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Konzertkritik: Doja Cat in der Berliner Uber-Arena

Дата публикации: 18-06-2026 06:12:00

Eine Rapperin, die Popmusik macht: So bezeichnet sich die US-Musikerin Doja Cat selbst. In der Berliner Uber-Arena überzeugt sie mit einer wilden Reise durch diverse Genres.


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Konzert Doja Cat in der Uber-Arena Die Königin des Heiß-Kalt-Spiels

Archivbild: Doja Cat bei den MTV Video Music Awards 2025 (Quelle: IMAGO/C Flanigan/imageSPACE)
Archivbild: Doja Cat bei den MTV Video Music Awards 2025 (Quelle: IMAGO/C Flanigan/imageSPACE)

Von Sieba Abadi

In der Uber-Arena riecht es übertrieben doll nach Gras. Und irgendwie passt das ganz gut. Denn die Künstlerin des Abends trägt die Referenz schon im Namen: Doja Cat, geboren als Amala Ratna Zandile Dlamini, hat den Namen "Doja" aus dem US-Jugendsprech übernommen, wo er als Synonym für Marihuana gilt.

Pünktlich um 21 Uhr schwebt der US-Superstar von der Decke auf die Bühne der nicht ganz ausverkauften Arena und eröffnet den Abend mit ihrem Song "Lipstain", das live mit dem Instrumental des französischen Klassikers "La Vie en Rose" unterlegt ist.

Eine Rapperin, die Popmusik macht

Die Setlist, die sie seit Beginn ihrer Welttournee im November 2025 in dieser Form bereits in zig anderen Städten gespielt hat, spannt einen Bogen durch alle Schaffensphasen ihrer Karriere. Eine eindeutige Genre-Zuordnung für Doja Cat greift spätestens seit ihrem fünften Studioalbum "Vie" nur noch bedingt.

Lange wurde sie als Pop- und Rap-Künstlerin verhandelt. Lange hat sie sich dagegen gewehrt, inklusive einiger harscher Online-Auseinandersetzungen mit Fans. Erst später folgte die Relativierung in einem Interview: Sie sei Rapperin, die Popmusik macht, stellte die Grammy-Gewinnerin klar.

Besagtes aktuelles Album "Vie" schlägt nun aber eine ganz andere Richtung ein und fährt einen 80s-Funk- und Disco-Film, der sich an diesem Abend akustisch UND visuell übersetzt.

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Nahtloser Wechsel zwischen den Genres

Angeführt von einer mehrköpfigen Band in weißen Anzügen gleitet Doja Cat mit leichtfüßigen Disco-Moves während "Take me Dancing" oder "Couples Therapy" über die Bühne. Sie trägt einen Pillbox-Hut, Strumphose, einen halbtransparenten Body, aus dem immer wieder kegelförmige Nippel-Cover hervorblitzen.

Dass es keine klassische Background-Tänzerinnen oder aufwendige Kostümwechsel gibt (ein Punkt, der nach dem Tourauftakt in Auckland von Fans teils kritisch angemerkt wurde) ist dabei kein Mangel. Die Reduktion kommt Doja Cat sogar zugute.

Zarte Stimme im Wechsel mit harten Rap-Parts

In den nächsten zwei Stunden ist sie fesselnde und kontrollierte Bühnenfigur, die über weite Strecken der Show nahezu kommentarlos führt und innerhalb von Sekunden zwischen zarter, verletzlicher Gesangsstimme und harten Rap-Parts wechselt.

Während "Agora Hills" inszeniert sie eine völlig überzogene, fast schon karikatureske Sehnsucht und tut so, als würde sie bei dem Gedanken zusammenbrechen, dass das Objekt ihrer Begierde nicht bei ihr in ihrer "Mansion" ist. Im nächsten Moment lässt sie ihr Publikum, die Girls und die Gays, dann "Men ain’t Shit" skandieren. Es ist ein konsequentes Heiß-Kalt-Spiel, und die Fans, die sie den gesamten Abend aber eigentlich sonst kaum direkt adressiert, lieben es.

Sinnlichkeit oder komplette Entgrenzung

Ihren Körper setzt Doja Cat während der gesamten Show als bewusstes (gleichzeitig nuanciertes) Stilmittel ein. In "Juicy" hält sie einfach ihren Po in die Kamera, die das Bild live auf die Bühnenleinwand überträgt, twerkt völlig ungehemmt.

Zu "Woman" krabbelt sie verführerisch auf allen Vieren über den Boden, geht in den Spagat, lässt das Mikrofonkabel am Absatz ihrer Heels baumeln. Bei "Paint the Town Red" oder "Need To Know" bekommt derselbe Move etwas fast Abstoßendes: Doja Cat kriecht über die Bühne, begleitet von Flammenwerfern und Pyrotechnik dry-humped sie den Boden.

"WYM Freestyle" hat dann wiederum in seiner Körperlichkeit fast etwas von einem Exorzismus. Es ist Ekstase und komplette Entgrenzung, hysterisches Lachen, weit aufgerissene Augen, herausgestreckte Zunge und der nach hinten geworfene Kopf tun ihr Übriges. Gleichzeitig kann man sich sicher sein: Jeder einzelne dieser "Schock"momente sitzt exakt so, wie sie es will.

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Irgendwann kickt die Corona-PTSD

Die 2020 und 2021 erschienenen, eingängig-verspielten Pop-Hits wie "Say So" und "Kiss Me More" runden schließlich die wilde Reise durch die Genres ab und werden am lautesten und euphorischsten mitgesungen. Bis irgendwann die Corona-PTSD kickt, weil genau diese Tracks fast schon symbolisch für die ersten Lockdowns stehen: für die jeweiligen Tiktok-Tänze zu den Tracks. Die Moves dazu haben sich damals wohl irgendwo im Unterbewusstsein festgesetzt. Hoffentlich muss Musik nie wieder darauf reduziert werden.

Erst ganz am Ende ihres Konzerts blickt Doja Cat gefühlt zum vierten Mal an diesem Abend wirklich in die Menge. Zum Abschied wirft sie rote Rosen in die ersten Reihen und bedankt sich sichtlich gerührt beim Publikum. Ist halt ein Heiß-Kalt-Spiel.

Sendung: Fritz vom rbb, 18.06.2026, 7:25 Uhr

Audio: Fritz vom rbb, 18.06.2026, Selin Kahya & Daniel Claus im Gespräch mit Jule Lippick

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