Eine Badeveranstaltung nur für Schwarze Menschen? Undenkbar für AfD und rechte Portale. Unsere Community ist weitgehend fassungslos über die aggressive Hetze – über die Rolle der Volksbühne wird jedoch kontrovers diskutiert.
Ein 25 Meter langes Schwimmbecken vor der Berliner Volksbühne sollte in diesem Sommer zum öffentlichen Treffpunkt werden. Das seit dem 7. August aufgebaute, kostenlose „Volksbad“ wird bis Anfang Oktober auch von Vereinen und Initiativen genutzt. Für Freitag war ein Zeitfenster für den Verein Each One Teach One (EOTO) vorgesehen – insbesondere für Schwarze Kinder und Jugendliche. Einige Stunden lang sollte das Becken der Schwarzen Community vorbehalten sein.
Was als geschützter Raum für Menschen gedacht war, die im Alltag und in Schwimmbädern Rassismus erleben, wurde von rechten Medien und AfD-Politikern zum vermeintlichen Skandal erklärt. „Nius“ sprach von einem „Elite-Pool“ und behauptete, weiße Menschen würden ausgeschlossen. Weitere Medien und Politiker griffen diese Darstellung auf. Die Volksbühne änderte ihre Ankündigung und sprach von einer Reservierung für EOTO. Doch die Kampagne setzte sich fort: Der Verein erhielt nach eigenen Angaben rassistische Droh-E-Mails, Gewaltandrohungen und diskriminierende Kommentare.

© Julia Zimmermann
Aus Sicherheitsgründen sagten EOTO und Volksbühne die Veranstaltung schließlich ab. Zurück bleibt die Frage, wie aus einem zeitlich begrenzten Angebot eine aufgeheizte Debatte werden konnte – und welche Verantwortung Medien und Politik daran tragen.
Die Tagesspiegel-Community reagiert überwiegend empört auf die aggressive und rassistische Kampagne rechter Portale und Parteien. Viele halten die Empörung von AfD und rechten Portalen für zynisch oder schlicht grotesk und sehen in dem Badetag einen zeitlich begrenzten Schutzraum für Schwarze Kinder und Jugendliche. Zugleich kritisieren einige die ungeschickte Kommunikation der Volksbühne und halten die Absage trotz allem für nachvollziehbar.
In den Kommentaren gab es allerdings auch Stimmen, die sich durch das geplante Angebot ausgeschlossen fühlten, darin einen Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgebot sahen oder sogar das Grundgesetz in Gefahr wähnten. Einige Nutzerinnen und Nutzer übernahmen dabei rassistische Narrative und machten der Schwarzen Community selbst den Vorwurf der Diskriminierung. Solche Kommentare haben wir nicht veröffentlicht.
Lesen Sie hier eine redaktionelle Auswahl aus der Tagesspiegel-Community:
Diogenes
Ich würde mir wünschen, dass sich in einer solchen Situation alle Demokratinnen und Demokraten gegen die rechten Giftmischer zusammentun und klare Kante zeigen. Nicht irgendwann, nicht erst nach langem Abwägen sondern sofort. Was hier passiert ist, sollte uns alarmieren. Eine Veranstaltung für Schwarze Kinder und Jugendliche wird nach einer tagelangen Kampagne rechter Medien und der rechtsextremen AfD schließlich aus Sicherheitsgründen abgesagt. Genau in solchen Momenten braucht es maximale Solidarität.
Warum gelingt es nicht, in einem solchen Moment sofort und unmissverständlich zu erkennen, woher die Eskalation kommt und wem die Solidarität gelten muss?
Tagesspiegel-Nutzer Diogenes
Die Volksbühne und die Betroffenen verdienen jetzt jeden Tag volle Aufmerksamkeit und Unterstützung und zwar ausdrücklich auch vom Reg. Bürgermeister und von der gesamten demokratischen Stadtgesellschaft. Auch der erste Reflex von Evers ist für mich bezeichnend. Was ist nur mit der CDU los? Was ist mit Wegner los? Warum gelingt es nicht, in einem solchen Moment sofort und unmissverständlich zu erkennen, woher die Eskalation kommt und wem die Solidarität gelten muss?
