Nach 103 Tagen sind die Eisbären Berlin wieder auf dem Eis. Beim öffentlichen Training in Hohenschönhausen feiern die Fans ihre Mannschaft und hoffen auf Historisches.
Am Freitagnachmittag hatten es die Fans der Eisbären Berlin ausgesprochen gut. Während sich viele Menschen in der überhitzten Stadt einen schattigen Flecken suchen mussten, um sich etwas abzukühlen, fanden sie im Wellblechpalast Hohenschönhausen zwar kein eisiges, aber doch ein ziemlich erträgliches Plätzchen.
103 Tage, nachdem die Berliner ihren zwölften Titel gewonnen hatten, ist der kurze Eishockeysommer nun schon wieder vorbei. Für einige fühlte er sich viel zu lange an.
„Man denkt sich: Ach, wann ist der Sommer endlich vorbei und wann kommen die Jungs endlich wieder“, sagte etwa Monika, die zusammen mit ihrer Freundin Simone zu den rund 2000 Fans gehörte, die ins Sportforum Hohenschönhausen gekommen sind, um beim ersten öffentlichen Training der neuen Saison dabei zu sein.
Wie groß die Vorfreude war, zeigte sich an der Schlange, die sich schon lange vor dem offiziellen Einlass gebildet hatte. Auch am Merchandise-Stand war ordentlich was los. Angesichts der Temperaturen über 30 Grad kam es zu schwitzigen Umarmungen.

© Klara Burchart
Die Wade eines Fans, der sich kürzlich den zwölften Titel als Tattoo hat stechen lassen, zog einige Blicke auf sich. „Das sieht echt mega aus“, sagte ein anderer Fan, den er bis dahin nicht kannte. Der wollte das Tattoo unbedingt mit dem Handy festhalten.
Monika, die mit ihrer Freundin Simone schon früh auf den Platz vor dem Eisstadion gekommen war, genoss einmal mehr dieses besondere Event. „Ich finde es besonders schön, dass die Saisoneröffnung hier stattfindet und nicht in der Uber Arena. Das Zuhause der Eisbären ist hier.“
Ihr Vater habe sie schon hierher mitgenommen, als das Eisstadion noch nicht sein charakteristisches Dach hatte – dieses wurde 1964 montiert. Fan sei sie seit über 50 Jahren. Dass Menschen aus so vielen Generationen – von Kindern bis zu Fans, die die Eisbären seit einer gefühlten Ewigkeit unterstützen – gemeinsam die neue Saison einläuten, genießt sie sichtlich.
Als amtierender Meister haben die Eisbären in den vergangenen sechs Spielzeiten fünfmal den Titel geholt. Entsprechend sind viele Fans optimistisch, dass nun Meisterschaft 13 folgt. Aber bislang ist es noch nie einem Team in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gelungen, viermal hintereinander zu triumphieren.
Trainer Éric Dubois muss seinen Stil entwickelnÉric Dubois, der als Trainer die Nachfolge von Serge Aubin angetreten hat, versicherte noch auf dem Eis, dass sein Team alles tun werde, um dieses Ziel zu erreichen. Zugleich weiß er natürlich, dass er eine große Bürde trägt: Schließlich sollen die Spieler für seinen Vorgänger Aubin bereit gewesen sein, durchs Feuer zu gehen.
Für den Kanadier, der erstmals Cheftrainer eines Profiteams ist, wird es ein Spagat: Als neuer Anführer muss er eigene Akzente setzen, darf ein über Jahre gewachsenes und erfolgreiches Ensemble aber nicht gänzlich verändern. „Ich werde bei einem Team, das so viele Erfolge hatte, nicht allzu viel umstellen. Ein paar Anpassungen werden mit der Zeit erfolgen“, sagte Dubois.
Den ersten intensiven Kontakt mit den Fans genoss er sichtlich. „Das war ein sehr schönes Erlebnis“, sagte der Trainer. Bereits vor zwei Jahren hatte er beim Development Camp einen Vorgeschmack auf die besondere Energie in Berlin bekommen.

© Klara Burchart
Die Anhängerinnen und Anhänger, die bei diesem ersten Training dabei waren, werden mit Sicherheit alles tun, um das Team über die ganze Spielzeit hinweg zu unterstützen. „Es wird interessant“, sagt Kimy. „Neu heißt ja nicht unbedingt schlecht.“
Und das ist nicht nur auf den Trainer bezogen. Jack LaFontaine und Jonas Neffin müssen sich als neues Torwartgespann finden und einspielen. Kimys Freundin Mila macht das besonders traurig. Jake Hildebrand war zuletzt ihr Lieblingsspieler. Der Torhüter ist aber ausgerechnet zu den Adlern aus Mannheim, dem Erzrivalen der Eisbären, gewechselt.
Auch Roland gibt sich angesichts der Veränderungen noch zurückhaltend. „Man muss erst mal abwarten, wie die neuen Spieler einschlagen“, sagt er. „Viele kennt man nicht, die jetzt neu dazugekommen sind.“ Natürlich hoffe er, Titel Nummer 13 zu schaffen. „Aber wenn’s nicht sein soll, ist das so.“
Bis zur nächsten Titelentscheidung ist es noch weit. Erst einmal ist die Eisbärenfamilie froh, wieder beisammen zu sein – und erleichtert darüber, dass der Eishockeysommer endlich vorbei ist, auch wenn sich die Temperaturen ganz anders anfühlen.
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