US-Koch Joe Gera trennt sich von Großlieferant Taylor Farms: Rückrufe kosteten ihn 21.000 Dollar – jetzt streicht er die Gerichte lieber von der Karte.
Stand: 14.08.2026, 22:41 Uhr
US-Koch Joe Gera trennt sich von Großlieferant Taylor Farms: Rückrufe kosteten ihn 21.000 Dollar – jetzt streicht er die Gerichte lieber von der Karte.
Harrisburg – Ein Barbecue-Koch aus Pennsylvania ist bereit, einige seiner beliebtesten Gerichte von der Speisekarte zu streichen, statt weiterhin Jalapeños zu beziehen, die mit Taylor Farms in Verbindung stehen. Die jüngsten Rückrufe und Ausbrüche hätten sein Vertrauen in einen der größten Obst- und Gemüselieferanten des Landes vollständig erschüttert. Für ihn überwiege inzwischen klar das Risiko gegenüber dem Nutzen der bisher genutzten Produkte.
Content-PartnerschaftDieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com.
Joe Gera, Küchenchef und Inhaber von Keystone ‘Cue, erklärte, sein Cateringunternehmen habe durch produktbezogene Rückrufe Kosten von mehr als 21.000 Dollar (18.100 Euro) gehabt, darunter entsorgte Zutaten, umgebuchte Veranstaltungen und verlorene Verträge, auch wenn Versicherungen einen Großteil des finanziellen Schadens auffingen.

Mit Blick auf die Wintermonate, in denen Jalapeños schwerer lokal zu beschaffen sind und häufig über große Händler importiert werden müssen, sagte Gera, er habe womöglich keine andere Wahl, als Kundenlieblinge wie Maisbrot und Jalapeño-Würstchen von der Karte zu streichen. „Auf jeden Fall“, sagte er dem Magazin Newsweek, als er gefragt wurde, ob er Gerichte lieber entferne, als Produkte von Taylor Farms zu kaufen. „Ich nehme es lieber von der Speisekarte, als es zu riskieren, mit ihnen zu tun zu haben. Ihnen kann man nicht trauen.“
Rückrufe kosten ihn über 20.000 Euro: Restaurantbesitzer übt Kritik an Taylor Farms – Unternehmen reagiertIn einer Stellungnahme am Donnerstag (13. August) sagte ein Sprecher von Taylor Farms gegenüber dem Magazin Newsweek, man sei „leidenschaftlich darum bemüht, den Menschen mithilfe von frischem Obst und Gemüse zu einem gesünderen Leben zu verhelfen“ und dass „die Sicherheit unserer Lebensmittel oberste Priorität“ habe. Das Unternehmen betonte, dass man seit Langem umfangreiche Maßnahmen zur Kontrolle von Krankheitserregern etabliert habe.
„Wir halten branchenführende Protokolle zur Vermeidung von Cyclospora ein und investieren jährlich mehr als 200 Millionen Dollar in unsere unabhängig geprüften und verifizierten Lebensmittelsicherheitsprotokolle“, hieß es in der Erklärung. „Als Fragen zur Quelle des jüngsten Cyclospora-Ausbruchs aufkamen, haben wir umgehend alle möglicherweise betroffenen Produkte aus dem Markt genommen und aus großer Vorsicht sogar einen noch umfassenderen Rückruf für allen Eisbergsalat aus der Region veranlasst. Wir haben außerdem freiwillig sämtliche Beschaffung und Produktion von Eisbergsalat in Zentralmexiko ausgesetzt“, so das Unternehmen.
„Zusätzlich haben wir unabhängige Experten damit beauftragt, unsere Lebensmittelsicherheitsprozesse und -protokolle in unserer Einrichtung in Zentralmexiko vollständig zu überprüfen, wo wir mit Stand vom 18. Juli 2026 die Produktion aller Produkte vorübergehend gestoppt haben. Wir arbeiten weiterhin mit Gesundheitsbehörden, Kunden und unabhängigen landwirtschaftlichen Partnern zusammen, um dieses Problem anzugehen“, hieß es weiter. „Laut der FDA liegen mit Stand vom 5. August 2026 keine bestätigten positiven Probenergebnisse für Produktprüfungen auf Cyclospora vor. „
Kontaminierter Salat: Tausende Erkrankte, zwei Tote nach Ausbrüchen von Cyclospora und SalmonellenTaylor Farms steht bereits unter Beobachtung. Grund sind mehrere frühere Vorfälle im Bereich Lebensmittelsicherheit. In diesem Sommer kam es zu einem Cyclospora-Ausbruch. Der Parasit ist vorwiegend für sein typisches Symptom bekannt: explosiven Durchfall. Die U.S. Food and Drug Administration (FDA) brachte den Ausbruch durch Rückverfolgungsuntersuchungen mit zerkleinertem Eisbergsalat von Taylor Farms in Verbindung. Laut den aktuellsten Daten der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) erkrankten dadurch mindestens 6358 Menschen in 15 Bundesstaaten. Zwei Menschen in Michigan starben nach einer Infektion mit dem Parasiten. Hunderte weitere mussten im Krankenhaus behandelt werden.