Man kann über ein Veranstaltungskonzept diskutieren und es auch kritisieren. Aber spätestens wenn aus einer gezielten Kampagne Drohungen entstehen und eine Veranstaltung für Kinder aus Sicherheitsgründen abgesagt werden muss, darf es kein Herumlavieren mehr geben. Dann zählt jedes noch so kleine Zeichen der Solidarität.
Stattdessen entsteht wieder der Eindruck, die CDU müsse erst abwägen, während Rechtsextreme und rechte Kampagnenmacher längst die nächste Runde bestimmen. So lässt man sich von ihnen durch die Manege ziehen. Demokratische Parteien dürfen rechten Kulturkämpfern nicht hinterherlaufen. Sie müssen ihnen entgegentreten. Gemeinsam, sichtbar und ohne Wenn und Aber. Volle Solidarität mit der Volksbühne, EOTO und vor allem mit den Kindern und Jugendlichen, die am Ende die Leidtragenden dieser Eskalation sind.
LinaSina
Warum ist es so schwer zu verstehen, dass Schwarze Menschen bestimmte Räume und Orte brauchen, die Sicherheit bieten, gerade im aktuellen politischen Klima? Es geht hier darum, dass Schwarze Menschen sich für 4 (!) Stunden in einem kleinen Schwimmbad einer Community oder einem Verein zugehörig fühlen können und geschützt sind vor alltäglichem Rassismus und Mikroaggressionen. Da weiße Menschen diese Erfahrungen nicht teilen, ist es doch in Ordnung diesen Raum an einem Tag den Menschen zu überlassen, die diese Erfahrungen leider schon oft machen mussten.
RonjaB
Sicher haben die Volksbühne und auch EOTO mit Protest gerechnet. Aber sicher nicht mit diesem Ausmass an Hetze und den Drohungen - die übrigens direkt an EOTO gingen, nicht an die ungleich mächtigere Volksbühne.
Aus einer berechtigten Kritik am künstlerisch-aktivistischen Konzept gleich eine „kommunikative Mitschuld“ zu stricken, ist gefährlich. Rassistische Äußerungen und Übergriffe finden statt, weil es Menschen gibt, die so denken und handeln, deren Weltbild so aussieht. Zu glauben, die würden anders handeln oder still halten, wenn man sie nicht provoziert, ist naiv. Oder vorauseilender Gehorsam, der immer mitdenkt, was DIE daraus machen könnten.
Puschel69
Die üblichen Verdächtigen mal wieder! Wer genau hetzt gegen Safe-Spaces für schwarze Kinder und Jugendliche??? Autoritär Konservative und Rechtsextreme – wer sonst. Springer-Presse, NIUS und Compact ganz vorne dabei.
Dafür tragen NICHT People of Color die Verantwortung!
Tagesspiegel-Nutzer/in Puschel69
Und ganz vorne die Frage mit dabei: Wie soll Integration gelingen, wenn schwarze Kinder und Jugendliche unter sich bleiben? Ganz simpel zu beantworten: Integration funktioniert nicht, sonst müsste es keine Safe-Spaces geben. Und dafür tragen NICHT People of Color die Verantwortung!
Friedrich66
Ohne die Skandalisierung blaubrauner Influencer und Hetzmedien wäre diese Aktion kaum jemandem aufgefallen. Als alter weißer Mann fühle ich mich NICHT diskriminiert.
Schlaubi_Schlumpf
Als Berliner schäme ich mich zutiefst, dass ausgerechnet unsere Stadt vor der rechten Agitation so schändlich eingeknickt ist! Das hätte nicht passieren dürfen! Stattdessen hätte sich unsere Stadtregierung sofort und deutlich hinter EOTO und die Volksbühne stellen und jede erforderliche Unterstützung, bspw. in Form von weitreichender Absicherung, anbieten müssen.
...niemand will Kinder einer solchen Gefahr aussetzen
Tagesspiegel-Nutzer Schlaubi_Schlumpf
Ohne diese Unterstützung war das Risiko aber in der Tat zu hoch und ich kann die Absage durchaus nachvollziehen, niemand will Kinder einer solchen Gefahr aussetzen. Dabei ist es völlig normal, dass Freizeit- und Kultureinrichtungen immer wieder exklusiv von Gruppen / Firmen / Vereinigungen angemietet und in der Zeit halt nicht von jemand anders genutzt werden können. Wer darin eine Diskriminierung sieht, hat das Prinzip dahinter schlicht nicht verstanden.“
Crossoverhill
Die fast quälende Ungeschicklichkeit der Volksbühne in der Kommunikation ihres Vorhabens mit EOTO e.V. darf keine Rechtfertigung oder Begründung dafür sein, dass die rechte Kampffront derartig brutal und offen ihren Rassismus zur Schau trägt und die Menschen gegen das projektierte Vergnügen von Kindern aufhetzt, die in normalen Freibädern immer wieder angegriffen werden.
