsmethode funktioniert.
Die standardisierte Funktionalitt von SIM-Karten stellt offenbar ein Sicherheitsrisiko fr moderne mobile Kommunikationsgerte dar, einschlielich Anwendungen im Bereich des Internets der Dinge (IoT). Das berichtet die University of Birmingham.
Forscher der britischen Universitt haben gezeigt, wie manipulierte SIM-Karten Smartphones, Ladegerte fr Elektrofahrzeuge und angeschlossene Gerte kapern knnen.
Angriff erfolgt ber das Mobilfunk-Modem
SIM-Karten, die als Sicherheitselemente zur Verbindung von Gerten mit einem Mobilfunknetz dienen, knnen bei Kompromittierung erhebliche Sicherheitsrisiken darstellen. Eine manipulierte SIM-Karte kann Angreifern ermglichen, Informationen ber ein Gert zu sammeln, dessen Verbindung zu stren und als Einfallstor fr weitere Cyberangriffe zu dienen.
Forscher warnen: Manipulierte SIM-Karten knnen Handys kapern
Bild mit KI erstellt
Auf der USENIX WOOT Conference on Offensive Technologies 2026 in Baltimore prsentierten die Forscher der Universitt Birmingham ihre Ergebnisse und enthllten eine neue Angriffsflche, die bsartigen und kompromittierten SIM-Karten ausgesetzt ist.
Eine Funktion namens Proactive SIM ermglicht es einer SIM-Karte, eine begrenzte Anzahl spezieller Befehle direkt an das Modem eines Gerts zu senden. Einer dieser Befehle erlaubt es der SIM-Karte, die Ausfhrung sogenannter AT-Befehle anzufordern dieselben Befehle, die seit den 1980er Jahren zur Steuerung und Konfiguration von Modems verwendet werden.
Auch Ladegerte fr Elektrofahrzeuge betroffenTomasz Piotr Lisowski und Dr. Marius Muench arbeiteten mit Kristian Covic vom IT-Sicherheitsunternehmen Fuzzware zusammen, um das CATana-Toolkit zu entwickeln, mit dem die Gefahren von AT-Befehlen, die von SIM-Karten ausgehen, auf verschiedenen Gerten untersucht werden knnen.
Die Forscher untersuchten 26 reprsentative Gerte: 18 Smartphones und acht ber Mobilfunk verbundene IoT-Module, darunter Module, die blicherweise in Ladegerten fr Elektrofahrzeuge, Industrieanlagen und vernetzten Autos verbaut sind. Die untersuchten Gerte waren nicht auf einen bestimmten Hersteller oder ein bestimmtes Betriebssystem beschrnkt.
Nachdem festgestellt wurde, dass mehrere analysierte Gerte AT-Befehle aus der SIM-Karte ausfhren wrden, demonstrierten die Forscher mithilfe von CATana die Gefahren der resultierenden SIM-AT-Schnittstelle und entdeckten dabei mehrere Sicherheitslcken.
Das war bei den Angriffen mglichBeispiele fr Angriffe, die durch eine SIM-AT-Schnittstelle ermglicht werden, sind die Reaktivierung deaktivierter Debug-Schnittstellen oder die Exfiltration sensibler Informationen, wie z. B. der eindeutigen Kennung eines Gerts. Auch das Senden von Nachrichten oder Initiieren von Anrufen war mglich.
Darber hinaus konnten die Forscher durch den Hack beliebige Befehlsausfhrungsfunktionen auf dem Kommunikationsprozessor eines Opfers erlangen. Ein Gert kann auch dazu gezwungen werden, von einer sicheren 4G-Verbindung auf ltere und weniger sichere 2G-Netze zurckzufallen. Schlielich war es mglich, das betroffene Gert herunterzufahren oder die Mobilfunkkommunikation vollstndig zu deaktivieren.
