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"Jedes Jahr, jeder Tag ist ein Bonus, den ich jetzt noch erleben darf" #wiedergesund

Дата публикации: 04-08-2026 15:00:02

Mit 23 Jahren ändert sich für Ines Thomsen über Nacht alles: Diagnose Gehirntumor. Danach hat sie ihr Leben komplett umgekrempelt, ist heute erfolgreiche Fotografin, Autorin, Speakerin, Ehefrau und Mama - und lebt jeden Tag mit Dankbarkeit und Urvertrauen.

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Eine Diagnose, die das Leben auf den Kopf stellt – und wie man daran wachsen kann: Ines Thomsen erhielt mit 23 Jahren die Diagnose Gehirntumor. Wie sie diese Zeit erlebt hat, was ihr geholfen hat und warum sie heute als Fotografin Menschen inspiriert, erzählt die 42-jährige Linzerin in der aktuellen Episode von „Wieder gesund - zurück ins Leben“.

OÖNachrichten: Frau Thomsen, nehmen Sie uns mit zurück: Wie haben Sie die Zeit vor Ihrer Diagnose erlebt?

Ines Thomsen: Mit Anfang zwanzig hat sich mein Leben unglaublich leicht angefühlt: Ich war gesund, hatte tolle Freunde und eine liebevolle Familie. Als Flugbegleiterin war ich viel unterwegs und habe die Welt gesehen. An so etwas wie eine ernste Krankheit hat man in diesem Alter natürlich keinen Gedanken verschwendet – umso überraschender war dann die Diagnose.

Wann und wie haben Sie gemerkt, dass gesundheitlich etwas nicht stimmt?

Es war ein reiner Zufallsbefund. Ich hatte immer öfter sehr starke Kopfschmerzen, sodass ich auf Flügen teilweise mehrere Schmerztabletten nehmen musste und irgendwann wurde mir das zu seltsam. Ein Neurologe tippte zunächst auf Migräne, hat aber zur Sicherheit eine MRT gemacht. Erst da wurde der Tumor im Kleinhirn entdeckt – ohne diese Untersuchungen hätte ich es gar nicht bemerkt.

Wie haben Sie auf die Diagnose reagiert?

Ehrlich gesagt, war das ein komplett surrealer Moment. Es fühlte sich an wie eine Filmszene, alles lief plötzlich in Zeitlupe. Mein erster Impuls war sogar, meinen Arbeitgeber zu informieren, dass ich nicht fliegen kann – das war irgendwie meine „logischste“ Reaktion. Dass es ein gutartiger Tumor war, fanden die Ärzte erst später heraus. Die Ungewissheit war sehr belastend.

Wie hat Ihre Familie auf die Situation reagiert?

Meine Familie war unglaublich stark. Sie hat sich gekümmert und mir Kraft gegeben. Diese Unterstützung und Liebe war in dieser Zeit einfach das Größte. 

Wie wurden Sie behandelt?

Ich wurde im damaligen Wagner-Jauregg Krankenhaus, heutigen Neuromed Campus des KUK, unglaublich gut betreut, es wurden ganz genaue MRT-Untersuchungen gemacht. Und dann wurde ich operiert. 

Was waren die Gedanken vor der OP?

Ich hab mich tatsächlich von meiner Familie und von meinen Freunden verabschiedet. Ich hab mir überlegt: Was, wenn ich morgen nicht mehr aufwache? Und dann hab ich mir gedacht: Wenn’s das jetzt war, ist es auch okay. Ich durfte eine so tolle Familie und Freunde haben. Ich hab ein tolles Leben gehabt. Ich hab ganz viel von der Welt gesehen in einer sehr kurzen Lebenszeit. Ich war einfach dankbar.

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Woher haben Sie in diesen jungen Jahren diese Stärke genommen, dieses Urvertrauen?

Ich glaube, es ist tatsächlich der Glaube an etwas Größeres, an Gott, an die innere Stärke. Ich kann's gar nicht genau sagen, was da passiert ist. Ich denke, für die Betroffenen ist oft ganz klar, was zu tun ist. Für mich war's aber ganz traurig für mein Umfeld. Wie geht's meiner Mama, meinem Papa, wie geht's meiner Familie, wenn ich jetzt sterbe? Also das war eigentlich meine größte Sorge.

Wie verlief die Zeit nach der Operation?

