Drei Tage gibt es in Peitz internationalen Jazz zu hören. Die "Jazzwerkstatt" gab es erstmals 1973 und brachte damals US-amerikanische Bands in die DDR.
Konzerte bis 16. August "Jazzwerkstatt" holt internationale Improvisationskünstler nach Peitz
In Peitz (Spree-Neiße) startet am Freitag die dreitägige "Jazzwerkstatt". Bei dem Musik-Festival stehen bis kommenden Sonntag insgesamt 20 international besetzte Konzerte auf dem Programm, darunter beispielsweise die Bands Selvhenter und OM oder das "Darius Jones & Otomo Yoshihide Quintett".
Die Band Selvhenter aus Kopenhagen mit Sonja LaBianca, Maria Bertel, Anja Jacobsen und Jaleh Negari. (Quelle: Beskåret)
Festival-Gelände am Industriedenkmal des Eisenhüttenwerks
Mittlerweile ist es für Kuratorin Marie Blobel die dritte Ausgabe, sie leitet die "Jazzwerkstatt" seit 2024. "Es geht alles rund um Improvisationsmusik", sagt sie. Auftreten würden vor allem Musikerinnen und Musiker, die improvisieren können und auch ihren Background dort hätten. Auf dem Festival will sie verschiedene Strömungen und die alten Jazzmusiker mit der nächsten Generation verbinden, wie Blobel sagt. Es mache ein Festival aus, in verschiedene Stile reinzuhören - aus dem Grund sollten sich die Konzerte zeitlich auch nicht überschneiden.
Das Festival-Areal liegt direkt am ehemaligen Industriestandort des Eisenhüttenwerks und der Hammerschmiede, umgeben von historischen Karpfenteichen und dem Fischereimuseum. Die meisten Konzerte finden Open-Air statt, einige aber auch in der ehemaligen Hochofen-Halle und auf der Werkstattbühne.
Interview mit Kuratorin Marie Blobel () ()
"Jazzwerkstatt" ist "Festival des Jahres"
In diesem Jahr bekam das Festival den Deutschen Jazzpreis - in der Kategorie "Festival des Jahres". Dennoch sorgt sich Blobel nach eigenen Angaben um die Zukunft der Veranstaltung. Die Förderungen für das nächste Festival seien noch sehr unsicher und "auf jeden Fall steigen die Kosten für alles", so Blobel. "Ich hoffe, dass sich das nicht weiter zuspitzt und ich das Festival weiterhin machen kann."
1973 in der DDR gegründet
Die "Jazzwerkstatt Peitz" hat eine lange Geschichte. Musikproduzent Ulli Blobel und Veranstalter Peter Metag gründeten die Reihe 1973 und organisierten die Konzerte in einem leerstehenden Kino. "Mein Vater ist in Peitz aufgewachsen und hat mit seinem guten Freund damals immer viele Konzerte im Osten besucht", sagt die Kuratorin. "Also ist von Stadt zu Stadt getingelt, um irgendwelche aufregenden Konzerte zu erleben und dann war es den beiden irgendwie ein Wunsch, Konzerte zu veranstalten." Bis zu 3.000 Menschen kamen damals zu den Festivals.
"Ich glaube, die improvisierte Musik stand für dieses Freiheitsgefühl, was natürlich - wir wissen es alle - schwierig war zu DDR-Zeiten", sagt Marie Blobel. Nicht alle seien dabei wegen des Jazz gekommen, sondern auch wegen der Veranstaltung an sich und weil damals schon ungewöhnlich viele internationale Bands zum Beispiel aus England und den USA teilgenommen hätten - "ein bisschen inkognito", wie Blobel sagt. Im Programm erschienen die Bands deswegen lediglich verschleiert unter Pseudonymen.
1982 störte sich das DDR-Regime Blobel zufolge immer mehr an dem Festival. "Gleichzeitig konnten sie es aber nicht offiziell verbieten", so die Kuratorin. Daher sei Druck auf ihren Vater ausgeübt und ihm ein Ausreiseantrag nahegelegt worden.
"Um das sozusagen ein bisschen umzudrehen und zu sagen: 'Schaut her, jetzt nach dem ganzen Erfolg, geht der rüber in den Westen und hat das ganze Geld von euch irgendwie hier einkassiert.'" Am Ende habe ihr Vater dann ein Veranstaltungsverbot bekommen - und er habe die DDR verlassen. Das bedeutete vorerst das Ende der "Jazzwerkstatt".
Konkurrenz durch andere Festivals
Erst 2011 entstanden neue Ausgaben des Festivals. Im Vergleich zu früher sei es mittlerweile aber schwieriger ein Programm aufzustellen, sagt Blobel. "Weil es wirklich sehr viele Bands gibt, die auf einem sehr hohen Niveau spielen."
Während der ersten Ausgaben in den 70er Jahren habe es teilweise so wenig Bands gegeben, dass ihr Vater welche zusammengestellt habe. Inzwischen gebe es aber weitaus mehr Jazzfestivals. Deswegen müsse man schon mit hochkarätigen Programmen auf sich aufmerksam machen, so Blobel.
"Woodstock am Karpfenteich"
Um das Publikum auch jungen Leuten zu ermöglichen und die geringen Hotelkapazitäten in Peitz auszugleichen, hat das Festivalteam auf dem Gelände einen Camping-Möglichkeiten eingerichtet. "Unser Motto ist ja auch ein bisschen 'Woodstock am Karpfenteich'", so Blobel.
Während der drei Festivaltage fährt ein kostenloser Shuttle vom Bahnhof Peitz-Ost zum Open-Air-Gelände, in die Innenstadt sowie zum Campingplatz.
Sendung: radio3 vom rbb, 11.08.2026, 17:10 Uhr
Audio: radio3 vom rbb, 11.08.2026, Frank Schmid im Gespräch mit Marie Blobel
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