Im Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen bauen Archäologen ein Plankenboot aus der Bronzezeit nach. Auch andere historische Boote wurden schon für eine Fahrt auf dem See rekonstruiert.
Im Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen (Bodenseekreis) können Besucherinnen und Besucher aktuell Zeuge davon werden, wie eine historische Entwicklung im Bootsbau nachgebaut wird - ein Plankenboot. Das ist ein Einbaum-Boot mit Seitenwänden aus der Bronzezeit aus dem 12. Jahrhundert vor Christus. 2018 wurden vor Wasserburg (Kreis Lindau) Teile eines solchen Bootes gefunden. Eine Sensation für die Wissenschaft, denn davor galt der Einbaum als das einzige frühe Boot auf dem Bodensee. Doch der Fund zeigte, dass um 1100 vor Christus schon eine verbesserte Variante des Einbaums unterwegs war.
Wissenschaftler haben in jahrelanger Arbeit die Form und Funktionsweise des Plankenbootes, auch Piroge genannt, rekonstruiert. Jetzt wird es in dieser Woche von Archäologen in einem europaweit einmaligen Experiment nachgebaut - mit bronzezeitlichen Feilen, Hämmern und Beilen.
Wolfgang Lobisser feilt mit einem Stein an einem Beil aus Holz und Bronze. Rasiermesserscharf wird der Nachbau des prähistorischen Werkzeugs somit. Es ist heiß. Ein Pavillon schützt den Archäologen aus Wien vor der brütenden Mittagssonne. Wenige Meter weiter laufen Gruppen von Touristen über die hölzernen Stege zu den Pfahlbauten im Bodensee. Der Experimentalarchäologe steht vor einem fast neun Meter langen Baumstamm. Der über 200 Jahre alte Eichenbaum ist eigentlich ein Naturdenkmal. In einem Sturm knickte er um, darum dürfen die Archäologen ihn für ihren Versuch bearbeiten. So einen Eichenstamm haben auch die Menschen in der Bronzezeit im 12. Jahrhundert vor Christus benutzt. Eine einzigartige Arbeit an einem einzigartigen Baum, sagt Archäologe Lobisser.
Es ist eine Ehre, einen so großen, uralten Eichenstamm bearbeiten zu dürfen. Solche Stämme bekommt man heute nicht mehr so leicht. Und es ist natürlich unglaublich spannend, mit den Werkzeugtechnologien unserer Vorfahren so eine große Aufgabe zu bewältigen.
Die Menschen in der Bronzezeit seien mit dem Bootsbau wirklich an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gegangen, so Lobisser: "Es gab, glaube ich, kaum schwierigere Arbeiten in jener Zeit, als mit diesen Werkzeugen Eichen zu bearbeiten, die den Durchmesser 1,20 Meter haben."
Boote für Handel und Transport auf dem Bodensee nötigDoch warum nahmen die Menschen der Bronzezeit solche Strapazen auf sich? Zum Beispiel um Handel zu treiben, ist sich das Team um Archäologe Lobisser mittlerweile sicher. So mussten zum Beispiel Tiere wie Kühe, Waren und auch Menschen über den Bodensee gebracht werden. Dafür reichte ein Einbaum allerdings oftmals nicht, der ging bei höheren Wellen unter. Deshalb musste das Boot weiterentwickelt werden.
Das hier ist der Beginn des modernen Bootsbaus. Hier geht man weg davon, ein Boot nur aus einem Stück Holz zu fertigen. Hier beginnt das, was dann später in diesen kompliziertesten Galeeren der Römer mündet.
Zum ersten Mal in der Geschichte seien Boote aus mehreren Teilen zusammengesetzt worden. Und das sei eine handwerkliche Herausforderung gewesen. Das ist es auch heute für die Experimentalarchäologen. Sie wollen in den kommenden Tagen versuchen, die mit Wasserdampf vorgeformten Holzplanken sozusagen an den halbierten Eichenstamm zu tackern. Dafür nutzen sie Bronzeklammern, die bereits seit vielen Jahren immer wieder gefunden wurden. Doch für was sie genutzt wurden, war bisher unklar. Jetzt könnte das Rätsel um diese Bronzeklammern gelöst werden, sagt der Leiter des Pfahlbau-Museums Gunter Schöbel.
Diese kleinen Klammern, etwa so lang wie ein Mittelfinger, kommen in vielen Pfahlbausiedlungen hier am Bodensee und an anderen Orten vor. Wir wussten lange nicht, was das denn für komische Drähte mit abgebogenen Enden sind, bis wir versucht haben, sie als Klammern, so in der Art Tacker, an die Bootswand zu versenken. Das hat wunderbar funktioniert.
Eine uralte Bautechnik, die jetzt zum ersten Mal wieder im Einsatz ist. Wie schwierig es ist, einen Eichenstamm zu bearbeiten, dürfen Kinder direkt neben dem Plankenboot selbst ausprobieren. Mit einem kleinen Bronzekeil und Holzhammer versucht Daniel aus Unteruhldingen Spalten in das Holz zu hämmern, die Späne fliegen. Erstaunlich gut funktionieren die historischen Werkzeuge, sagt Erik Häußler, der den Kindern an der Versuchsstation hilft.
Das Holz ist hart, da muss man arg draufhauen. Aber es funktioniert gut. Das denken die Leute nie, dass man auch mit Bronzewerkzeugen so gut arbeiten kann.
Das Hämmern, Feilen und Schleifen im Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen hat ein Ziel: Im kommenden Sommer wollen die Archäologen mit dem Plankenboot zur Originalfundstelle nach Wasserburg rudern - oder segeln. Ob das gelingt, wird das nächste große Experiment.
Unteruhldingen Baumaßnahmen während der Schließung im Winter 3.000 neue Pfähle für die Pfahlbauten in Unteruhldingen Weitere Bootsnachbauten auf dem BodenseeVom 15. bis zum 20. Jahrhundert waren Lädinen auf dem Bodensee unterwegs. Diese Segler transportierten Lasten. Vor Immenstaad ist ein Nachbau einer Lädine regelmäßig unterwegs. Ein Verein setzt sich für den Erhalt des Schiffes ein. Der Begriff Lädine leitet sich vom alt-alemannischen "Lädi" ab, was so viel wie Last oder Ladung bedeutet. Der Lastensegler "St. Jodok" wurde nach einem Lädinen-Fund aus den 1980er-Jahren rekonstruiert und nachgebaut.
Das Flugschiff Do-X war bei seinem Bau im Jahr 1929 das größte Flugzeug der Welt: Es war laut Dornier-Museum 40 Meter lang, hatte eine Spannweite von 48 Metern und zwölf Triebwerke. Am 12. Juli 1929 hob es von Altenrhein in der Schweiz zu seinem Jungfernflug über dem Bodensee ab. Die Do-X wurde nach wenigen Jahren im Einsatz im Jahr 1934 bei einer Landung beschädigt und im Krieg weitgehend zerstört. Ein Verein aus Friedrichshafen möchte das Schiff nun wieder zum Leben erwecken. Noch ist der Nachbau in der Rekonstruktion. Bis zum 100. Jahrestag des Jungfernflugs im Jahr 2029 soll er fertig sein, heißt es vom Verein.
Zudem sind einige historische und restaurierte Schiffe auf dem Bodensee unterwegs: Zum Beispiel die historische Fähre Konstanz oder das Dampfschiff Hohentwiel. Das älteste aktive Fahrgastschiff der Flotte der Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) ist die "MS Baden". Sie ist mehr als 90 Jahre alt und wurde vor kurzem aufwendig restauriert.
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