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Bier-Konsum: Brauereien kämpfen auch im Saarland ums Überleben – was die Zukunft bedroht

Дата публикации: 06-08-2026 11:00:00




Seit Jahren drastisch sinkender Bier-Konsum: Das macht auch den Brauereien im Saarland zu schaffen. Bundesweit schlossen bereits etliche Betriebe. Und die Lage könnte sich noch zuspitzen.



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Bier-Konsum Brauereien kämpfen auch im Saarland ums Überleben – was die Zukunft bedroht

Exklusiv | Homburg/Neunkirchen/Heusweiler · Seit Jahren drastisch sinkender Bier-Konsum: Das macht auch den Brauereien im Saarland zu schaffen. Bundesweit schlossen bereits etliche Betriebe. Und die Lage könnte sich noch zuspitzen.

Der Absatz beim Bier schwächelt seit Jahren, das Brauerei-Sterben setzt sich fort. (Symbolbild)

Der Absatz beim Bier schwächelt seit Jahren, das Brauerei-Sterben setzt sich fort. (Symbolbild)

Foto: dpa/A3817 Tobias Hase

Drastische Umsatz-Rückgänge auf dem Biermarkt in Deutschland – davon bleiben die Brauereien im Saarland nicht verschont. Immer mehr Menschen setzen auf Pils und dergleichen ohne Alkohol. Doch das Wachstum in diesem Segment kann die Rückgänge beim klassischen Erzeugnis nicht wettmachen. Damit sank die Zahl der Brauereien bundesweit auf den Stand von 2016. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Auch in der Region kämpfen Unternehmen ums Überleben.

Brauereien: So rapide geht Zahl der Unternehmen und Absatz zurück

So soll es die Bundesrepublik nach vorläufigen Angaben Ende 2025 auf 1415 Betriebe gebracht haben. Demnach sind dies 53 weniger als noch zwölf Monate zuvor. Und: Es ist das dritte Jahr hintereinander, dass die Zahl sank. Im Vergleich zu 2019 ist diese Entwicklung noch gravierender: 137 Brauereien gaben seitdem auf. Der sinkende Bier-Konsum dürfte dafür mit verantwortlich sein, werten die Statistiker.

  • 1415 Brauereien in Deutschland Ende 2025
  • 53 Betriebe weniger binnen eines Jahres
  • 137 Braustätten weniger seit 2019

So sieht es auch der Deutsche Brauer-Bund (DBB) in Berlin. Der Absatz sei im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,2 Prozent gesunken. Dies entspreche einem Minus von 85 Millionen Liter auf zuletzt rund 3,8 Milliarden Liter. Dabei bezieht sich der Brauer-Bund ebenfalls auf die Angaben des Bundesamtes. Experten bilanzierten aber für Juni ein Absatzplus von 5,2 Prozent zum Vorjahr.

Wo am meisten Bier getrunken wird

Der weitaus größte Marktanteil werde in Deutschland selbst erwirtschaftet. 81 Prozent sollen demnach in der ersten Hälfte dieses Jahres im Inland durch die Kehlen geflossen sein. Dennoch mussten die heimischen Brauer einen Rückschlag hinnehmen: Denn der Inlandsabsatz sei in dieser Zeit im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 um 3,1 Prozent zurückgegangen. Demnach wurden 2026 3,1 Milliarden Liter Biere abgesetzt. 19 Prozent (719 Millionen Liter) seien in den Export gegangen. Dies entspreche einem Zuwachs von zwei Prozent. Davon blieb der überwiegende Teil – 422 Millionen Liter – nach Brauer-Bund-Angaben in der Europäischen Union (EU).

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Ottweiler Pils – schon lange nicht mehr in der Stadt an der Blies gebraut

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Foto: Matthias Zimmermann/OTH/Matthias Zimmermann

Trotz der jüngsten Sommer-Zuwächse sei keine Wende zum Positiven in Sicht, meldet DBB-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele. Hauptfaktor dafür seien verunsicherte Kunden. Wegen der politischen Unwägbarkeiten hielten sie sich beim Konsum zurück. Zudem beeinflusse die Krise in der Gastronomie die zurückgehenden Absatzzahlen. Die wiederum hätten mit „verändertem Ausgehverhalten“ nach der Pandemie zu tun. Drittens griffen junge Menschen seltener zu alkoholischen Getränken. Dies mache sich „immer stärker bemerkbar“.

Brauer-Bund-Geschäftsführer: So pessimistisch sieht die Zukunft aus

Pessimistisch zeigt sich der Brauer-Bund-Geschäftsführer: „Mit Blick auf die anhaltend hohen Produktionskosten und den Rückgang des Bierkonsums ist leider damit zu rechnen, dass die Zahl der Brauereien in Deutschland weiter abnehmen wird.“ Zurzeit müsse jede Woche mindestens eine Brauerei aufgeben.