Unabhängig davon führte ein Salmonellenausbruch, der mit frischen Jalapeño-Schoten in Verbindung stand, zu einem freiwilligen Rückruf zahlreicher Produkte von Taylor Farms wie Guacamole und Salsa. Die Muttergesellschaft von Taylor Farms, Taylor Fresh Foods, erklärte jedoch, sie sei „nicht über gemeldete Erkrankungen im Zusammenhang mit Produkten, die Jalapeños enthalten, informiert“. Die Ausbrüche haben neue Fragen zu den Lebensmittelsicherheitspraktiken in Lieferketten für frische Produkte aufgeworfen.
Die Vorfälle hallen in der gesamten Gastronomiebranche nach, nicht zuletzt wegen der enormen Reichweite von Taylor Farms. Das in Kalifornien gegründete Unternehmen gehört zu den größten Frischwarenproduzenten in Nordamerika und beliefert Supermärkte, Restaurants, Gastronomie-Großhändler und große Restaurantketten in den gesamten Vereinigten Staaten. Aufgrund dieses Umfangs ist der Konzern für viele Betriebe, die das ganze Jahr über verlässlich große Mengen an frischer Ware benötigen, ein entscheidender Zulieferer.
Zusammenarbeit fortführen oder neue Zulieferer suchen? Kleine Betriebe zwischen Abhängigkeit und RisikoFür kleinere Betreiber kann diese Dominanz jedoch erhebliche Herausforderungen mit sich bringen, sobald Bedenken hinsichtlich der Lebensmittelsicherheit aufkommen. Gera sagte, die Sorgen hätten sich in den vergangenen Monaten verstärkt, als immer wieder Rückrufe von Produkten bekannt wurden, die mit Taylor Farms in Verbindung standen. Sein Unternehmen, das sich auf Barbecue nach Carolina-Art, Hochzeitscatering, Foodtrucks und Großveranstaltungen an der US-Ostküste bis hin nach Chicago spezialisiert hat, war bereits von Römersalat von Taylor Farms abgerückt, nachdem der Cyclospora-Ausbruch Sorge bereitet hatte.
Keystone ‘Cue begann daraufhin, Salat von einem kleineren Hof im Osten Ohios zu beziehen, kaufte aber weiterhin Jalapeños von Taylor Farms. Als dann Rückrufe von verarbeiteten Produkten mit Jalapeños bekannt wurden, entsorgte Keystone ‘Cue seinen Lagerbestand und bestellte eine frische Lieferung nach. Kurz darauf führte ein weiterer Rückruf, der Jalapeños aus einer Taylor-Farms-Anlage in Mexiko betraf, dazu, dass das Unternehmen erneut Ware wegwerfen musste.
Unterm Strich, so Gera, habe er Tausende von Schoten verloren. Keystone ‘Cue bestellte wöchentlich fünf bis sechs Kisten Jalapeños von Taylor Farms, mit jeweils rund 400 Schoten pro Kiste. An diesem Punkt nahm Gera Kontakt mit seinem Ansprechpartner bei Taylor Farms auf und teilte mit, dass er keine weiteren Produkte mehr ordern werde. Er bezeichnete die Rückrufe als eine „ernste Haftungsfrage“ für ein Unternehmen, das stolz darauf ist, frische Lebensmittel zu servieren.
Ab wann wird in Deutschland zurückgerufen?Wenn ein Lebensmittel zu einer Gesundheitsgefährdung führen kann, kommt es in Deutschland zu einem Rückruf. Das betroffene Produkt wird meist von dem Hersteller selbst zurückgerufen. Hierzu ist er nach dem Produktsicherheitsgesetz verpflichtet, wenn ihm eine Gefahr auffällt. Auf dem Online-Portal lebensmittelwarnung.de veröffentlichen die Länder und der Bund Rückrufe. Wenn der Hersteller nicht zurückruft, werden die Verbraucher von der Behörde informiert.
Die Rücknahme von Produkten aus dem Lebensmittelbereich ist nur verpflichtend, wenn diese nicht zum Verzehr geeignet sind oder eine Schädigung der Gesundheit durch sie entstehen kann. Bei reinen Qualitätsmängeln ist es also reiner Kundenservice, wenn das Produkt zurückgegeben werden kann. Zu Rücknahmen kommt es häufig auch, ohne dass die Öffentlichkeit davon erfährt. Wenn ein Unternehmen vor dem Verkaufsstart eines Produktes Mängel feststellt, können sie das betroffene Produkt aus dem Handel zurückziehen. So umgehen sie einen Verlust ihres Images.
