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Wohin am Wochenende?: Sieben Kulturtipps für Kurzentschlossene in Berlin

Дата публикации: 14-08-2026 14:11:35

Zaubern im Nikolaiviertel, Welten bauen am Hamburger Bahnhof, ein letztes Mal leiden mit Oliver Mommsen: Diese Veranstaltungen in Berlin und Umgebung sollten Sie nicht verpassen.

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Vielleicht sind Holzklötze im Hamburger Bahnhof am Samstag genau das Richtige bei 35 Grad. Vielleicht staunen Sie aber auch lieber über Artisten, Jongleure und Zauberer im Nikolaiviertel. Oder Sie bewundern Oliver Mommsen in seiner letzten Tschechow-Vorstellung. Sieben Ideen für spontane Unternehmungen in Berlin an diesem Wochenende.

1 Lina Lapelytė: We Make Years Out of Hours

Lina Lapelytė. We Make Years Out of Hours, Ausstellungsansicht Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Berlin, 2026 © Lina Lapelytė. VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Foto: Lina Lapelytė, We Make Years Out of Hours (2026) ©VG Bild-Kunst, 2026, Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie/art/beats, Florian Mag

Bauklötze bestaunen: Besonders für Kinder ist die Halle des Hamburger Bahnhofs aktuell ein grenzenloser Kosmos der Möglichkeiten.

© Lina Lapelytė, We Make Years Out of Hours (2026) © VG Bild-Kunst, 2026, Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie/art/beats, Florian Mag

400.000 Holzwürfel, das sind eine Menge Baumöglichkeiten. Die Fichten- und Kiefernholzklötze mit zehn Zentimeter Kantenlänge breiten sich in der historischen Halle des Hamburger Bahnhofs auf dem Boden aus, türmen sich zu Stapeln auf und verbinden sich – je nachdem, was die Besuchenden darin sehen – zu architektonischen oder organischen Strukturen.

Lina Lapelytės lebendiges Monument „We Make Years Out of Hours“ eignet sich nicht nur für Erwachsene: Begleitet von vertonten Gedichten sind im Sinn des offenen Museums alle eingeladen, sich an der stetig verändernden Landschaft zu beteiligen. Besonders für Kinder ist die Halle des Hamburger Bahnhofs aktuell ein grenzenloser Kosmos der Möglichkeiten.

Was bleibt? Was vergeht? Wer entscheidet, was gebaut wird und was weichen muss? Und wie toll ist es, dass alle mitmachen können? Hier gilt ganz sicher: „Wir machen Jahre aus Stunden.“

Lina Lapelytė, geboren 1984 in Kaunas (Litauen), ist eine Künstlerin und Komponistin, deren Praxis in der Performance verwurzelt ist. Die in der Installation und der Performance verwendeten 400.000 Holzwürfel werden 2027 im Rahmen von Lina Lapelytės Projekt für die Neuen Auftraggeber Teil eines öffentlichen Kunstwerks in Eisenhüttenstadt. (thp)

2 Schirrhofnächte

Die Regentrude, T-Werk, Theater Nadi, Potsdam

Auf nach Potsdam: Dort finden noch bis Ende kommender Woche die Theatertage an der Schiffbauergasse statt.

© Goeran Gnaudschun

Nur ein paar S-Bahn-Stationen von Berlin entfernt, warten in diesen Tagen die Schirrhofnächte. Während andere Theater in der Sommerpause sind, zieht es das T-Werk nach draußen. Bereits zum 13. Mal lädt es in die spätsommerliche Schiffbauergasse in Potsdam ein.

Den Auftakt machte am Freitag das Neue Globe Theater mit Wolfgang Borcherts Antikriegsdrama „Draußen vor der Tür“. Auch Ephraim Kishons „Es war die Lerche“ hat die freie Theatergruppe dabei, am Samstag und Sonntag jeweils um 20 Uhr. Diese Komödie beleuchtet das Eheleben von Romeo und Julia, über 30 Jahre nach ihrem vermeintlichen Tod, auf humorvolle und ironische Weise.

