80 Piloten aus 22 Nationen treten bei der Segelflug-Weltmeisterschaft der Junioren an. Wie der Wettkampf organisiert ist, erklärt Hans-Peter Mayer vom Lufsportring Aalen.
Stand: 04.08.2026, 16:56 Uhr
Von: Tim Abramowski

80 Piloten aus 22 Nationen treten bei der Segelflug-Weltmeisterschaft der Junioren an. Wie der Wettkampf organisiert ist, erklärt Hans-Peter Mayer vom Lufsportring Aalen.
Neresheim-Elchingen. Für den Luftsportring Aalen sind es Tage, auf die viele Helfer jahrelang hingearbeitet haben. Seit Montag ist der Flugplatz Elchingen Schauplatz der Junioren-Weltmeisterschaft im Segelflug. Bis zum 14. August kämpfen rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 22 Nationen in der Club- und Standardklasse um die Weltmeistertitel. Kurz vor dem Start der WM trafen sich alle Teilnehmer zur Eröffnungsfeier in Aalen.
Für den ausrichtenden Verein ist es eines der größten Ereignisse seiner Geschichte. „Dass wir den Zuschlag bekommen haben, ist schon etwas Besonderes“, sagt Mitorganisator Hans-Peter Mayer. Der Luftsportring musste sich mit einer umfangreichen Bewerbung beim internationalen Luftsportverband FAI gegen andere Bewerber durchsetzen. „Am Ende waren nur noch wir und ein Ausrichter aus der Slowakei übrig“, berichtet Mayer. Dass die Entscheidung schließlich auf Elchingen fiel, sei eine besondere Anerkennung für die Arbeit des Vereins.
So läuft ein Tag abDabei verlangt eine Weltmeisterschaft den Organisatoren jeden Tag aufs Neue einiges ab. Schon am Morgen werden die Flugzeuge gewogen, ehe um 10 Uhr das tägliche Briefing beginnt. Dort stellt Wettbewerbsleiter Bernd Schmid gemeinsam mit seinem Team die Tagesaufgabe vor.
Anschließend erläutern Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes die Wetterentwicklung und geben ihre Einschätzung zu den zu erwartenden Bedingungen ab. Wann die ersten Maschinen tatsächlich starten, entscheidet jedoch nicht der Zeitplan. „Je nachdem, wie sich die Thermik entwickelt, legen wir die Startbereitschaft fest“, erklärt Mayer. Die Thermik – also aufsteigende, von der Sonne erwärmte Luft – liefert den Segelflugzeugen den notwendigen Auftrieb. Erst wenn die Bedingungen passen, geht es los.
Im Minutentakt in die HöheDann verwandelt sich der Flugplatz innerhalb weniger Minuten in eine hochkonzentrierte Wettkampfarena. Motorflugzeuge schleppen die Segelflugzeuge im Minutentakt in die Höhe. „Wenn es losgeht, herrscht hier richtig Action“, beschreibt Mayer das Geschehen. Wenig später verteilen sich die Pilotinnen und Piloten über weite Teile Süddeutschlands.
Herausforderung beginnt in der LuftDie eigentliche Herausforderung beginnt allerdings erst in der Luft. Täglich erhalten die Teilnehmer neue Aufgaben, die sich nach Wetter und Thermik richten. Mal müssen exakt festgelegte Wendepunkte angeflogen werden, mal große Bereiche möglichst geschickt genutzt werden. Position, Höhe und Geschwindigkeit werden dabei sekündlich aufgezeichnet und anschließend ausgewertet. „Die Kunst ist, abzuschätzen, wie weit man fliegen kann, damit man zur richtigen Zeit wieder zurück ist“, sagt Mayer. Neben fliegerischem Können sind deshalb vor allem taktisches Geschick und ein gutes Gespür für die Wetterentwicklung gefragt.
Ausgeglichenes FeldBesonders spannend macht die Titelkämpfe die Ausgeglichenheit des Teilnehmerfeldes. Im Gegensatz zu den Senioren sind klare Favoriten kaum auszumachen. Zwar zählen Deutschland, Frankreich oder Tschechien traditionell zu den starken Segelflug-Nationen, doch gerade im Nachwuchsbereich sorgen immer wieder neue Gesichter für Überraschungen. „Da kann jederzeit jemand auftauchen, den vorher kaum jemand auf dem Schirm hatte“, sagt Mayer.
++Lesen Sie auch: So verlief der Auftakt der Segelflug-WM in Elchingen.
Auch die beiden Wettbewerbsklassen unterscheiden sich. In der Standardklasse fliegen moderne Segelflugzeuge mit einer Spannweite von 15 Metern gegeneinander. In der Clubklasse kommen dagegen teilweise Maschinen zum Einsatz, die bereits 30 oder sogar 40 Jahre alt sind. Damit trotzdem Chancengleichheit herrscht, werden die unterschiedlichen Leistungsfähigkeiten der Flugzeuge über ein Handicap-System ausgeglichen.
Anspruchsvoller AuftaktWie anspruchsvoll die Bedingungen schon am ersten Wettkampftag waren, erlebte der 21-jährige Schweizer Leon Blum. Lange hätten die Pilotinnen und Piloten vor der Startlinie auf den richtigen Moment gewartet. „Wir sind viel zu spät abgeflogen. Dann kamen Schauer und das Wetter wurde sehr mühsam“, berichtet Blum. Viel Zeit habe er dadurch verloren. Für die nächsten Aufgaben zieht er daraus seine Lehren: „Vielleicht müssen wir die Pokerspiele etwas früher beenden und eher losfliegen.“
Noch bis zum 14. August wird sich damit jeden Tag aufs Neue entscheiden, wer die Thermik am besten liest, die klügsten Entscheidungen trifft und am Ende in Elchingen den Titel des Junioren-Weltmeisters feiern darf. Am Ende wird nicht der Mutigste Weltmeister, sondern derjenige, der Thermik, Wetter und Taktik am besten miteinander verbindet.
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