Dr. Marius Muench, Assistenzprofessor fr Informatik an der Universitt Birmingham, sagte: „Das Faszinierende daran ist, dass die proaktiven Fhigkeiten einer SIM-Karte und die daraus resultierende Angriffsflche in den technischen Spezifikationen fr die zellulare Kommunikation explizit definiert sind, was zu spezifikationskonformen Angriffen fhrt.“
Vier AngreiferszenarienAufbauend auf ihren frheren Arbeiten hebt das Forschungsteam vier Angreiferszenarien hervor, die zu bsartigen oder kompromittierten SIM-Karten und eSIMs fhren, untermauert durch Przedenzflle aus realen Vorfllen: Fernangreifer nutzen Schwachstellen in der SIM-Software aus, physische Angreifer tauschen die SIM-Karte des Opfers aus oder installieren ein Hardware-Implantat, kompromittierte "Provider" missbrauchen die Fernverwaltungsfunktionen fr SIM-Karten oder Angreifer entlang der Lieferkette manipulieren SIM-Karten whrend der Herstellung oder des Vertriebs.
Die Forscher weisen darauf hin, dass die Risiken von AT-Befehlen, die von der SIM-Karte ausgehen, insbesondere fr IoT-Gerte wie Industrieanlagen, Fahrzeugsysteme oder Router relevant sind, da diese oft stark abgesichert sind und nur wenige Schnittstellen offenlegen. Das Vorhandensein einer SIM-AT-Schnittstelle knnte daher als unerwartetes Einfallstor fr weitere Angriffe auf das betroffene Gert dienen.
Die Studie geht auch auf das allgemeinere Risiko proaktiver SIM-Karten ein, die Gerte von Opfern in berwachungsinstrumente verwandeln knnen. Im Vorfeld der Verffentlichung entdeckten die Forscher, dass eine manipulierte SIM-Karte auf neueren Android-Gerten das Telefon dazu zwingen kann, eine vom Angreifer kontrollierte Website ohne jegliche Benutzerinteraktion zu ffnen, selbst wenn das Telefon gesperrt ist.
SIM-Funktionen: veraltete Technologien?Die Forscher argumentieren, dass viele proaktive SIM-Funktionen veraltete Technologien seien, die ausschlielich fr unproblematische SIM-Karten entwickelt wurden. Da sich Technologie und Bedrohungsspektrum jedoch weiterentwickeln, seien viele dieser Funktionen nicht mehr notwendig und wrden unntige Sicherheitsrisiken bergen.
Die Forscher begngten sich nicht damit, die Sicherheitslcken zu finden. Sie kontaktierten auch die GSM Association (GSMA) sowie betroffene Chip- und Gertehersteller, um die gefundenen Probleme anzugehen.
Dr. Muench fasst zusammen: „Die Zusammenarbeit mit den betroffenen Unternehmen und der GSMA war hervorragend. Unsere Meldungen wurden ernst genommen, und wichtige Hersteller stellten ihren Kunden Software-Updates und Sicherheitskonfigurationen zur Verfgung. Davon werden Milliarden zuknftiger SIM-fhiger Gerte weltweit profitieren, darunter Smartphones, vernetzte Fahrzeuge, Zahlungsterminals, Router, kritische Infrastrukturen und Ladesysteme fr Elektrofahrzeuge.“
Auf die Frage nach zuknftigen Forschungsarbeiten sagte Tomasz Piotr Lisowski: „Die von uns entdeckten Angriffe kratzen nur an der Oberflche dessen, was mit manipulierten SIM-Karten mglich ist. Wir werden weiter daran arbeiten, mehr Angriffsflchen ffentlich zu machen und hoffen, mit Herstellern und Normungsgremien zusammenzuarbeiten, um die Risiken in heutigen und zuknftigen Gerten zu beheben.“
Viren, Trojaner und andere Schadsoftware gibt es mittlerweile auch fr Smartphones. teltarif.de stellt mgliche Bedrohungen fr Handys vor und gibt Tipps, wie Sie sich davor schtzen knnen.
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