Tickets sichern dann zum Wochenstart: Für „Indien – eine Schnitzeljagd durch die deutsche Provinz“ hat ihr Regisseur Kai Frederick Schrickel die österreichische Tragikkomödie mit Josef Hader und Alfred Dorfer ins Märkische verpflanzt. Das Ton und Kirschen Wandertheater bringt Georg Büchners Klassiker „Woyzeck“ auf die Bühne, und für kleine Menschen hat das Theater Nadi erneut „Die Regentrude“ (Foto) nach Theodor Storm im Gepäck. (thp)

3 Young Euro Classic

Dirigentin Teresa Satalino  - AYSO – Accademia Youth Symphony Orchestra

Dirigentin Teresa Satalino reist mit ihrem Orchester aus Bari an.

© Alta Risoluzione

Nicht Rom, nicht Mailand, das süditalienische Bari ist Heimat des Accademia Youth Symphony Orchestra (AYSO). Mit ihren 70 jungen Musizierenden, die an italienischen Konservatorien studieren, gastiert Dirigentin Teresa Satalino (Foto) erstmals bei den Young Euro Classic und darf das Festival beschließen.

Das Programm wirft aus verschiedenen Perspektiven einen Blick auf Italien. Die Konzert-Ouvertüre „Scapino“ des englischen Komponisten William Walton, der auf Ischia lebte, ist nach einer Figur der Commedia dell’arte benannt.

Rom inspirierte Tschaikowsky zu seinem „Capriccio Italien” und Ottorino Respighi zu „Pini di Roma“. Mit seinem „Notturno“ setzte sich Giuseppe Martucci Ende des 19. Jahrhunderts deutlich von dem in Italien dominierenden Opern-Genre ab.

Eine deutsche Erstaufführung ist „Ritual“ von Domenico Turi, der am Konservatorium von Monopoli, der Nachbarstadt von Bari, unterrichtet.

Davor, am Samstag um 19 Uhr, gibt der Estonian National Opera Boys’ Choir ebenfalls sein Festival-Debüt. Eine Mischung aus geistlichen und weltlichen Kompositionen steht auf dem Programm, u. a. mit einem „Ave Maria“ des Nationalkomponisten Eduard Tubin. Aber auch in der Gegenwart ist der Chor zu Hause: Der letzte Titel besingt – der ESC lässt grüßen! – den „Espresso macchiato“! (wei)

4 Heißer Sommer

Heißer Sommer

Chris Doerk (Mitte) im Defa-Hit „Heißer Sommer“.

© DEFA-Stiftung/Detlef Hertelt/Herbert Kroiss

Das zu häufig vergebene Prädikat „Kultfilm“ trifft hier definitiv mal zu: Das turbulente DEFA-Musical „Heißer Sommer“ aus dem Jahr 1968 ist Kult. Und zwar nicht nur, weil es seinerzeit mit fast dreieinhalb Millionen Besuchern in der DDR ein Kassenschlager war oder 2016 von den Leserinnen und Lesern der sächsischen Tageszeitung „Freie Presse“ zum beliebtesten DEFA-Film aller Zeiten gewählt wurde.

Joachim Haslers wohltemperiertes Singspiel um zwei Gruppen von Jugendlichen beiderlei Geschlechts, die sich an der Ostsee nach allerlei Gekabbel singend und tanzend näherkommen, ist einfach ein hin- und mitreißender Sommerferienspaß.

Chris Doerk (Foto) und Frank Schöbel, das Schlagertraumpaar der DDR und auch im richtigen Leben damals liiert, liefern sich feurige Tanz- und Gesangsduelle, ehe sie sich dann doch in die Arme sinken. Hach!

Teil des Spaßes ist natürlich das Kino International, das im März nach einer aufwendigen Renovierung wieder seine Türen öffnete. Neben neuester Bild- und Tontechnik wurden insgesamt sieben Kilometer Wandlamellen aus Kirschbaum, Ulme und Esche aufgearbeitet und der silberne Premierenvorhang mit 20 Millionen Pailletten restauriert. Dem Architekten Josef Kaiser widmet die Berlinische Galerie ab 28.8. eine große Retrospektive. (wun)

5 Nikolaizauber

Nikolaizauber

Unterhaltung im ältesten Siedlungsgebiet der Stadt: der Nikolaizauber.

