Exklusive Einblicke: Wie Transfers im Amateur- und Regionalliga-Fußball ablaufen – Sportchefs aus Aalen, Essingen und Waldstetten berichten.
Stand: 29.07.2026, 18:30 Uhr
Von: Max Wanner

Exklusive Einblicke: Wie Transfers im Amateur- und Regionalliga-Fußball ablaufen – Sportchefs aus Aalen, Essingen und Waldstetten berichten.
Aalen. Transfers sind das Salz in der Suppe des Fußballs. Doch wie kommt ein Spieler eigentlich vom „Zettel“ eines Vereins bis zur Vertragsunterschrift? Wir haben bei drei sportlichen Entscheidern nachgefragt: Marc Elser (VfR Aalen, Regionalliga), Lars Eisenmann (TSV Essingen, Oberliga) und Lukas Hartmann (TSGV Waldstetten, Landesliga) geben seltene Einblicke in ihre Arbeit.
Alles beginnt mit dem ProfilAm Anfang steht immer die Frage: Wo müssen wir uns verstärken? „Man schaut sich die Positionsprofile an, welche benötigt werden“, erklärt Marc Elser vom VfR Aalen. „Dann beginnt das Auswahlverfahren. Man sondiert den Markt, erstellt Listen, wer passen könnte – sei es durch Erfahrungswerte, das eigene Netzwerk oder auch durch Berater.“
In Essingen läuft es ähnlich, wie Lars Eisenmann betont: „Wir gucken uns an, welche Verträge auslaufen, wen wir verlängern und auf welchen Positionen wir gezielt suchen. Wichtig ist, dass wir Spieler mit unterschiedlichen Attributen haben – nicht zehnmal denselben Typ.“
Auch in der Landesliga Waldstetten wird langfristig gesichtet. „Es gibt Spieler, die stehen schon mehrere Jahre auf unserem Zettel. Manchmal klappt es erst im zweiten oder dritten Anlauf“, berichtet Lukas Hartmann.
Scouting: Netzwerk schlägt ZufallDas Scouting läuft auf vielen Ebenen. In der Regionalliga und Oberliga setzen die Clubs auf ein dichtes Netzwerk und persönliche Beobachtungen. Eisenmann sagt: „Im Umkreis von 50, 60, 70 Kilometern kenne ich fast jeden interessanten Spieler. Oft verfolge ich Jungs über Jahre hinweg.“
In Waldstetten werden auch externe Vertrauenspersonen eingebunden. „Ehemalige Trainer oder einfach Leute, zu denen man einen guten Draht hat, schauen für uns Spiele an“, erläutert Hartmann.
Die erste KontaktaufnahmeHaben die Verantwortlichen einen Spieler im Auge, folgt der erste Schritt: das Gespräch. „Wir treten gezielt mit Spielern oder ihren Beratern in Kontakt“, so Elser. „Wichtig ist immer das persönliche Gespräch, bei dem der Trainer dabei ist. Uns ist der Charakter genauso wichtig wie das Sportliche.“
In Essingen geht Eisenmann meist direkt auf die Spieler zu: „Erst wenn klar ist, dass Interesse besteht, wird der Trainer Simon Köpf vollständig eingebunden.“ Dasselbe Bild in Waldstetten: „Wir stellen unser Konzept vor – erst wenn die Richtung stimmt, sprechen wir über andere Rahmenbedingungen“, so Hartmann.
Berater: Fluch und SegenAb der Oberliga sind Berater Alltag. „Mittlerweile laufen 80 Prozent der Gespräche über Berater“, sagt Eisenmann. Das kann den direkten Draht zum Spieler erschweren: „Klar gibt es Spieler, die sich hinter ihrem Berater verstecken. Aber man merkt im Gespräch schnell, wie der Kamerad tickt.“
In der Landesliga ist das noch anders. „Es kommt ganz selten vor, dass wir mit Beratern sprechen. Die meisten Spieler vertreten sich selbst“, berichtet Hartmann. „Uns ist wichtig, dass die Jungs den Verein und die Menschen dahinter kennenlernen.“
Wenn das Bauchgefühl nicht stimmtNicht jedes Gespräch führt zum Erfolg. „Wenn wir das Gefühl haben, der Spieler passt charakterlich nicht in die Kabine, lassen wir es bleiben“, sagt Elser. Auch zu hohe finanzielle Forderungen können Gespräche scheitern lassen.
Wie viele Gespräche braucht ein Transfer?Der Weg bis zur Unterschrift ist oft lang. Eisenmann bringt es auf den Punkt: „Wahrscheinlich musst du 20 Leute ansprechen und dreimal sprechen, damit du am Ende drei Spieler bekommst.“
Hartmann bestätigt: „Für fünf Spieler führen wir mindestens 20 Gespräche. Viele Transfers sind das Ergebnis jahrelanger Bemühungen.“
Erst das Sportliche, dann das GeldFinanzielles wird überall erst zum Schluss verhandelt. „Erst wenn sportlich alles passt, sprechen wir über Zahlen“, sagt Elser. In Essingen wird der finanzielle Rahmen früh abgesteckt, um keine Zeit zu verschwenden: „Wenn klar ist, dass es utopisch ist, lassen wir gleich die Finger weg“, so Eisenmann.
Der Transfermarkt im Amateur- und Regionalliga-Fußball ist geprägt von persönlichem Kontakt, viel Menschenkenntnis und Geduld. „Wir haben lauter A-Lösungen verpflichtet, Jungs, die wir unbedingt haben wollten“, fasst Elser die Kunst des richtigen Transfers zusammen. Doch wie bei allem im Fußball gilt: Am Ende entscheidet oft das Bauchgefühl – und manchmal braucht es einfach einen langen Atem.
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