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Ukraine-Krieg: Unternehmerin rettet verletzte Hunde

Дата публикации: 30-07-2026 00:20:00

Was passiert mit Haustieren, wenn ihre Besitzer fliehen oder sterben? Eine Ukrainerin rettet Hunde aus Kriegsgebieten – und bringt einige von ihnen nach Europa.

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Frau mit Hund

AUDIO: Privates Hundeasyl: Nastja kümmert sich um streunende Hunde in der Ukraine (3 Min)

Ukraine

Unternehmerin gibt alles auf, um kriegsgeschädigte Hunde zu retten

Stand: 30.07.2026 02:20 Uhr

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine betrifft nicht nur Menschen, auch Tiere haben unter den Angriffen zu leiden. Sie werden getötet, verletzt oder schwer traumatisiert, ihre Besitzer werden getötet oder müssen sie bei der Flucht zurücklassen. Um diese Tiere kümmern sich vor allem NGOs oder Privatinitiativen von einzelnen engagierten Menschen – Menschen wie Anastasia Jamkowa.

von Daria Boll-Palievskaya

Wenn Anastasia Jamkowa von einer ihrer Europatouren zurückkehrt, wird sie von lautem Hundegebell begrüßt. Nastja, wie Anastasia gerufen wird, ist Gründerin und Leiterin des privaten Tierheims "Happy Dog House". Die 35-Jährige lebt in einem kleinen Dorf an der ukrainisch-moldauischen Grenze mit gerade einmal 20 Einwohnern, in einem 75 Quadratmeter großen Holzhaus ohne richtige Heizung, umgeben von 60 Hunden.

Früher war sie eine erfolgreiche Unternehmerin und besaß eine Kette von Kosmetik-Studios im Zentrum von Odessa. Der Tod ihrer Mutter 2021 brachte sie dazu, ihr Leben zu hinterfragen: "Wenn ich nur noch sechs Monate zu leben hätte, was würde ich tun? Und mir wurde klar: Ich möchte ein Tierheim eröffnen." Dazu brauchte sie nur noch eine passende Immobilie: Ein großes Haus ohne Nachbarn, die sich durch die Tiere gestört fühlen. Rund 300 Kilometer von Odessa entfernt fand sie schließlich, wonach sie gesucht hatte. Mit Hilfe von Freiwilligen wurden Wasserleitungen in das Haus gelegt, ehemalige Ställe für Kühe und Hühner in Hundezwinger umgebaut, und nach und nach entstand ein Zufluchtsort für Tiere. "Am Anfang lebten die meisten Hunde mit mir im Haus. Wir haben (...) uns gegenseitig gewärmt", erinnert sich Anastasia.

Freiwillige retten kriegsgeschädigte Tiere

Alles änderte sich am 24. Februar 2022 mit dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die gesamte Ukraine. Seitdem erreichten sie zahlreiche Hilferufe: "Nastja, ein Hund wurde von einem Auto angefahren. Man hat Welpen auf einem Feld gefunden. Ein Hund wurde am Bahnhof zurückgelassen. Tiere müssen dringend aus den Kampfgebieten evakuiert werden." Einmal musste sie selbst 15 Welpen aus ihrer Heimatstadt Kachowka retten, nachdem die Stadt nach der Sprengung des Kachowka-Staudamms mutmaßlich durch Russland überflutet worden war.

Hunderetterin Anastasia Jamkowa

Hatte die Ukraine schon vor 2022 ein Problem mit streunenden Hunden und Katzen, hat der Krieg das Problem drastisch verschärft. Millionen Menschen sind geflohen, viele mussten ihre Haustiere zurücklassen. Die Tiere irren durch zerstörte Städte und Dörfer, leben zwischen Ruinen oder überleben nur dank privater Initiativen und freiwilliger Helfer. Zoos, landwirtschaftliche Betriebe und Tierheime gerieten immer wieder in die Kampfzonen. Verlässliche Gesamtzahlen, wie viele Tiere betroffen sind, gibt es nicht. Tierschutzorganisationen berichten jedoch seit Kriegsbeginn von einer dramatisch steigenden Zahl hilfsbedürftiger Tiere. So gibt etwa der Internationale Tierschutzfonds an, alleine zwischen Februar 2022 und Juni 2024 fast 192.000 Tieren (darunter auch Wild- und Nutztiere) in der Ukraine geholfen zu haben.

Privatspenden und Platzmangel

Finanziert wird die Hilfe für die Tiere meist durch private Spenden – so wie auch Anastasias "Happy Dog House". Die meisten Unterstützer erfahren vom Tierheim über ihren Instagram-Blog. Die monatlichen Kosten liegen bei mindestens 1.500 Euro. Dazu gehören 500 Kilogramm Hundefutter, Tierarztbesuche, Medikamente und Nebenkosten. Außerdem versucht das Tierheim alte Menschen zu unterstützen, die trotz ihrer geringen Renten ihre Haustiere versorgen und streunende Tiere füttern.