© Valentin Paster Nikolaizauber

Dom, Stadtschloss und Rotes Rathaus: Das Nikolaiviertel im Berliner Ortsteil Mitte ist recht prominent besetzt und das älteste Siedlungsgebiet der Hauptstadt, eines von ehemals vier Vierteln im historischen Stadtteil Alt-Berlin.

Im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört, wurde es 1980–1987 anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt wiederaufgebaut, weshalb es heute größtenteils aus Plattenbauten besteht. Am Wochenende nun wird das Viertel vollends verzaubert, mit Kunst und Shows beim Festival „Nikolaizauber“.

Bereits zum vierten Mal findet das Straßenkunstfestival statt. Am Samstag und Sonntag, jeweils von 11 bis 18 Uhr, bespielen Artisten, Jongleure, Musiker und Zauberer die Plätze und Gassen des historischen Quartiers – der Eintritt ist frei. Das Programm umfasst Artistik, Jonglage, Comedy, Walking Acts und Zauberei. Viele Darbietungen finden im öffentlichen Raum statt, nicht auf abgegrenzten Bühnen.

Für Familien gibt es historische Kinderspiele und weitere Mitmachangebote. Auch Restaurants, Cafés, Geschäfte und kulturelle Einrichtungen des Viertels beteiligen sich an dem Festival. Der „Nikolaizauber“, veranstaltet vom landeseigenen Wohnungsunternehmen WBM, soll das Quartier weiter als Wohn- und Kulturort stärken. (meh)

6 Vanya

Oliver Mommsen in "Vanya", Komödie am Kurfürstendamm

Oliver Mommsen in „Vanya“ in der Komödie am Kurfürstendamm.

© Franziska Strauss

Der Cast von Anton Tschechows „Onkel Wanja“ ist stattlich: Neun Personen hat der russische Dramatiker auf dem Gut der Familie Serebrjakow versammelt, um sie in seiner unvergleichlichen Manier an den anderen, an sich selbst, an der Welt und vor allem an der Liebe leiden zu lassen.

Ganze acht Figuren davon hat der preisgekrönte britische Gegenwartsautor Simon Stephens in seine Neufassung „Vanya“ übernommen. Und der Clou daran: Sie werden alle von ein und demselben Schauspieler dargestellt! In Felix Bachmanns Inszenierung ist es Oliver Mommsen.

Eine immense Herausforderung, wenn man bedenkt, dass hier in den meisten Szenen mindestens eine Handvoll Figuren gleichzeitig zugange ist. Umso erstaunlicher, wie hervorragend das funktioniert! Und zwar, dankenswerterweise, unter vollständigem Verzicht auf jedwede Verkleidungs- und Verstellungsfolklore.

Wie Oliver Mommsen zwischen Esstisch, Ohrensessel und zaghafter Birkenwald-Projektion im Hintergrund der Versuchung widersteht, beim Übergang von einer Person zur anderen plakativ die Klamotten oder auch nur die Stimmlage zu wechseln und so vermeidet, in Klischeefallen zu tappen, ist eine Wohltat.

Letzte Gelegenheit, die Mommsen-Show zu sehen. (meh)

7 Sarah Connor

Sarah Connor

Sarah Connor singt am Samstag auf der Waldbühne.

© Dhana Sabira

Es war ein weiter, nicht unbedingt vorhersehbarer Weg, der Sarah Connor von belächelten Frühwerken wie der Top-3-Single „Let’s Get Back to Bed – Boy!“ von 2001 in den deutschen Pop-Olymp führte.

Längst hat sich die gebürtige Delmenhorsterin als Großkünstlerin von nationalem Rang etabliert, und zwar nicht nur durch spektakulär erfolgreiche Alben wie „Muttersprache“ (2015) und „Herz Kraft Werke“ (2019), sondern auch durch ihr furchtloses Eintreten gegen Rechtspopulismus und Rassismus.

Im Zentrum von Connors Oeuvre steht nach wie vor ihre Stimme, die Volumen und Vulnerabilität verbindet. (wun)

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