Landwirt Thomas Wiesler fährt jeden Tag mit dem Schleppper ins Dorf, um Wasser für seine Tiere zu holen. Die Quelle seines Bioland-Hofes gibt nicht mehr genug her.
Rollt der Traktor heran, kommen sie alle anmarschiert: Die Rinder von Landwirt Thomas Wiesler, die auf einer vertrockneten Wiese bei Bollschweil (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald) stehen. "Die haben Hunger", sagt der Bauer und lädt einen Rundballen Heu ab. Dass er im Sommer zufüttern muss, das kennt der Bauer aus vergangenen Hitzesommern. Doch die Trockenheit in diesem Jahr macht auch die Wasserversorgung zu einer enormen Herausforderung.
Kein Wasser mehr im Bach"Normalerweise läuft an der Wiese ein Bach runter, wo die Tiere saufen können. Zusätzlich gibt es an der Weide ein Tränke-Fass. Das Wasser dafür kommt eigentlich aus einer Quelle beim Hof", erklärt Wiesler. Durch die aktuelle Trockenheit sei die Schüttung der eigenen Quelle aber so gering, dass es vier bis fünf Stunden dauern würde, einen der Wassertanks zu füllen. Der Bauer muss deshalb 10 Kilometer runter nach Bollschweil fahren, um Wasser abzufüllen - jeden Tag.
Besserung ist für die nächsten Wochen nicht in Sicht - selbst wenn jetzt 100 oder 200 Liter Regen pro Quadratmeter fallen würden. "Ich schätze, es würde vier bis sechs Wochen dauern, bis das Wasser in den Erdschichten angekommen wäre, in die es hin muss."
Das Wasserholen bedeutet zwei bis drei zusätzliche Arbeitsstunden pro Tag. Neben dem Abgabepreis für das Wasser muss Wiesler Kosten für rund 20 Liter Sprit für jede Tour kalkulieren. Er rechnet zudem damit, dass er dieses Jahr für mehrere Tausend Euro Futter zukaufen muss, um gut über den Winter zu kommen. "Das tut mir schon unglaublich weh. Normalerweise verkaufen wir ja Heu", sagt er. Wenn es gut laufe, käme am Ende des Jahres vielleicht eine schwarze Null raus. Wenn es nicht bald regne, wohl eher rote Zahlen.
Bauer wünscht sich kostenloses Wasser von GemeindeAuch andere Bauern in Südbaden fragen sich, wie es weitergehen soll: Siegfried Wasmer in Bernau (Landkreis Waldshut) zum Beispiel. Wasmer ist inzwischen Rentner, aber so einen Sommer hat auch er noch nie erlebt. Er hat noch immer 28 Rinder auf unterschiedlichen Weiden der Hochebene stehen, weil er an der Landwirtschaft und seinen Hinterwäldlerrindern hängt. Um sie zu versorgen, fährt er zweimal pro Woche einen 2000-Liter-Wassertank hinauf. Die Quellen dort oben, die er sonst genutzt hat, sind versiegt.
Bauer Wasmers Tiere stehen auf Gemeinschaftsweiden, die die Gemeinde ihm verpachtet hat. Er wünscht sich, dass sie auch für die Wasserversorgung sorgt und in Krisenzeiten gratis Wasser abgibt. Würden die Flächen nicht mehr genutzt, lägen sie wohl brach und würden nicht mehr offen gehalten, vermutet der Bauer.
Auch Menschen auf Trinkwasser-Lieferungen angewiesenDie Dürre trifft die Viehhalter im Schwarzwad aktuell besonders hart, aber nicht sie allein sind betroffen. Inzwischen müssen auch Menschen dort oben mit Hilfe von Wassertanks mit Trinkwasser versorgt werden, etwa auf abgelegenen Höfen in der Gemeinde Feldberg (Kreis-Breisgau-Hochschwarzwald). Das hat deren Bürgermeister Johannes Albrecht (parteilos) erklärt.
Nach SWR-Informationen bereiten sich zudem mehrere Gemeinden auf den Notfall vor, die eigentlich Anschluss ans Wassernetz des Versorgers Badenova haben. Sollten Quellen von Gemeinden versiegen, könnten Tanklaster zum Einsatz kommen. Für Lebensmittel zugelassene Sattelschlepper könnten nach Angaben von Badenova im Notfall Wasser an einer sogenannten Füllstation aus dem Wassernetz in Freiburg abzapfen und je Transportfahrt 30.000 Liter in den Schwarzwald fahren.
Hilfe für die Landwirte ist derweil noch nicht in Sicht. Sie müssen weiter selbst mit ihren Schleppern losfahren, um Wasser zu organisieren. Und mancher fragt sich inzwischen, wie im Schwarzwald künftig überhaupt noch Landwirtschaft betrieben werden kann. Trotzdem sagt Landwirt Thomas Wiesler aus Bollschweil auch: "Man kann immer nach der Politik oder nach der Regierung schreien, aber ich weiß nicht, wie die uns in Sachen Klimawandel helfen sollen. Den haben sie halt alle die letzten Jahrzehnte verschlafen, und jetzt haben wir den Salat."
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