Europa sitzt in der Nato-Falle, analysiert General Bühler. Die "Koalition der Willigen" verzichte auf Vorteile der Nato wie Kommandostrukturen und Kooperationen – würde von Russland aber immer als Nato gesehen werden.
AUDIO: #354 Wer schützt die Ukraine nach dem Krieg? Podcast mit Ex-Nato-General Erhard Bühler (38 Min)
Was tun, Herr General? Das Briefing
Stand: 28.07.2026 14:06 Uhr
Wenn es einen Waffenstillstand in der Ukraine geben sollte, muss er abgesichert werden. Eine "Koalition der Willigen" ist dazu bereit. Ihr großes Problem dabei ist für Ex-Nato-General Erhard Bühler aber nicht, ob sie Verantwortung tragen kann, sondern ob sie dafür Strukturen aufbaut, die schlechter funktionieren als die bisherige Nato. Bühler warnt hier vor einer "europäischen Nato" ohne die bisherigen Vorteile des Bündnisses. Was tun, Herr General? Das Briefing.
von MDR AKTUELL
Es geht für Europa um ein Ende des Ukraine-Kriegs, um Frieden mit Russland. General a.D. Erhard Bühler lenkt dabei den Blick auf eine große, strategische Frage: Wie organisiert Europa künftig die eigene Sicherheit und die der Ukraine – mit oder neben der Nato?
Vorbereiten statt hoffen: Europas StrategieSollte sich Europa militärisch vollkommen unabhängig aufstellen wollen, bliebe ein Problem erhalten, sagt Bühler: "Man ist im Grunde genommen Nato aus Sicht der Russen, kann aber die Vorteile nicht nutzen", die das Verteidigungsbündnis mit den USA bisher hatte. Er sagt:
Erst dann anzufangen, wenn sich eine Einigung ergeben hat – in diesen grundsätzlichen Fragen – die es heute noch nicht gibt, wäre schwierig. General a.D. Erhard Bühler im Podcast #354
Bühlers strategische Botschaft lautet: Es ist nicht entscheidend, wie wahrscheinlich ein Waffenstillstand aktuell ist. Entscheidend sei, ob Europa darauf vorbereitet wäre. Daraus ergibt sich: Je konkreter das in Europa geplant wird, umso deutlicher treten die Schwächen hervor.
Bühler sieht die europäische Sicherheitsarchitektur in einer "Nato-Falle". Denn sie müsse die Funktionen der Nato nachbilden, ohne die Nato zu sein, deren Funktionieren bisher vor allem die USA sicherte. Das ist aus Bühlers Sicht "der große Nachteil dieser Koalition der Willigen", denn:
Man ist im Grunde genommen Nato aus der Sicht der Russen, kann aber ihre Vorteile nicht nutzen. General a.D. Erhard Bühler im Podcast #354
Hinter der Debatte sieht der Experte ein Grundproblem europäischer Sicherheitspolitik: Europa will mehr Eigenständigkeit, hat aber schon eine funktionierende Militär-Organisation. Darum ist die Frage nicht, ob Europa mehr tun soll, sondern ob das nicht doch effizienter in der Nato wäre.
Skeptisch ist Bühler aber nicht nur bei einer mögliche Ukraine-Schutztruppe, sondern auch bei der Debatte über eine europäische Raketenabwehr. Europäische Verteidigungsinitiativen seien sinnvoll, nicht aber Doppelstrukturen zur Nato.
Diese integrierte Luftverteidigung der Nato zu kopieren, wäre sinnlos. Doppelstrukturen brauchen wir nicht. General a.D. Erhard Bühler im Podcast #354
Bühler trennt zwischen industrieller und militärischer Integration. Mehr europäische Beschaffung: Ja. Neue parallele Kommandostrukturen: Eher nein. Er plädiert für einen pragmatischen Weg zwischen strategischer Autonomie und transatlantischer Einbindung.
Wer "nur" über einen möglichen Waffenstillstand in der Ukraine debattiert, geht laut Bühler aber dem eigentlichen, dem strategischen Problem aus dem Weg – dem Richtungsstreit, ob Europa seine Sicherheit in neuen Koalitionen oder in einer europäischeren Nato sucht.
MDR AKTUELL (ksc)
Was tun, Herr General? – Der Podcast zum Ukraine-Krieg
Krieg in Europa. Welche Strategie verfolgt die russische Armee, wie stehen die Chancen der ukrainischen Verteidiger? Einschätzungen der militärischen Lage und der Kriegsfolgen vom früheren NATO-General Erhard Bühler.
Das Briefing entsteht aus dem MDR-AKTUELL-Podcast "Was tun, Herr General?". Im Podcast analysiert Tim Deisinger mit General a.D. Erhard Bühler die militärische Lage in der Ukraine und die Auswirkungen des Krieges auf Europa und die internationale Sicherheitspolitik.
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