Viele Sperrungen, dutzende Umleitungen und ein Schwarm an Baumaschinen. Cottbus ist gerade eine riesige Straßenbaustelle. Doch das Tempo reiche bei weitem nicht, um schneller als der fortschreitende Verfall von Straßen und Brücken zu sein, mahnt die Stadtverwaltung.
Schäden an Infrastruktur Großteil der Cottbuser Straßen muss saniert werden - doch es fehlen Geld und Personal
Von R. Herkner/ M. Schneider
Wer dieser Tage durch Cottbus fährt, bekommt den Eindruck: Hier läuft ein großes Bauprogramm. Sperrungen, Umleitungen, Einschränkungen - mehrere Straßen werden zurzeit saniert oder grundhaft erneuert.
Als dieser Text Mitte Juli entsteht, verzeichnet das Baustellenportal der Stadt 13 Vollsperrungen, die aktuell oder in naher Zukunft gelten. Hinzu kommen zwei halbseitige Sperrungen großer Verkehrsadern.
Doch ginge es nach der Stadt, würden noch mehr Baumaschinen auf noch mehr Baustellen arbeiten. Denn das aktuelle Tempo reiche bei weitem nicht, um schneller als der fortschreitende Verfall von Straßen und Brücken zu sein, mahnt die Stadtverwaltung.
"Wir sind tatsächlich an einem Punkt angekommen, wo dieser Verschleiß über viele Jahre und Jahrzehnte aufgrund der fehlenden finanziellen, auch der fehlenden personellen Kapazitäten und anderer Rahmenbedingungen so hoch ist, dass wir diesen nicht mehr komplett aufhalten werden", sagte die Cottbuser Bürgermeisterin Doreen Mohaupt (parteilos) dem rbb.
Blick auf die Sanierung der Ortsumfahrung im Cottbuser Osten am Ostsee
Bei über 63 Prozent: dringender Handlungsbedarf
Insgesamt über 500 Kilometer Fahrbahn und gut 400 Kilometer Geh- und Radwege gibt es in Cottbus. Vor etwa einem Jahr hat die Stadt einen Straßenzustandsbericht mit Zahlen aus dem Jahr 2024 veröffentlicht. Das Ergebnis: 36,8 Prozent der Straßen sind in einem sehr guten (5,3 Prozent) oder guten Zustand (31,5 Prozent). Dort gebe es nur geringe Schäden.
Für die restlichen 63,2 Prozent besteht laut dem Bericht ein "dringender Handlungsbedarf". 48,2 Prozent der Straßen sind in einem befriedigenden Zustand mit Schäden "mit größerem Unterhaltungsaufwand", bei 14,3 Prozent ist der Zustand schlecht, bei 0,6 Prozent sehr schlecht.
Untersucht wurden auch die Rad- und Fußwege. Dort zeige sich ein ähnliches Bild wie bei den Straßen. Auch einige Brücken bereiten den Bauexperten Sorgen. Von den 87 Cottbuser Brücken sind vier unter besonderer Beobachtung. Bei 81,6 Prozent bestehe ein "dringender Handlungsbedarf."
Zu wenig Geld für zu viele Baustellen
Der Investitions-Rückstau wächst in Cottbus mit jedem Jahr. Aktuell beläuft er sich beim Straßen- und Brückenbau auf rund 500 Millionen Euro. Doch nur etwa zwölf Millionen stehen jährlich für die Erneuerung von Straßen und Brücken bereit.
Eine marode Brückenunterführung in Sandow
Der Verfall ist für jedermann sichtbar. Allein die Sanierung einer Bahntrassenunterführung in Sandow würde 80 Millionen Euro kosten. Das ist weit mehr als der Stadt durch das 500-Milliarden-Investitionspaket des Bundes anteilig zusteht.
Auch eine Hochstraße steht unter verstärkter Beobachtung. Denn gebaut wurde sie mit Hennigsdorfer Stahl, der Dresdner und Berliner Brücken ins Wanken beziehungsweise zum Einsturz brachte. Geld für einen Neubau gibts nicht.
Stadt: Weg vom Luxusstandard
Wirtschaftsverbände sehen Land und Bund in der Pflicht. "Die Stadt macht, was sie kann, das ist gar kein Vorwurf an die Kommune", sagte der Hauptgeschäftsführer der Cottbuser Industrie- und Handelskammer (IHK), André Fritsche, dem rbb. "Aber ganz klar ist: Die Preise werden überall teurer. Bauen kostet mehr und dementsprechend braucht es hier ganz klare Maßnahmen seitens des Bundes und auch über das Land, dass hier entlastet wird."
Auch ohne Entlastung - die Zahl der Straßen-Baustellen in und um Cottbus ist momentan relativ groß. So werden beispielsweise die Ortsumgehungen mithilfe des Landes saniert und teils erweitert. In Cottbus selbst wird die Verbindungsstraße zwischen dem Ostsee und der Innenstadt grundhaft neugestaltet, teils finanziert aus Mitteln des Strukturwandels.
Walzen plätten den Asphalt auf der Ortsumgehung West (Foto: rbb/Herkner)
Um den Verfall zu stoppen, müsse man weg vom Luxusstandard beim Ausbau der Straßen. So der Vorschlag aus Cottbus. "Wir könnten Geld sparen, indem wir mehr mit pragmatischen Lösungen unterwegs sind, mehr Unterhaltung, weniger in die grundhafte Erneuerung", so Bürgermeisterin Doreen Mohaupt, "und sicherlich auch die Standards senken."
Trotz aller Finanzprobleme: Durch neue Investitions-Kredite und verschiedene Fördermöglichkeiten will Cottbus sein Bautempo in den kommenden Jahren weiter erhöhen.
Sendung: Antenne Brandenburg, 13.07.2026, 16:40 Uhr
Audio: Antenne Brandenburg, 13.07.2026, Theresa Wunderlich
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