„In dieser Situation ist es besonders bitter, dass von der Politik keinerlei Unterstützung kommt, sondern im Gegenteil weitere Belastungen beschlossen werden“, kritisiert Eichele. Er verweist dabei auf die geplante Zuckersteuer. Diese torpediere den Versuch der Brauereien, mit alkoholfreien Getränken stärker Fuß zu fassen.

Brauereien im Saarland: Diese Unternehmen gibt es zurzeit

Der Deutsche Brauer-Bund zählt aktuell 1415 Brauereien und stützt sich dabei ebenso auf die vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Stichtag: Ende 2025). Einige Bundesländer werden dabei gemeinsam erfasst – wie Berlin mit Brandenburg, Niedersachsen mit Bremen, Schleswig-Holstein mit Hamburg und Rheinland-Pfalz mit dem Saarland. So kommen die beiden letzten zusammen auf 73 Braustätten. Im Saarland sind dies:

  • Abtei Bräu (Mettlach)
  • Biermanufaktur Bechtel & Geber GbR (Schwarzenholz)
  • Bruch Brauerei (Neunkirchen)
  • Herz & Heimat (St. Ingbert)
  • IGBier (St. Ingbert)
  • Karlsberg (Homburg)
  • Saarfürst Brauerei (Merzig)
  • Schmelzer Brauhaus (Schmelz)
  • Tiny-Brew (Kleinblittersdorf)
  • Walsheimer Sudhaus GbR (Gersheim)
  • WØL BrauArt (Saarbrücken)

So sieht es bei der Großwald-Brauerei aus und so bei Bruch

In den vergangenen Jahren hatte es bereits heftige Turbulenzen auf dem saarländischen Biermarkt gegeben. Diese trafen die Bruch-Brauerei. Der einstige Familienbetrieb verschwand von seinem angestammten Platz in Saarbrücken und zog als Neugründung 2024 nach Neunkirchen.

Diese jungen Biermarken verschwanden im Saarland

Die Bierbranche hat seit Jahrzehnten zu kämpfen, die Lage spitzt sich bundesweit zu. Im Saarland sind sogar von ambitionierten Neugründungen der jüngsten Vergangenheit bereits einige wieder verschwunden. Traurige Berühmtheit erlangten folgende Häuser, die nach Erfolg versprechendem Start ihren Betrieb dann doch einstellten:

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Das sind Biermarken unter dem Dach der Homburger Karlsberg-Brauerei

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Foto: Karlsberg/Thomas Seeber
  1. Bachs-Braumanufaktur in Neunkirchen: Im September 2023 stellte Gründer und Namensgeber Julian Bach den Betrieb ein. 2007 hatte der Unternehmer die Idee dazu, später stieg ein Vertreter der Globus-Familie Bruch ein. Eigentlich sollte die Mikro-Brauerei mit Spezialbieren in dem Haus in Neunkirchen Fuß fassen. Im Herbst 2023 trennten sich die Wege der Anteilseigner, damit war das Projekt Bach gescheitert.
  2. Brauhof Saar in Saarbrücken: Gutscheinbesitzer hatten plötzlich wertlose Zertifikate zu Betriebsführungen und Braukursen in der Hand. Der Eigentümer war nicht mehr zu erreichen. 2013 als Flammbräu begonnen, war Mitte 2022 Schluss. Anfang 2025 wies das Amtsgericht in Saarbrücken einen Antrag auf Insolvenzverfahren mangels Masse ab.

Historische Biermarken und was aus einigen von ihnen wurde

Etliche Häuser, die einst stark in Kneipen und im Einzelhandel vertreten waren, haben ihre Produktion längst eingestellt. Zu ihnen gehören unter anderem:

  • Schloss-Brauerei in Neunkirchen
  • Brauerei Groß in Riegelsberg
  • Neufang-Brauerei in Saarbrücken
  • Saarfürst-Brauerei Merzig (als Brauhaus wiedergegründet)
  • Donnerbräu in Saarlouis
  • Ottweiler Brauerei
  • Schäfer-Brauerei in Dirmingen
  • Brauerei Paqué in St. Wendel

Eine Marke, die schon seit Jahrzehnten nicht mehr am ehemaligen Brauort hergestellt wird, aber immer noch zu haben ist: Becker’s Pils. Das ursprünglich aus St. Ingbert stammende Bier vertreibt die Karlsberg-Brauerei aus Homburg nach wie vor. Dabei geht es um die lokale Verankerung.

Gänzlich verschwunden ist Ottweiler Bier, das ebenfalls zuletzt Karlsberg herstellte, jedoch für den ausländischen Markt. Nach der Geschäftsübernahme 1983 wurde die Brauerei in Ottweiler geschlossen. Produktionseinstellung war 2024.

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