Cellistin Katja Zakotnik erzählt über das Projekt „Missing Voices“, das vergessene oder verdrängte Musik jüdischer Komponistinnen und Komponisten wieder hörbar machen will.
Die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts ist unvollständig. Viele Komponistinnen und Komponisten wurden während des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet oder ins Exil gezwungen. Ihre Werke verschwanden oft mit ihnen. Sie wurden vergessen oder absichtlich ausgelöscht.
Doch es gibt Initiativen, die diese verlorenen Stimmen zurückholen. Eine davon ist das Projekt „Missing Voices“, das der französische Pianist Dimitri Malignan 2020 ins Leben rief. Ziel ist es, die Werke vergessener Künstlerinnen und Künstler wieder aufzuführen und in das musikalische Bewusstsein zurückzubringen.
Eine zentrale Partnerin bei dem Projekt ist die Cellistin, Konzertpädagogin und Kulturmanagerin Katja Zakotnik. Sie teilt Malignans Anliegen.
Es ist mir sehr wichtig, Werke, die verschollen sind oder an die man sich nicht mehr erinnert, wieder auf die Bühne zu bringen.
Zakotnik hat selbst viel zu diesem Thema geforscht und sich insbesondere für weibliche Komponistinnen eingesetzt, die in den 1920er-Jahren aktiv waren, bevor sie als Jüdinnen verfolgt oder ermordet wurden.
Im aktuellen Konzertabend des Projekts steht unter anderem die Cellistin und Widerstandskämpferin Frieda Belinfante im Fokus. Sie war die erste Dirigentin eines europäischen Orchesters.
Zakotnik erklärt, dass das Konzert nicht nur die Musik, sondern auch die Geschichten hinter den Werken beleuchtet. „Es geht nicht nur um die Musik, es geht auch um das Drumherum“, sagt sie. Das Publikum erfährt mehr über die Lebensumstände der Komponist*innen, ihre Schicksale und die Zeit, in der sie lebten.
Impressions: II. Nuit calme
Sieben Jahre lang war Belinfante mit der Komponistin Henriëtte Bosmans liiert. In dieser Zeit sind auch einige Kompositionen für Cello entstanden, die Bosmans ihrer Partnerin widmete, darunter ihr zweites Cellokonzert und die Drei Impressionen für Cello und Klavier.
Vergessene Kompositionen fest im Repertoire verankernKatja Zakotnik erzählt: „Henriëtte Bosmans hatte eine besondere Beziehung zum Cello. Nicht nur wegen ihres Vaters, sondern auch durch ihre Liebe zu Frieda Belinfante. Diese Verbindung spürt man in ihren Kompositionen.“
Das Projekt „Missing Voices“ hat nicht nur das Ziel, diese Werke wieder aufzuführen, sondern sie auch dauerhaft in das Repertoire der klassischen Musik zu integrieren. „Es sind Werke von sehr hoher Qualität, die zu unseren heutigen Konzertprogrammen sehr gut passen“, betont Zakotnik.
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