Kurz vor der Sonnenfinsternis sind die Schutzbrillen vielerorts schon weg. Wo sich die Suche noch lohnt und welches DIY sicher ist.
Wer die Sonnenfinsternis heute Abend beobachten will, braucht einen besonderen Schutz für die Augen. Doch kurz vor dem Himmelsschauspiel sind geeignete Brillen vielerorts ausverkauft.

Wie groß die Nachfrage ist, zeigt sich etwa bei Space Instruments in Berlin-Lichtenrade. Hunderte Sonnenfinsternis-Brillen habe das Teleskopgeschäft bereits in der vergangenen Woche verkauft, berichtet Betreiber Christopher Förster gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Am Dienstag seien noch einmal 300 Stück hinzugekommen. Nach nur einer Stunde war der Vorrat aufgebraucht. „Es ist der absolute Wahnsinn“, sagt Förster. „Wir sind jetzt auch schon ausgeräumt.“
Ganz aussichtslos ist die Suche trotzdem nicht. Einige Optiker, Astronomiegeschäfte und Sternwarten könnten noch Restbestände haben. Und auch wer leer ausgeht, kann die Sonnenfinsternis indirekt beobachten. Dafür lässt sich mit wenigen Dingen eine sogenannte Lochkamera bauen. Von anderen Basteltipps aus dem Internet rät das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ab.
Bei diesen Optikern könnte es noch Brillen gebenEine der besten Anlaufstellen, um jetzt noch eine Schutzbrille für die Sonnenfinsternis zu bekommen, sind Augenoptiker vor Ort. Viele Betriebe bieten spezielle Sonnenfinsternis-Brillen an. Allerdings unterscheiden sich die Vorräte von Filiale zu Filiale.
„Wie realistisch es ist, sehr kurzfristig noch eine Brille zu bekommen, hängt daher stark vom jeweiligen Betrieb und dessen Bestand ab“, sagte eine Sprecherin des Zentralverbandes der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) gegenüber ZDFheute.
Ob in einer bestimmten Filiale tatsächlich noch Brillen vorhanden sind, ist schwer zu sagen. Wer nicht mehrere Geschäfte abfahren möchte, sollte deshalb vorher anrufen. Auch kleinere, inhabergeführte Optiker können noch Restbestände haben.

Eine weitere Möglichkeit: Planetarien, Volkssternwarten und Astronomievereine. Viele Einrichtungen bieten am Mittwoch öffentliche Beobachtungen an. Teilweise werden dort Sonnenfinsternis-Brillen verkauft oder ausgegeben. An anderen Orten stehen Teleskope mit professionellen Sonnenfiltern bereit.
Auch dort ist mit Engpässen zu rechnen. Das Planetarium Bochum teilte bereits mit, dass sowohl die Veranstaltung als auch die Schutzbrillen ausverkauft seien. Deshalb gilt auch hier: Vor der Anfahrt unbedingt auf der Internetseite nachsehen oder telefonisch nachfragen.
Astrofachgeschäfte können neben fertigen Brillen spezielle Sonnenfilterfolie führen. Aus der Not heraus verkaufte der Berliner Laden Space Instruments solche Folien, nachdem alle Brillen ausverkauft waren. Kundinnen und Kunden konnten daraus mit Pappe eine Halterung bauen.
Wichtig hierbei: Gewöhnliche dunkle Folie ist kein Ersatz. Verwendet werden darf ausschließlich Filterfolie, die ausdrücklich für die direkte visuelle Beobachtung der Sonne vorgesehen ist. Sie muss genau nach den Angaben des Herstellers befestigt werden. Die Folie darf weder beschädigt noch geknickt sein. Sicherer ist eine fertige, geprüfte Sonnenfinsternis-Brille.

Auch Elektronikmärkte und große Onlinehändler listen Sonnenfinsternis-Brillen. Am Tag der Finsternis hilft das allerdings nur, wenn eine Abholung in einem Geschäft möglich ist. Viele Angebote stammen außerdem von externen Marktplatzhändlern. Die Ware liegt dann nicht zwangsläufig im nächsten Markt.
Von auffällig billigen Produkten ohne nachvollziehbaren Hersteller ist abzuraten. Eine geeignete Brille sollte der Norm DIN EN ISO 12312-2 entsprechen. Sie muss ein CE-Zeichen, Herstellerangaben und eine Gebrauchsanleitung tragen. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt, nur bei vertrauenswürdigen Anbietern zu kaufen.
Die Filter dürfen höchstens 0,001 Prozent des Sonnenlichts durchlassen. Vor der Benutzung sollte die Brille gegen eine Lampe gehalten und sorgfältig geprüft werden. Hat die Folie Kratzer, Risse oder kleine Löcher, darf sie nicht mehr verwendet werden.
Notlösung: Sonnenfinsternis-Brille mit anderen teilenEine weitere Möglichkeit ist, sich eine Schutzbrille mit anderen Personen zu teilen. Dafür bleibt während der Sonnenfinsternis ausreichend Zeit. In Berlin beginnt sie beispielsweise gegen 19.15 Uhr. Um etwa 20.08 Uhr erreicht sie dort mit rund 85 Prozent Bedeckung ihren Höhepunkt. Gegen 20.37 Uhr ist sie vorbei.
Beim Teilen muss die Brille jedoch richtig verwendet werden. Zuerst wird sie aufgesetzt, erst danach richtet sich der Blick zur Sonne. Vor dem Absetzen muss der Blick wieder von der Sonne weggehen. Kinder sollten während der gesamten Beobachtung beaufsichtigt werden. „Ohne Schutz geht nichts“, warnt Förster.