...eine Kampfansage an den Humanismus und den inneren Frieden des ganzen Landes
Tagesspiegel-Nutzer Crossoverhill
Das ist eine Schande für das „weltoffene“ Berlin und eine Kampfansage an den Humanismus und den inneren Frieden des ganzen Landes. Wer das Erstarken der Nazis und ihrer rechtskonservativen Supporter aus der Mitte unserer Gesellschaft immer noch verharmlost und behauptet, dass unsere Verfassung Schlimmes verhindern wird, hat einen Vorgeschmack bekommen, was auf unser Land zukommt, wenn die AfD an die Macht kommt.
Es fängt an mit einem Kreuzchen auf dem Wahlzettel, und es wird in einem Desaster wie vor gut 80 Jahren enden. Extreme Regimes - ob links oder rechts - unterdrücken früher oder später immer das eigene Volk, um sich an der Macht halten zu können. Das war auch in unserer Gegend so, ganz in der Nähe.
Christianb
Also die meisten städtischen Bäder sind leider meistens nur für Vereine geöffnet. Warum wird es jetzt zum Politikum, wenn es eben ein Verein ist für das Empowerment schwarzer Menschen?
99% der Leute, die sich darüber beschweren, würden sowieso nicht in das Bad an der Volksbühne gehen
Tagesspiegel-Nutzer Christianb
Hat sich die Dame von der jungen Union schon beschwert, dass man im Stadtbad Mitte unter der Woche nur frühmorgens als Normalbürger schwimmen darf und sonst nur Schule und Vereine das Bad nutzen können? 99% der Leute, die sich darüber beschweren (nicht zu sehr aufregen bei der Hitze, das ist gefährlich), wohnen entweder gar nicht in Berlin oder würden sowieso nicht in das Bad an der Volksbühne gehen.
Nelia
Julian Reichelt - ein deutscher Trump? Erst lässt ihn selbst die BILD wegen seiner sexuellen Übergriffigkeit und Lügen fallen, danach bekommt er einen goldenen Handschlag und findet einen reichen Gönner, der ihm ein noch rechteres Hetzportal anvertraut. Nicht das erste Mal frage ich mich, was manche Männer so gierig und niederträchtig sein lässt und noch öfter frage ich mich, wieso es Frauen (wie die lesbische Alice Weidel oder die kinderlose Beatrix von Storch) gibt, die sich in der Gesellschaft von solch patriarchalisch auftretenden Männern auch noch wohl fühlen.
Diesen Kulturkampf auf dem Rücken von schwarzen Minderjährigen und dieses rechte Opfergetue von privilegierten weißen Menschen geht mir total gegen den Strich
Tagesspiegel-Nutzerin Nelia
Diesen Kulturkampf auf dem Rücken von schwarzen Minderjährigen, die es eh schon schwer genug haben in dieser Gesellschaft, und dieses rechte Opfergetue von privilegierten weißen Menschen geht mir total gegen den Strich. In dem ersten wurde das Kunstprojekt als „Elite-Pool“ der „Kultur-Schickeria“ bezeichnet – obgleich der Eintritt zu dem Schwimmbecken kostenlos ist. Das Schlimme an dieser neurechten Elite ist, das sie genau weiß, was sie tut: Sie sammelt das Geld von überreichen Menschen ein, um damit gegen Minderheiten zu hetzen und die moralisch und geistig Zurückgebliebenen der eigenen Community zu beeindrucken.
Hannah Arendt hat dieses Phänomen seinerzeit in ihrem Totalitarismusbuch als „zeitweiliges Bündnis zwischen Elite und Mob“ bezeichnet und wollte damit den Aufstieg der NSDAP erklären. Es funktioniert auch heute wieder, trotz des moralischen und humanitären Totalbankrotts, den uns die Nazis eingebrockt haben. Alles schon vergessen? Kann die Menschheit nicht anders? Ist sie unfähig aus ihren Katastrophen die richtigen Schlüsse zu ziehen?