75 Prozent der selbstständigen Handwerkerinnen berichten von erheblichen Einkommenseinbußen rund um die Geburt. Gesetzlichen Mutterschutz genießen sie dabei nicht. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur will das ändern – und macht einen Vorschlag.
NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (links) und die Tischlermeisterin Johanna Röh, die sich für den Mutterschutz für Selbstständige einsetzt.
Foto: David GrzeschikBerlin · 75 Prozent der selbstständigen Handwerkerinnen berichten von erheblichen Einkommenseinbußen rund um die Geburt. Gesetzlichen Mutterschutz genießen sie dabei nicht. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur will das ändern – und macht einen Vorschlag.
NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) dringt auf einen Mutterschutz für Frauen in der Selbstständigkeit. „Selbstständige Mütter halten jeden Tag Betriebe am Laufen, sichern Arbeitsplätze, tragen Verantwortung. Und dann werden sie schwanger und fallen durchs Netz“, sagte die Grünen-Politikerin am Montag in Berlin. Schwangerschaft dürfe „kein Berufsrisiko sein“, mahnte Neubaur.
Laut Wirtschaftsministerium treibt Schwangerschaft jedes Jahr rund 27.000 selbstständige Frauen in Deutschland in finanzielle Nöte. Ergebnisse, die im Rahmen einer Machbarkeitsstudie erhoben wurden, zeigen, dass jede zweite Schwangere bis sieben Tage vor der Geburt arbeitet. Die Studie wurde vom NRW-Wirtschaftsministerium gefördert und vom Westdeutschen Handwerkskammertag (WHKT) in Kooperation mit dem Institut für Mittelstandsforschung Bonn durchgeführt. Aus ihr geht außerdem hervor, dass jede Zweite innerhalb von vier Wochen nach der Geburt in den Betrieb zurückkehrt. 75 Prozent der Handwerkerinnen berichten von Einkommenseinbußen rund um die Geburt von im Schnitt 47 Prozent.
Schwangerschaft und Selbstständigkeit für Frauen schwer vereinbar
Das neue „WHKT-Modell“ soll Abhilfe schaffen. Der Vorschlag sieht eine Kombination aus drei Bausteinen vor: Neben einer allgemeinen Basisleistung für alle schwangeren Selbstständigen in Höhe von einmalig 5000 Euro sieht das Modell auch optionale Ergänzungen zur persönlichen Absicherung vor. Als dritter Baustein ist eine optionale finanzielle Betriebsunterstützung vorgesehen, mit der zum Beispiel die Bezahlung einer Ersatzkraft gefördert werden soll.
Wie das Modell finanziert werden soll
Der geschätzte finanzielle Aufwand für die persönliche Absicherung betrage zwischen 135 und 190 Millionen Euro. Für die Betriebsunterstützung kämen noch einmal 135 Millionen Euro hinzu. Die Finanzierung könnte entweder über eine solidarische Umlage aller Selbstständigen oder über Steuern sichergestellt werden, schlagen die Autorinnen vor. Ziele seien ein fairer finanzieller Ausgleich bei schwankendem Einkommen, ausreichend Flexibilität sowie eine bürokratiearme Ausgestaltung.
Wirtschaftsministerin Neubaur betonte, sie werde sich für das Modell einsetzen und den Vorschlag auch gegenüber der Bundesregierung vertreten.
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