„Hört sofort auf“: Vertrauensverlust in Produktsicherheit führt zu drastischen Schritten„Der Gedanke, dass jemand mein Essen isst und sich fragen muss, ob er krank wird, ist inakzeptabel“, sagte Gera. Das Restaurant gab am Dienstag bekannt, dass es alle Verbindungen zu Taylor Farms kappen werde. Für Gera ist dieser Schritt Ausdruck eines tiefgreifenden Vertrauensverlustes in den bisherigen Lieferanten und dessen Qualitätssicherung.
„Wir bei Keystone Cue haben alle Verbindungen zu Taylor Farms als Lieferanten gekappt“, hieß es in der Ankündigung. „Wir haben noch eines ihrer Produkte, Jalapeños, verwendet, werden das aber nicht länger tun. Das Risiko ist zu groß. Ich fordere jedes Restaurant und jeden Lebensmittelanbieter, der sie noch nutzt, auf: Hört auf. Und hört sofort auf.“
Nach Angaben Geras beliefen sich die direkten Kosten für weggeworfene Lebensmittel auf rund 4500 Dollar (3900 Euro). Rechne man Rückerstattungen und umgebuchte Veranstaltungen hinzu, schätze er den finanziellen Gesamtschaden auf etwa 21.000 Dollar (18.100 Euro). Von Taylor Farms habe es bislang keine Nachricht über eine mögliche Erstattung gegeben, sagte Gera.
Zentrale Zutaten und ein WinterdilemmaDie Zutaten, um die sich der Konflikt dreht, sind zugleich wesentlich für einige der meistverkauften Speisen von Keystone ‘Cue. Gera sagte, frische Jalapeños kämen sowohl im Maisbrot als auch in der Jalapeño-Wurst des Restaurants zum Einsatz, zwei Gerichte, die konstant starke Umsätze generieren. In den Sommer- und Frühherbstmonaten sei es oft möglich, die Schoten von lokalen Höfen zu beziehen, doch der Winter stelle eine völlig andere Herausforderung dar.
„Saisonale Lebensmittel wie Jalapeños müssen in den Wintermonaten aus Mexiko kommen“, sagte er. „Sie ohne einen großen Lieferanten aus Mexiko zu bekommen, ist nahezu unmöglich. Wenn wir sie nicht selbst anbauen, wissen wir nicht, was wir tun sollen.“ Diese Abhängigkeit von importierter Ware zwingt das Unternehmen, seine Prioritäten zwischen Angebotsvielfalt und Sicherheit neu zu ordnen.
„Sehr, sehr schwierig“ dem Konzern zu entkommenTrotz seines Ärgers sagte Gera, es sei viel leichter gesagt als getan, Taylor Farms vollständig zu meiden, und es sei „sehr, sehr schwierig“, sich seinem Einfluss zu entziehen. Selbst Restaurants, die versuchen, Taylor Farms zu umgehen, könnten über große Distributoren indirekt dennoch mit Produkten des Unternehmens in Berührung kommen, ohne es immer genau zu wissen.
„Große industrielle Lieferanten wie dieser sind fast unvermeidlich, besonders wenn man in mehreren Bundesstaaten tätig ist oder große Veranstaltungen bedient“, sagte Gera. „Man kann ihnen wirklich nicht entkommen.“ Er rief Restaurants dazu auf, wo immer möglich nach alternativen Lieferanten zu suchen. „Ich würde sagen: Wenn ihr irgendeine Möglichkeit habt, nicht mit deren Produkten oder Tochterfirmen zu arbeiten, dann lasst es.“
Für Betriebe, die Produkte von Taylor Farms nicht vollständig vermeiden können, empfiehlt er zusätzliche Schutzmaßnahmen. „Besorgt euch ein Salmonellen-Testkit und bewahrt es in der Küche auf. Testet alles, was in euren Laden kommt. Ruft euren Gesundheitsinspektor an. Lasst ihn kommen und es testen.“ Er ist überzeugt, dass derartige Vorkehrungen dazu beitragen können, Risiken zu reduzieren, solange keine grundlegenden Veränderungen in den Lieferketten stattfinden. „Der einzige Weg, wie wir das ändern werden, ist ein massenmarktorientierter Ansatz. Restaurantbesitzer, Gäste und Kunden haben es satt. Auf die Lebensmittelqualität, auf die wir uns früher normalerweise verlassen konnten, können wir uns im Moment nicht verlassen. Und das ist beängstigend.“
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