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Schnelle Rückkehr zu Wehrpflicht und Zivildienst: Die Deutschen dürfen die Weltlage nicht länger schönreden

Дата публикации: 04-08-2026 12:33:55

Die Dienstpflicht für junge Männer ist nur ausgesetzt. Für die Wehrpflicht fehlt es an Infrastruktur, die Wiedereinführung des Zivildienstes wäre einfacher. Doch es gibt eine mentale Blockade.

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Endlich mal zwei erfreuliche Nachrichten. Die Bundesregierung plant eine Reform: die Wiedereinführung des Zivildienstes.

Und obwohl die mit den unangenehmen Worten „Dienst“ und „Pflicht“ verbunden ist, dominieren nicht die Bedenkenträger die Diskussion. Die Verbände, die das stemmen sollen, sagen: Ja, das geht.

Hoffentlich bleibt das so, wenn der größere Kontext in die Mühlen der öffentlichen Debatte gerät.

Vorbedingung einer Rückkehr zum Zivildienst ist die Rückkehr zur Wehrpflicht. Den Ersatzdienst leisten junge Menschen, die den Wehrdienst aus Gewissensgründen verweigern. Mit der Suspendierung 2011 endete auch der Zivildienst.

Die wahre Herausforderung: eine mentale Zeitenwende in der deutschen Gesellschaft. Sie muss lernen, die Weltlage zu sehen, wie sie ist – und nicht, wie sie sie gerne hätte.

Christoph von Marschall

Die Wiederbelebung der Wehrpflicht ist in der Theorie ein Federstrich. Sie ist nur ausgesetzt, ein Beschluss des Bundestags genügt.

Wegen Wladimir Putins Angriffskriegen zur Wiederherstellung des untergegangenen Sowjetimperiums ist die Wiedereinführung geboten. In der Praxis ist sie freilich politisch und organisatorisch schwierig. Und Deutschland nimmt sich dafür Zeit, die es nicht hat.

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Um des Koalitionsfriedens willen haben Union und SPD vereinbart, die Wehrpflicht vorerst ruhen zu lassen und auf eine Fragebogen-Aktion zu setzen, um Freiwillige für die Bundeswehr zu gewinnen. Wird das reichen, um die Truppe von heute 180.000 Soldaten auf 260.000 anwachsen zu lassen und später auf 460.000 inklusive Reservisten?

Trotz der politischen Rücksichtnahme hat bereits die Erfassung Freiwilliger zu breiten Protesten geführt: Schulstreiks gegen Wehrpflicht und „Fridays for Frieden“.  

Wille zur Resilienz muss wachsen

Das vermittelt eine Ahnung, wo die wahre Herausforderung liegt: die mentale Zeitenwende in der deutschen Gesellschaft. Sie muss lernen, die Weltlage zu sehen, wie sie ist – statt sie sich schönzureden, wie sie sie gerne hätte.

Analysen der Bundeswehr, der Nato, der Friedens- und Konfliktforscher zur Bedrohungslage laufen darauf hinaus, dass Putin sich darauf vorbereitet, in wenigen Jahren zu einem Angriff auf die Nato-Ostflanke fähig zu sein.

Das wirksamste Gegenmittel wäre eine glaubwürdige militärische Abschreckung der europäischen Nato-Staaten. Denn wer möchte sich schon darauf verlassen, dass Donald Trump im Ernstfall das US-Militär schickt?

Die Haltung, dass Zivildienst okay ist, Wehrdienst hingegen nicht, wird Putin wohl kaum abschrecken. Das gelingt nur, wenn er damit rechnen muss, dass die europäische Nato kriegstüchtig ist und ähnlich entschlossenen Widerstand leistet, wie es die Ukrainer seit viereinhalb Jahren tun.

In den baltischen Staaten, Finnland, Schweden und Polen ist dieser Wille zur Resilienz mit Händen zu greifen. Von Deutschland kann man das heute nicht sagen.

Ein Vorschlag für Deutschland

Wie könnte es gehen? Niemand soll in Deutschland zum Dienst mit der Waffe gezwungen werden. Aber wer Ja zum Zivildienst sagt, sollte auch Ja sagen zum Wehrdienst für die, die dazu bereit sind.

Deren Zahl hängt freilich davon ab, ob es eine allgemeine Dienstpflicht gibt oder nicht. Eine Befragung an einem Berliner Gymnasium ergab kürzlich: Freiwillig würde kaum einer zur Bundeswehr gehen. Im Falle einer Dienstpflicht würden sich immerhin 23 Prozent fürs Militär entscheiden, zwei Drittel für Zivildienst.

Anderswo sind Einsicht und Bereitschaft größer. Eine Mehrheit der Deutschen befürwortet die Rückkehr zum Wehrdienst. Unter den 16- bis 29-Jährigen halten 42 Prozent sie für notwendig. Nur 30 Prozent lehnen sie ab.

Warum nutzt die Regierung diese Stimmungslage nicht, um die nötigen Schritte energisch voranzutreiben? Die Bundeswehr steht da allerdings vor größeren Herausforderungen als der Zivildienst.

Als die Wehrpflicht 2011 ausgesetzt wurde, wurden die dafür nötigen Einrichtungen aufgelöst: Kreiswehrersatzämter, Musterungsstellen, Ausbildungskasernen, Kleider- und Waffenkammern. Es wird Jahre dauern, das wieder aufzubauen – ein Grund mehr, zügig zu handeln.

Aus dem Zivildienst wurde 2011 der Bundesfreiwilligendienst. Die damit verbundene Schrumpfung war nicht so einschneidend wie bei der Bundeswehr, die zur Berufsarmee wurde.

Ja, wir können das stemmen, haben 22 der 23 großen Zivildienstverbände der Bundesregierung zur Frage der Rückkehr zu Wehr- und Zivildienst versichert. Wenn Politik und Gesellschaft die Wehrpflicht mit einer ähnlich konstruktiven Haltung angehen, wäre das ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des Friedens in Europa durch Abschreckung.

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