Chronischer Platzmangel: Im "Happy Dog House" leben derzeit rund 60 gerettete Hunde

Anastasia versucht zu helfen, wo sie kann, obwohl im "Happy Dog House" chronischer Platzmangel herrscht. "Ich kann die Tiere doch nicht einfach auf der Straße sterben lassen", sagt sie. "In meinem Zimmer leben immer mehrere Hunde, in der Küche, im Bad, überall. Wir finden schon irgendeinen Platz für sie", sagt Nastja. Wenn sie trotz allem doch einmal absagen muss, dann "mit Schmerzen im Herzen und Tränen in den Augen".

Das Schicksal der Tiere, die unter den russischen Bombardements und deren Folgen leiden, geht der jungen Frau zu Herzen: "Das passiert in fast allen Städten der Ukraine praktisch jede Nacht. Denn auch bei Hunden gibt es Herzanfälle und schwere Traumata." Am Anfang verstecken sie sich ständig, ziehen den Schwanz ein, weinen. Sie sind hungrig, abgemagert und krank. Aber mit der Zeit erholen sie sich, weiß Nastja – mal mehr, mal weniger, auch wenn das Erlebte dauerhafte Spuren hinterlässt.

Neues Zuhause für Hunde aus der Ukraine

Im "Happy Dog House" finden die Tiere Ruhe. An der Grenze zur Republik Moldau gibt es kaum Explosionen. Man kümmert sich um sie. Doch das kleine Tierheim kann nicht allen Hunden dauerhaft ein Zuhause bieten. Solange der Krieg andauert, ist es in der Ukraine aber auch nahezu unmöglich, Tiere in Familien zu vermitteln.

Deshalb begann Anastasia, neue Besitzer in Europa zu suchen, wie es auch andere Organisationen tun, um ihre Schützlinge dauerhaft in Sicherheit zu bringen. "Ich habe dieses Projekt Happy Dog Tour, Euro-Tour genannt. Wenn ich einen Hund zu einer guten Familie nach Europa bringe, wo alles ruhig ist und sich jemand um ihn kümmert, dann bedeutet das für mich: Ich habe diesen Hund gerettet."

Ein ukrainischer Hund auf dem Weg in ein neues Leben in Westeuropa

Jede Reise ist finanziell eine Herausforderung. Allein Impfungen, Dokumente und Grenzformalitäten kosten etwa 500 Euro pro Tier, dazu kommt noch der Transport per Auto, Zug oder Flugzeug. Die neuen Besitzer übernehmen diese Kosten jedoch meist gern. So fanden Anastasias Hunde ein Zuhause in Frankreich, der Schweiz, Norwegen, Dänemark, den Niederlanden, Tschechien, Österreich und Deutschland. Insgesamt konnte sie bereits mehr als 30 Hunde vermitteln.

Auch die Logistik ist kompliziert: "Im Flugzeug kann man nur einen Hund mitnehmen", erklärt Anastasia. "Im Zug können wir drei Hunde transportieren. Dann buchen wir ein ganzes Abteil." Mit dem Auto wurden sogar schon sechs Hunde gleichzeitig transportiert. Meist ist es sie selbst, die die Tiere zu ihren neuen Familien bringt – in der Zeit übernehmen ihre Mitarbeiterinnen die Pflege der Tiere daheim. Nur im Flugzeug reisen die Tiere allein.

Happy End für Mensch und Tier?

Auch Fenris, einen Mischling mit langem goldgelbem Fell, hat Anastasia persönlich übergeben. Seine neue Besitzerin Yuliya Reich nahm gemeinsam mit ihrem Mann einige Tage frei und fuhr bis an die deutsch-polnische Grenze, um ihren neuen Hund abzuholen. "Wir waren ungefähr vier Tage unterwegs – zwei Tage hin und zwei Tage zurück. Das war schon eine richtige Reise", erzählt Yuliya lachend. Vor zehn Jahren kam sie als Au-pair aus Kasachstan nach Deutschland und lebt heute in Sauldorf in Baden-Württemberg. Von einem Hund hatte Yuliya schon lange geträumt. Auf das "Happy Dog House" wurde sie über Instagram aufmerksam. Bevor ein Tier vermittelt wird, schickt Nastja Fotos und Videos an die Interessenten und telefoniert ausführlich mit ihnen. Durch ihre Erfahrung kann sie inzwischen recht gut abschätzen, welcher Hund zu welcher Familie passt.

Happy End für Mensch und Tier: Besitzerin Yuliya knuddelt Mischling Fenris

Anastasia bezeichnet sich selbst als glücklichen Menschen, obwohl sie ihr komfortables Leben als Unternehmerin aufgegeben hat. "Ich habe mich diesem Dienst an den Hunden verschrieben, diesen verlassenen Seelen, die den Menschen so dringend brauchen. Leider gibt es wenige gute Menschen und sehr viele Hunde, die Hilfe brauchen." Sie nennt sich selbst sogar "Happy Dog Mama". "Im Moment sind alle 60 Hunde meine eigenen. Sonst hätte man gar nicht die Geduld, sich von morgens bis abends um sie zu kümmern und sein ganzes Leben dafür einzusetzen. Solange sie hier sind, sind sie alle meine Kinder." Und in Zukunft? "Ich träume davon, dass wir für alle Hunde ein Zuhause finden. Dass dieser Ort irgendwann leer steht oder nur noch für die ganz alten Hunde bleibt, die hier einfach in Ruhe leben können. Und ich träume davon, dass der Krieg endlich endet."

MDR (tvm)

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