Der Ortsteil Gey im Kreis Düren wird von einem Feuer bedroht. Was die Einsatzkräfte tun und wie sich Hausbewohner vor den Flammen schützen können.
Der Rauch ist schon kilometerweit entfernt zu sehen. Ein Waldbrand in der Eifel bedroht den Ortsteil Gey der Gemeinde Hürtgenwald. Am Donnerstagabend kam das Feuer laut WDR bis auf 200 Meter an Gey heran. Insgesamt sind rund 300 Einsatzkräfte im Einsatz, alle der rund 2000 Anwohner wurden evakuiert. Doch wie genau rettet man ein Dorf vor den Flammen?

Heiko Basten, Pressesprecher der Feuerwehr Bonn, weiß wie. Er wurde im sogenannten Waldbrandmodul ausgebildet, einer taktischen Sondereinheit der Feuerwehr, die mit zwölf Löschfahrzeugen und 32 speziell ausgebildeten Feuerwehrleuten in Hürtgenwald zum Einsatz kam. „Die Brandbekämpfung erfolgt in Einsatzabschnitten“, erklärt Basten. Darunter verstehe man klar definierte Räume, in denen Einsatzkräfte – in diesem Fall nach Vorgabe des Kreises Düren – mit unterschiedlichen Methoden gegen das Feuer vorgehen.
Zum einen wird natürlich gelöscht. „Wir erwarten das Feuer an einer Kontrolllinie“, so Pressesprecher Basten, „und führen mit unseren Strahlrohren eine direkte Brandbekämpfung durch.“ Zum anderen suchen die Feuerwehrleute in ihrem Abschnitt nach möglichen Glutnestern. Diese können auch noch vorhanden sein, wenn längst keine Flammen mehr sichtbar sind.
Um zu verhindern, dass Glutnester erneut Feuer entfachen, bearbeiten die Einsatzkräfte den erhitzten Grund mit speziellem Handwerkszeug. „Sie graben den Boden teilweise um, um Glutnester freizulegen und gezielt abzulöschen“, erläutert Basten. Auch kleinere Schneisen, die die Ausbreitung des Feuers stoppen sollen, werden in Gebüsche und Unterholz geschlagen. Hier können Landwirte mit schwerem Gerät unterstützen, die bereits vor Ort sind und etwa Felder umpflügen und so den Flammen den Weg abschneiden.
Waldbrand in Hürtgenwald: Hitze und Wind erschweren LöscharbeitenWie der WDR am Freitagvormittag berichtete, diskutierten Experten vor Ort außerdem darüber, ein Gegenfeuer zu zünden. Die Idee dahinter: Das neue Feuer könne dem Waldbrand den Sauerstoff entziehen. An diesen Überlegungen sind die Bonner Feuerwehrleute und auch die anderen Einsatzkräfte des Waldbrandmoduls jedoch nicht beteiligt.
Die Löscharbeiten in der Gemeinde Hürtgenwald erfolgen unter großen Schwierigkeiten. Böige Winde um die 30 Kilometer pro Stunde treiben die Flammen an. Besonders brenzlig wird es, wenn noch Hitzetemperaturen über 30 Grad und eine Luftfeuchtigkeit unter 30 Prozent dazukommen. Dann ist die 30-30-30-Regel erfüllt – „das sind ideale Bedingungen für ein Vegetationsfeuer, das sich dann entsprechend ausbreiten kann“, sagt Heiko Basten. Stand 12 Uhr (Freitag) sind es in Gey laut wetteronline.de 33 Grad. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei 23 Prozent.

Der Rauch vom Waldbrand in Hürtgenwald ist auf Kilometer entfernt zu sehen.© Sascha Thelen/dpa | Sascha Thelen
Experte: So kann man sein Haus noch schützenWas rät der Experte aus Bonn Menschen, die sich Sorgen um ihre Häuser machen? „Grundsätzlich hilft es, nach Möglichkeit alles Brennbare im Vorfeld wegzuräumen“, erklärt Basten. Insbesondere, wenn ein Objekt nah an einem Waldrand oder an einer Wiese steht. „Bestenfalls hat man einen Umkreis um sein Objekt, wo kein Brandgut mehr vorhanden ist.“ Das kann bedeuten: Terrassen leer räumen, Bäume so beschneiden, dass ihre Äste nicht über das Hausdach hängen, und Autos mehrere Meter entfernt vom Haus parken. Am besten so, dass sie später nicht für einen Löscheinsatz im Weg stehen.
In Hürtgenfeld bleibt die Lage aktuell weiter angespannt. Das Feuer ist so groß, dass es noch Tage dauern wird, bis es gelöscht sein wird, sagte Landrat Ralf Nolten gegenüber dem WDR. Jedoch: Zusätzliche Evakuierungen seien nach seiner Einschätzung vorerst nicht nötig.
Der Einsatz des Waldbrandmoduls, an dem auch Heikos Bastens Bonner Kolleginnen und Kollegen beteiligt waren, endete bereits um Mitternacht. Andere Einheiten aus Nordrhein-Westfalen setzen die Löscharbeiten fort. Das Waldbrandmodul wurde bereits zu Bränden in Griechenland, Spanien und den Niederlanden geschickt – es ist das erste Mal, dass die Einheit in Deutschland eingesetzt wurde.
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