Mit „NO BODY TO OWN“ veröffentlicht Thomas Gerwers seinen neuen Bildband über Körper und Präsenz, Sichtbarkeit und Rückzug, Verletzlichkeit und Selbstbestimmung.
Mit „NO BODY TO OWN“ veröffentlicht ProfiFoto Herausgeber Thomas Gerwers seinen neuen Bildband über Körper und Präsenz, Sichtbarkeit und Rückzug, Verletzlichkeit und Selbstbestimmung. Der Presale startet am 15. August 2026 und läuft 14 Tage.
„NO BODY TO OWN“ versammelt überwiegend seit Mai 2025 entstandene Arbeiten, die sich mit Körperlichkeit, Präsenz und dem Verhältnis von Nähe und Distanz beschäftigen. Im Zentrum steht dabei nicht der Körper als Objekt, sondern als Träger von Erfahrung, Würde und innerer Bewegung.
Gerwers sucht dabei weder die klassische Pose noch eine möglichst vollständige Darstellung des Körpers. Viele Fotografien arbeiten vielmehr mit Ausschnitten, Schatten, Unschärfe und Fragmentierungen. Häufig genügen ein Rücken, eine Hand, eine Schulter oder ein Gesicht im Halblicht, um eine Situation anzudeuten. Die Bilder bewegen sich zwischen Intimität und Distanz, Offenheit und Schutz, Scham und Mut. Sie entziehen sich damit bewusst einer eindeutigen Lesbarkeit und verweigern eine rein illustrative Darstellung der abgebildeten Personen.
Präsenz statt Pose
Der Titel des Buches verweist auf eine zentrale Haltung des Projekts. „NO BODY TO OWN“ lässt sich wörtlich als „Kein Körper zum Besitzen“ lesen und richtet den Blick damit auf die Frage, was fotografische Nähe eigentlich bedeutet. Der Bildband versteht Intimität nicht als möglichst weitgehende Offenlegung, sondern als Möglichkeit, sichtbar zu werden, ohne sich dabei vollständig preiszugeben.
„Ich fotografiere nicht, um Körper zu zeigen. Ich fotografiere, um Präsenz sichtbar werden zu lassen“, beschreibt Gerwers seinen Ansatz. „Fotografie entsteht für mich nicht durch Zugriff, sondern durch Vertrauen. Ich verstehe mich nicht als Voyeur, sondern als Zeuge.“
Seine Bilder sind entsprechend weniger Inszenierungen denn Verdichtungen von Begegnungen. Voraussetzung dafür sind nach dem Verständnis des Fotografen Klarheit, Einverständnis und gegenseitiges Vertrauen. Die Kamera soll dabei nicht dominieren, sondern möglichst wenig zwischen Fotograf und fotografierter Person treten.
Diese Haltung prägt auch die formale Gestaltung des Projekts. Körper erscheinen nicht zwingend vollständig, Gesichter bleiben teilweise verborgen, Bewegungen verschwimmen, Lichtflächen lösen Konturen auf. Das Bild liefert nicht automatisch eine vollständige Information über die fotografierte Person. Gerade diese Verweigerung einer vollständigen Lesbarkeit gehört zum Konzept des Buches.
Autorschaft, Kontrolle und Verantwortung
NO BODY TO OWN ist zugleich aus einer persönlichen Auseinandersetzung mit Fragen von Autorschaft, Kontrolle und Verantwortung entstanden. Nach dem zeitweiligen Verlust der Kontrolle über Teile seines fotografischen Werks gewann für Gerwers die Frage an Bedeutung, was es eigentlich heißt, ein Bild gemeinsam entstehen zu lassen und welche Verantwortung daraus für den Fotografen erwächst. Das Buch versteht sich deshalb nicht nur als Zusammenstellung neuer Arbeiten, sondern zugleich als fotografische Bestandsaufnahme und als Neubeginn.
Der Titel erhält dadurch eine zweite Ebene. Nicht nur ein Körper entzieht sich vollständigem Besitz, sondern letztlich auch ein Bild. Zwar besitzt der Fotograf die Urheberschaft an seiner Aufnahme, die fotografierte Person bleibt jedoch Teil ihrer Bedeutung und ihrer Entstehung. Genau dieses Spannungsverhältnis zwischen Autorenschaft, Nähe, Vertrauen und Selbstbestimmung zieht sich durch den gesamten Band.
Die Bilder versuchen entsprechend nicht, die dargestellten Menschen zu erklären oder psychologisch zu entschlüsseln. Sie bleiben offen und häufig ambivalent. Nähe und Distanz, Sichtbarkeit und Rückzug existieren gleichzeitig. Damit bewegt sich NO BODY TO OWN auch jenseits einer klassischen Aktfotografie, die den Körper in erster Linie als Motiv begreift.
Rund 300 Seiten Fotografie
Der Bildband erscheint bei Snap Collective Publishing K/S in Kopenhagen. Die rund 300 Seiten umfassende Publikation wird als großformatiges Softcover im Format 21 × 29,7 Zentimeter produziert. Der Umschlag ist matt kaschiert, das Buch klebegebunden und auf 130 g/m² starkem Fotobrillant-Papier durchgehend farbig gedruckt. Die Ausgabe erscheint mit deutschen und englischen Texten.
Der Presale startet am 15. August 2026 und ist auf 14 Tage begrenzt. Während dieses Zeitraums kann NO BODY TO OWN zum Einführungspreis von 79 Euro bestellt werden. Anschließend beträgt der reguläre Verkaufspreis 89 Euro.
Parallel erscheint eine limitierte Artist Edition. Sie ist auf 25 Exemplare begrenzt und kostet 490 Euro. Jedes Exemplar umfasst ein handschriftlich signiertes und nummeriertes Buch sowie einen ebenfalls signierten und nummerierten Originalabzug auf Barytpapier. Buch und Print tragen dieselbe Editionsnummer und bilden gemeinsam mit einem signierten Kolophon eine Einheit. Der Originalabzug ist ausschließlich Bestandteil der Artist Edition und nicht separat erhältlich.
Darüber hinaus ist Gerwers aktuell mit zehn ausgewählten Fotografien auf der internationalen Kunstplattform SINGULART vertreten. Die Arbeiten greifen zentrale Themen des Buches auf und werden dort als limitierte, signierte Editionen angeboten.
Thomas Gerwers: NO BODY TO OWN erscheint bei Snap Collective Publishing K/S, Kopenhagen, mit rund 300 Seiten im Format 21 × 29,7 cm. ISBN 978-87-7620-753-3. Der Presale-Preis beträgt 79 Euro, anschließend kostet der Band 89 Euro.
Hinweis: Thomas Gerwers ist Herausgeber und Chefredakteur von ProfiFoto. Er ist Fotograf, Publizist und Kurator und seit vielen Jahren in unterschiedlichen fotografischen Fach- und Kulturzusammenhängen engagiert. Seine eigene fotografische Arbeit bewegt sich zwischen Intimität und Distanz, Sichtbarkeit und Rückzug. Im Zentrum steht der menschliche Körper nicht als Motiv, sondern als Träger von Präsenz, Erfahrung und innerer Bewegung. Gerwers lebt und arbeitet in Berlin.
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