Wer keine Brille mehr findet, muss nicht vollständig auf die Sonnenfinsternis verzichten. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt als sichere Alternative eine Lochkamera, auch Camera obscura genannt.
Dabei blickt man nicht in die Sonne. Stattdessen wird ihr Bild durch ein kleines Loch auf eine helle Fläche projiziert. Während der Finsternis wird dort sichtbar, wie aus dem runden Sonnenbild langsam eine Sichel wird.
Für eine einfache Lochkamera werden benötigt:

Wer keine Sonnenfinsternis-Brille mehr bekommt, kann das Himmelsschauspiel mit einer selbst gebauten Lochkamera indirekt beobachten. Dabei wird das Bild der Sonne durch ein kleines Loch auf eine helle Fläche projiziert – der direkte Blick in die Sonne bleibt tabu.© Ole Spata/dpa/dpa-tmn | Ole Spata
Zuerst wird in einen der Kartons eine kleine, etwa drei bis fünf Zentimeter große Öffnung geschnitten. Darüber wird die Alufolie geklebt. Anschließend kommt mit einer Stecknadel ein einziges kleines, sauberes Loch in die Mitte der Folie.
Der zweite weiße Karton dient als Projektionsfläche. Er wird auf den Boden gelegt. Der Karton mit der Alufolie wird darüber gehalten. Wichtig ist die Blickrichtung: Die Sonne muss sich hinter der beobachtenden Person befinden. Das Sonnenlicht fällt durch das kleine Loch auf den unteren Karton. Dort erscheint ein Abbild der Sonne.
Je größer der Abstand zwischen beiden Kartons ist, desto größer wird das Bild. Es wird dann allerdings auch schwächer. Eine schattige Projektionsfläche kann helfen, das Bild besser zu erkennen.
Eine weitere einfache Möglichkeit ist ein Küchensieb mit kleinen runden Löchern. Hält man es mit dem Rücken zur Sonne über eine helle Fläche, entstehen viele kleine Sonnenbilder. Während der Finsternis erscheinen sie sichelförmig. Auch hier gilt: Nie durch das Loch oder das Sieb in die Sonne schauen. Beobachtet wird ausschließlich das projizierte Bild.
Sonnenfinsternis: Diese Basteltricks sind gefährlichNicht alles, was das Sonnenlicht dunkel erscheinen lässt, schützt auch vor gefährlicher Strahlung. Das Bundesamt für Strahlenschutz warnt ausdrücklich vor improvisierten Filtern.
Ungeeignet sind unter anderem:
Solche Materialien können sichtbares Licht abschwächen. Gefährliche UV- und Infrarotstrahlung lassen sie aber möglicherweise weiterhin durch. Weil die Umgebung dunkel erscheint, bleibt das Auge zudem länger geöffnet. Dadurch kann noch mehr Strahlung auf die Netzhaut treffen.
Auch eine normale Sonnenbrille reicht nicht. Sie ist für alltägliches Sonnenlicht gedacht, nicht für den direkten Blick in die Sonne.

Eine partielle Sonnenfinsternis ist für die Augen nicht weniger gefährlich, nur weil der größte Teil der Sonne verdeckt ist. Selbst eine sehr schmale Sonnensichel strahlt noch intensiv genug, um die Netzhaut dauerhaft zu schädigen.
„Eine Schädigung kann entstehen, ohne dass das Auge während der Beobachtung schmerzt“, warnt Felicitas Bucher, Oberärztin an der Augenklinik des Universitätsklinikums Freiburg. Die Netzhaut besitzt keine Schmerzrezeptoren. Betroffene bemerken die Verletzung deshalb möglicherweise erst später. Mögliche Folgen sind verschwommenes Sehen, ein dunkler Fleck im Sichtfeld oder eine dauerhaft geringere Sehschärfe.
Besonders gefährlich sind Ferngläser, Teleskope und Kameras ohne geeigneten Sonnenfilter. Sie bündeln das Licht. Eine Sonnenfinsternis-Brille vor den Augen schützt bei einem Blick durch solche Geräte nicht. Der passende Filter muss fest vor dem Objektiv angebracht werden.
Das gilt auch für das Fotografieren. Wer ein Smartphone oder eine Kamera direkt auf die Sonne richtet, benötigt einen geeigneten Filter vor der Linse. Auf keinen Fall sollte durch den optischen Sucher einer ungefilterten Kamera geschaut werden.
Wer keine geprüfte Brille, keine sichere Projektion und keine fachgerecht ausgerüstete Beobachtungsstation findet, sollte auf den direkten Blick verzichten. Mehrere Sender und astronomische Einrichtungen übertragen die totale Sonnenfinsternis aus Spanien zudem im Livestream.
ari