Ich bin aufgewacht, hab alles bewegen können. Das war das größte Geschenk im Nachhinein gleich einmal zu wissen: Wow okay, diese 8-stündige Operation hat funktioniert. Dann war das Warten auf den Befund sehr anstrengend. Die Erleichterung war riesig, als feststand, dass der Tumor gutartig war. Die körperliche Erholung dauerte natürlich trotzdem länger – ich hatte Schmerzen, eine große Narbe und musste viel Geduld aufbringen. Auch psychisch hat mich diese Endlichkeit des Lebens noch lange beschäftigt.  Ich habe auch heute noch Angst, zum Arzt zu gehen, weil ich fürchte, wieder eine schlimme Diagnose zu bekommen. Ich arbeite aktiv daran, diese Angst loszulassen. Gleichzeitig bin ich für jeden neuen Tag dankbar. Jedes Jahr, jeder Tag ist ein Bonus, den ich jetzt noch erleben darf.

Ihr Traumberuf als Flugbegleiterin war dadurch nicht mehr möglich. Wie sind Sie mit diesem Verlust umgegangen?

Mir wurde klar, dass ich die Verantwortung für andere Menschen an Bord nicht mehr übernehmen konnte. Daran habe ich lange geknabbert, aber ich habe eingesehen, dass es einfach um Sicherheit geht. Die Entscheidung, aufzuhören, war schwer, aber richtig. Danach begann für mich die Suche nach einer neuen beruflichen Leidenschaft.

War es schwierig, beruflich noch einmal ganz neu anzufangen?

Definitiv. Es war nicht leicht, mit Mitte zwanzig und einer Krankheit im Lebenslauf einen Job zu finden. Mein erster Bürojob hat mir schnell gezeigt, dass das nicht meine Welt ist. Ich hatte fast jeden Tag Migräne. Die Entscheidung zur Selbstständigkeit als Fotografin war mutig und beängstigend, aber spätestens nach einem weiteren gesundheitlichen Tiefpunkt wusste ich: Ich muss mein Leben ändern und meinen eigenen Weg gehen. Und ab dem ersten Tag der Selbstständigkeit hatte ich keine Migräne mehr.

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Wie kamen Sie zur Fotografie?

Meine Mama hat mich nach der OP zu einem Fotoladen gebracht, wo ich meine erste Spiegelreflexkamera auf Raten gekauft habe. Fotografieren wurde für mich schnell zum wichtigsten Ausgleich. Zuerst war es ein reines Hobby, aber ich spürte immer mehr, dass mich dieser kreative Ausdruck erfüllt. Bald darauf habe ich die Ausbildung an der Prager Fotoschule gemacht und entdeckt, dass mein Herz besonders für Menschenfotografie schlägt.

Hat Ihre Krankheit Ihre Art, Menschen zu sehen und zu fotografieren, geprägt?

Ja, ganz bestimmt. Ich möchte Menschen so zeigen, wie sie sind – schön, besonders, einzigartig. Viele meiner Models sind überrascht, wie sie auf meinen Bildern wirken. Für mich steht das Gefühl im Vordergrund, mein Gegenüber wirklich zu sehen und ihm einen sicheren Raum zu geben. Es ist wunderschön, wenn meine Fotografie dazu beiträgt, dass jemand neues Selbstvertrauen findet.

Welche Rolle spielt heute psychologische Unterstützung in Ihrem Leben?

Immer wieder habe ich mir professionelle Hilfe geholt, wenn ich gemerkt habe, dass Themen aufkommen, die ich alleine nicht lösen kann. Darüber zu sprechen, Dinge aufzuarbeiten und sich Unterstützung zu holen, ist für mich ein Zeichen von Stärke. Ich kann das nur jedem empfehlen, der sich überfordert fühlt – es muss niemand alles alleine schaffen.

Welchen Rat möchten Sie anderen Menschen geben, die ebenfalls eine schwere Diagnose erhalten?

Vertrauen – in sich selbst, in das Leben und in den Weg, der sich zeigen wird. Es ist keine Schande, sich Unterstützung zu holen oder Schwäche zuzulassen. Gute Menschen an der Seite zu haben, hilft enorm. Für mich war es entscheidend, darauf zu vertrauen, dass alles so kommt, wie es kommen soll, und das Beste daraus zu machen. Und: Jeder Tag ist ein Geschenk.

Nächste Woche sehen und hören Sie: Wie Polizist und Judoka Christoph Scheiblhofer schwerste Verbrennungen überlebte

Christa Schirl

Psychologin

Gesundheitliche Krisen fordern Betroffene und ihr Umfeld heraus – der Weg zurück in ein gesundes Leben kann beschwerlich sein.

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