Anne Hathaway zeigte ihren Babybauch auf dem Roten Teppich – das Netz rastete aus. Dabei haben schon Demi Moore und Rihanna den Schwangerschaftslook geprägt.
Es war ein Outfit, über das man eigentlich nicht lange reden müsste. Anne Hathaway erschien zur Premiere ihres Films „The End of Oak Street“ in der amerikanischen Filmstadt Burbank in einem zartblauen Oberteil mit langer Schleppe von Designer Prabal Gurung.
Dazu trug Hathaway tief sitzende Jeans von La Ligne; der untere Teil ihres Bauches war sichtbar – und das während ihrer Schwangerschaft. Auch im Jahr 2026 ist das offenbar genug, um das Internet hochgradig zu irritieren – dieser Bauch sehe nach Fake aus, so die weitverbreitete Meinung in den Kommentaren zu Hathaways Instagram-Post. Eine gute Erinnerung daran, dass es immer noch ungewöhnlich ist, wenn schwangere Frauen ihre „anderen Umstände“ offen zur Schau stellen. Dabei gibt es Präzedenzfälle.
Anne Hathaway in einem maßgefertigten Atelier-Prabal-Gurung-Look, gestylt von Erin Walsh, bei der Weltpremiere von „The End of Oak Street“
© IMAGO/Image Press Agency
Rihanna trug während ihrer Schwangerschaften exakt das, was sie auch sonst getragen hätte: Spitzenbodys, Korsetts, Crop-Tops, Miniröcke. Der Bauch war mittendrin, selbstverständlich und unkommentiert.
Das war keine Ansage an andere schwangere Frauen – sondern eine persönliche Entscheidung, die etwas in Gang setzte. Vielmehr machte es klar: Es gibt nicht die eine richtige Art, sich in der Schwangerschaft zu kleiden. Wer sich im weiten Umstandskleid wohlfühlt, trägt es. Wer lieber zum Crop-Top greift und sich als schwangere Frau mal sexy fühlen möchte, kann das auch tun.
Andere Celebritys taten es ihr gleich: Adriana Lima erschien 2022 bei den Filmfestspielen in Cannes in einem Kleid mit einem Ausschnitt, der den Bauch bewusst einrahmte. Ciara schmückte ihren Bauch 2023 bei der Premiere von „The Color Purple“ mit Goldfolie.
Sienna Miller zeigte sich im selben Jahr auf dem alljährlichen Vogue World Event in einem Schiaparelli-Zweiteiler – den nackten Bauch selbstverständlich entblößt.
Adriana Lima in einem Balmain-Kleid bei der Premiere von „Top Gun: Maverick“ beim Filmfestival Cannes im Mai 2022
© IMAGO
Doch bevor es Rihanna und Co. gab, gab es Demi Moore. Als erste Frau überhaupt zierte sie 1991 – von Annie Leibovitz im siebten Monat hochschwanger inszeniert – die Titelseite der Vanity Fair. Ein Wendepunkt, der die gesellschaftliche Wahrnehmung der Schwangerschaft für immer veränderte.
Was im August 1991 noch einen lautstarken Skandal auslöste, entpuppte sich als nachhaltiger Befreiungsschlag: Es verwandelte den Babybauch von etwas, das man ehrfürchtig verhüllte, schlagartig in ein selbstbewusstes Symbol für feminine Stärke.
Dieser kulturelle Wandel schlägt sich in konkreten Daten nieder. Laut der Modeplattform Lyst sind Suchanfragen nach Umstandskleidung um bis zu 45 Prozent gesunken, Schwangerschaften allerdings nicht. Ein Indiz dafür, dass schwangere Frauen nicht mehr zwingend nach spezieller Mode suchen, sondern nach gewöhnlicher Mode, die sie auch während der Schwangerschaft tragen können.
Nirgendwo war dieser Wandel zuletzt so sichtbar wie auf der Copenhagen Fashion Week. Schwangere Models liefen über die Laufstege, schwangere Gäste saßen in der Front Row – alle setzten ihren Bauch stilvoll in Szene. Die Mode: für alle Anlässe geeignet.
Opéra Sport Show bei der Copenhagen Fashion Week, Anfang August: der Babybauch als selbstbewusstes Statement
© James Cochrane
Als Eindruck drängte sich beinahe auf: Der Babybauch war das angesagteste Accessoire des Moments. Oder besser gesagt: Der schwangere Körper gehört in die Öffentlichkeit – wenn eine Schwangere das denn möchte.
All diese Beispiele bedeuten nicht, dass Umstandskleidung ausgedient hat. Es bedeutet, dass jede Frau heute selbst entscheiden kann, worin sie sich wohlfühlt – im weiten Kleid genauso wie im Crop-Top. Genau das ist der Fortschritt. Und was Anne Hathaways Auftritt zeigt: Erkämpft ist diese Freiheit, selbstverständlich ist sie noch nicht.
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