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Strompreiszone mit Polen: Woidke träumt von fünf statt 25 Cent pro Kilowattstunde

Дата публикации: 18-07-2026 05:24:00

Ökostrom ist günstig. In Brandenburg wird er in Massen produziert. Verkauft werden muss er aber teuer, weil Strom in Deutschland überall gleich viel kostet. Ministerpräsident Woidke fordert deshalb verschiedene Strompreiszonen. Dafür hat er auch Polen ins Spiel gebracht. Die Idee stößt jedoch auf Widerstand.


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Strompreiszone mit Polen Woidke träumt von fünf statt 25 Cent pro Kilowattstunde

Windräder in einem Rapsfeld bei Neuenhagen in Märkisch-Oderland (Quelle: IMAGO/photothek)
Windräder in einem Rapsfeld bei Neuenhagen in Märkisch-Oderland (Quelle: IMAGO/photothek)
  • Woidke: Deutschland wegen hoher Strompreise momentan nicht wettbewerbsfähig
  • Süd-Bundesländer wehren sich gegen Neuordnung des Strommarkts
  • BTU-Experte Müsgens sieht Standortvorteile für Brandenburg
  • IHK bewertet gemeinsame Strompreiszone mit Polen skeptisch

Von Michael Schon

Mit Vergleichen ist es so eine Sache, aber vielleicht hilft das Bild von Autobahnen ja doch. Mal angenommen, in Brandenburg würden sehr günstig Kartoffeln produziert. Die könnte man auch sehr günstig in Bayern verkaufen. Aber angenommen, zwischen Brandenburg und Bayern gäbe es keine Autobahnen. Dann müssten die Kartoffellaster hierbleiben und überschüssige Knollen müssten vernichtet werden.

Wenn man jetzt noch annimmt, dass in ganz Deutschland ein Einheitspreis gilt, die billigen Brandenburger Kartoffeln also auch in Brandenburg teuer verkauft werden müssen, ergibt sich eine grobe Vorstellung vom Strommarkt in Deutschland: Man muss statt an Autobahnen und Kartoffeln nur an Leitungen und Strom denken. Und an einen einheitlichen Strompreis, der für ganz Deutschland – und ganz genau: auch für Luxemburg – gilt.

Was man sich auch vorstellen kann: Warum dieser Zustand Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) ziemlich auf die Palme bringt. Seit längerem drängt er auf Strompreiszonen für Deutschland. Er möchte, dass Strom dort günstig verkauft werden darf, wo er günstig produziert wird – für fünf bis sieben Cent pro Kilowattstunde statt wie derzeit für rund 25 Cent.

Woidke: Wenigstens regional wettbewerbsfähiger werden

"Wir können es schaffen, in Teilen Deutschlands günstigere Strompreise anzubieten, als wir sie derzeitig haben - subventionsfrei", sagte Woidke dem rbb. Derzeit sei Deutschland mit seinen im EU-Vergleich hohen Strompreisen nicht wettbewerbsfähig für energieintensive Industrien. Dabei zählten Chemie-, Pharma- und Stahlindustrie zur kritischen Infrastruktur.

Alle Optionen zu prüfen, mit allen Bundesländern, aber auch mit dem Nachbarland Polen als Abnehmer für günstigen Ökostrom, liege auf der Hand. Schon jetzt arbeite Brandenburg mit Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Berlin zusammen. Woidke ist mit so einer Forderung nicht allein. Auch im Windenergie-reichen Norddeutschland gibt es seit Jahren den Wunsch nach Strompreiszonen, auch mit Dänemark.

Die Idee hat Fans. In einer aktuellen Studie spricht sich der Europäische Verband der Stromnetzbetreiber für mehr Zonen in Europa aus, in Deutschland für fünf. Felix Müsgens ist Professor für Energiewirtschaft an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) und leitet das Energy Innovation Center, forscht also zur Energiewende. Er rechnet vor, dass allein die Drosselung der Ökostromproduktion wegen fehlender Leitungsnetze sich in Deutschland auf Kosten von drei Milliarden Euro pro Jahr beläuft.

