Kabelklau ist kein neues Phänomen. Doch nun orientieren sich die Diebe, die es meist auf Kupfer abgesehen haben, vermehrt auf die Infrastruktur von Solarparks, Ladesäulen- und Windparkbetreiber.
Kabeldiebstahl Warum Kupferdiebstahl zunimmt - und welche Folgen das hat
Erst kürzlich kam es wieder zu Einschränkungen bei der Berliner S-Bahn, weil Kabeldiebe am Bahnhof Baumschulenweg in Treptow zugeschlagen hatten. Auf gleich mehreren S-Bahnlinien kam es mehrere Tage lang zu Ausfällen und Verspätungen – ein Teil der Strecke musste mit Pendelverkehr bedient werden.
Kabeldiebstahl ist an sämtlichen Bahnstrecken und inzwischen auch an anderen Orten ein weit verbreitetes Phänomen. Die Diebe kommen meist in der Nacht und arbeiten extrem effektiv: Besonders begehrt sind Strom-, Erdungs-, Bahn- und Telekommunikationskabel sowie zunehmend Ladekabel von E-Ladesäulen. Sie verursachen damit nicht nur erhebliche Sachschäden, sondern beeinträchtigen auch die Infrastruktur.
Warum wird vor allem Kupfer gestohlen?
Kupfer ist an vielen Stellen verbaut, weil die elektrische Leitfähigkeit des Metalls nur von der des wesentlich teureren Silbers übertroffen wird. Wo Strom fließt oder Wärme schnell weitergegeben werden soll, kommt häufig Kupfer zum Einsatz: etwa in Toastern, Waschmaschinen, E-Autos und deren Ladekabeln.
Auch viele Teile kritischer Infrastruktur enthalten Kupfer – etwa Bahnoberleitungen und Kabelanlagen, Solar- und Windparks, Umspannwerke sowie Telekommunikations- und Stromnetze. Diebe können daher an vielen Stellen fündig werden.
Wie und wo wird Kupfer verbaut - und wer wird Ziel von Kupferdiebstählen?
Kupferdiebe, die das Metall im Anschluss meist verkaufen, nutzen oftmals die Dunkelheit und einsame Orte, um in möglichst kurzer Zeit große Mengen des Metalls zu stehlen. In ihrem Fokus sind schlecht gesicherte Großbaustellen, Bahnstrecken, E-Ladestationen oder sich im Bau befindliche Solarparks. In der Regel arbeiten die Diebe schnell und effizient: teils unter Lebensgefahr wegen unter Strom stehender Leitungen und mithilfe von schwerem Gerät wie Bolzenschneidern, Elektrosägen, Trennschleifern oder hydraulischen Scheren trennen sie Kabel, Seile oder andere Kupfer führende Teile ab – und verursachen meist massiven Sachschaden und immense Folgeschäden (beispielsweise durch Zugverspätungen und Stromausfälle).
Betroffen vom Kabeldiebstahl sind vor allem Betreiber großer Netze wie Verkehrsunternehmen des öffentlichen Nahverkehrs, Energieversorger, Telekommunikations- oder Bergbaufirmen. Sie müssen den durch die Diebe entstandenen Schaden, die Verzögerungen und teuren Reparaturen kompensieren.
An wen wird das Kupfer verkauft und zu welchem Preis?
Der durch den Kupferdiebstahl verursachte Schaden übersteigt meist den Wert des Kupfers bei Weitem, doch das schreckt die Diebe nicht ab. "Je nach Dicke und Leistungsfähigkeit enthalten Schnellladekabel zwischen vier und zehn Kilogramm des Metalls", so Energiekonzern Enbw [enbw.com].
Das Kupfer wird dann von den Dieben aus der Kabelummantelung getrennt und oftmals eingeschmolzen. Dann gilt es als reines Kupfer, sogenanntes Millberry. Der Preis hierfür liegt in Berlin aktuell bei fast 10 Euro pro Kilo [schrotthandel-berlin.com]. In Sachen Ladekabel erzielten die Diebe beim Weiterverkauf an Schrott- und Buntmetallhändler etwa 50 Euro pro Kabel, heißt es bei Enbw. Tendenz steigend, denn die Preise für Kupfer haben sich seit 2021 fast verdoppelt.
Welche Strafen drohen Kupferdieben?
Werden die Diebe gefasst und vor Gericht gestellt, zählt Kabeldiebstahl meist als besonders schwerer Fall von Diebstahl und schwerer Bandendiebstahl. Das Gesetz sieht hierfür eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zehn Jahren vor.
Erst am 18. Mai sind in Berlin-Charlottenburg drei mutmaßliche Kabel-Diebe gefasst worden. Wie die Polizei mitteilte, sollen die drei Männer von Zeugen dabei beobachtet worden sein, wie sie am Jungfernheideweg Kabel aus einem Waldstück trugen. Laut Polizeiangaben wurden in ihrem Kofferraum eine erhebliche Menge Kupferkabel sowie Werkzeuge gefunden [berlin.de].
Die Bundespolizei appeliert an etwaige Zeugen, unbedingt die Polizei zu informieren, wenn sie Metalldiebstahl beobachten. Viele Täter kämen "ohne Strafe davon", weil sich Zeugen nicht meldeten. [bundespolizei.de]
Welche Maßnahmen werden gegen den Diebstahl getroffen?
Die Bundespolizei empfiehlt unter anderem, Baustellen mit Sichtschutz mechanisch in einer Mindesthöhe von 2,5 Metern lückenlos zu umzäunen, Ausleuchtung und Bewegungsmelder, möglicherweise auch Videoüberwachung beziehungsweise ein Sicherheitsdienst werden ebenfalls empfohlen. [bundespolizei.de]
Die Bahn setzt unter anderem eine künstliche DNA ein. Dazu wird eine für die Diebe unsichtbare Flüssigkeit mit einem DNA-Code auf die betroffenen Teile aufgetragen. Unter UV-Licht wird dieser Code dann sichtbar. Ein zweiter Code verrät zudem, wo das Material angebracht war. Die Bahn setzt außerdem Wärmebildgeräte und Videotürme ein, um gegen Diebstahl vorzugehen. Außerdem ist man mit Drohnen und Nachtsichtgeräten im Einsatz, um Tätern auf die Spur zu kommen.
Der Energiekonzern EnBW hatte im vergangenen Herbst mitgeteilt, dass das Phänomen des Ladekabel-Klaus an Schnell-Ladesäulen mittlerweile zu ernsten Problemen führe. Das Unternehmen prüfe nun für jeden Standort, wie Kabeldiebstahl entgegengewirkt werden kann. "Wo möglich setzen wir auf abschreckende Maßnahmen wie verstärkte Beleuchtung oder Videoüberwachung", teilt ein Sprecher mit. Zudem sei man im Gespräch mit den Herstellern von Ladestationen. Dies seien jedoch Prozesse, die Zeit in Anspruch nehmen würden. "Videoüberwachung lässt sich beispielsweise nicht ohne Weiteres an allen Standorten installieren und die Modifizierung von Ladekabeln durchläuft auf Herstellerseite eine Prozesskette", heißt es auf Anfrage von rbb|24.
Sendung: rbb|24, 28.05.2026, 07:20 Uhr
Audio: rbb|24, 28.05.2026, Klaas-Wilhelm Brandenburg im Gespräch mit Sabine Priess
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