Aus Brandenburger Sicht seien Strompreiszonen zu begrüßen, sagt er: "Es gäbe niedrigere Stromrechnungen." Und zwar sowohl für Haushalte als auch für die Industrie. Ein klarer Standortvorteil. Deshalb begrüßt er auch den Vorschlag des Ministerpräsidenten, über eine gemeinsame Strompreiszone mit Polen nachzudenken. "Der Vorschlag von Herrn Woidke ist insofern innovativ, als er Bewegung in eine festgefahrene Diskussion bringt", so Müsgens.

Süd-Bundesländer fürchten Standortnachteile

Festgefahren ist die Diskussion auch, weil sich Union und SPD auf Bundesebene in ihrem Koalitionsvertrag auf die Beibehaltung der einheitlichen Strompreiszone mit Luxemburg festgelegt haben. Aus Sicht der Südländer wie Bayern und Baden-Württemberg nachvollziehbar: Sie fürchten nicht nur höhere Strompreise für ihre Verbraucher, sondern auch einen Standortnachteil, wenn sich neue Unternehmen wegen des günstigen Stroms in Zukunft im Norden und Osten Deutschlands ansiedeln – oder sogar bestehende Unternehmen dorthin abwandern.

Das bayerische Wirtschaftsministerium warnt vor einer Schwächung der gesamten deutschen Volkswirtschaft. "Allein die Diskussion über eine mögliche Teilung führt zu massiven Verunsicherungen aller Akteure und damit Verzögerungen bei der Energiewende", heißt es dort. Auch der Umsetzungs- und Verwaltungsaufwand mit entsprechenden Kosten müsse bedacht werden.

Woidke widerspricht dem: "Es wäre im Sinne der deutschen Wirtschaftsentwicklung und -dynamik in den kommenden Jahren, wenn Deutschland Regionen hätte, wo es günstige Energie gibt." Wer sich vor höheren Stromkosten fürchte, habe in der Vergangenheit etwas falsch gemacht. Außerdem kenne er keine Studien, nach denen höhere Strompreise überhaupt zu befürchten seien.

Auch der Cottbuser Energie-Experte Müsgens fordert einen differenzierteren Blick. Gerade aus volkswirtschaftlicher Perspektive böten Strompreiszonen Vorteile: Ein Investitionssignal zum Beispiel für große Verbraucher wie Rechenzentren, die Ansiedlungen in Regionen mit niedrigeren Strompreisen prüfen. "Das wäre volkswirtschaftlich sinnvoll, jetzt erst mal unabhängig davon, ob Bayern oder Brandenburg einen konkreten Fall gewinnt oder verliert", findet Müsgens. Zudem verweist er auf die skandinavischen Länder: In Norwegen gibt es fünf, in Schweden vier Strompreiszonen. Dort seien die Erfahrungen im Wesentlichen positiv.

IHK Cottbus: Preiszone mit Polen macht Strom zunächst teurer

Zweifel an der Idee einer gemeinsamen Strompreiszone mit Polen hat André Fritsche, er ist Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Cottbus. Selbstverständlich begrüßt auch er günstigere Preise. Aber ob das mit Polen derzeit funktioniert – da setzt er ein Fragezeichen. "Eine Strompreiszone mit Polen würde wahrscheinlich erstmal zu einer Erhöhung des Strompreises führen", sagt er. Zumindest kurzfristig. Denn auch dafür müsste das Stromnetz erstmal entsprechend ausgebaut werden. Auch eine Investition. Mittel- und langfristig wäre die aus seiner Sicht jedoch sinnvoll, denn Polen käme als Abnehmer für Ökostrom infrage, der in Brandenburg nicht verbraucht wird.

Für Bayern und Baden-Württemberg bliebe dann womöglich weniger davon übrig. Vielleicht ist die gemeinsame Zone mit Polen daher zunächst auch nur als Drohkulisse gedacht. So oder so: Woidke wünscht sich mehr Bewegung auf Bundesebene. Man könne weder die Zölle des US-Präsidenten Trumps noch die Lage in Russland beeinflussen, so Woidke, aber: "Was wir beeinflussen können, sind die Energiepreise hier in Deutschland und deswegen muss die Bundesregierung hier aktiver werden."

Sendung: rbb24 Inforadio, 17.07.2026, 18:22 Uhr

Audio: rbb24 Inforadio, 17.07.2026, Amelie Ernst

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