Bibliotheken sind längst nicht mehr nur Orte für Bücherwürmer. Sie werden auch immer wichtiger als weiterer Ort neben Wohnung und Arbeit. Im Interview erzählt Bibliotheks-Referendarin Tabea Zeltner wie man heute Besucher in die Bibliotheken lockt.
Interview Referendarin in der Bibliothek "In die Bibliothek kommen nicht nur Boomer"
Eine Bibliothek, die der breiten Bevölkerung Bildung ermöglicht: Das war der Gedanke, mit dem die Berliner Stadtverordnetenversammlung 1901 die Gründung der Berliner Stadtbibliothek beschloss. 125 Jahre später lebt die Idee von gesellschaftlicher Teilhabe und Kultur für alle in moderner Form fort. Die Berliner Stadtbibliothek - seit 1995 Teil der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) - feiert zum Jubiläum am 6. Juni ein Hoffest. Tabea Zeltner, die derzeit an der ZLB ihr Referendariat für den höheren Dienst im Bibliothekswesen absolviert, hat uns erzählt, was sie an ihrem Arbeitsort fasziniert.
rbb|24: Hallo Frau Zeltner, Sie sind Bibliothekarin. Mal etwas provokant gefragt: Ist das nicht langweilig, den ganzen Tag Bücher zu sortieren?
Tabea Zeltner: Überhaupt nicht! Obwohl ich auch mal Bücher sortiere, ist das aber nur ein sehr kleiner Teil meines Jobs als Referendarin an der Zentral- und Landesbibliothek Berlin.
Tabea Zeltner ist Referendarin an der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB). Zuvor hat sie Human Factors studiert und sich mit der barrierearmen und nutzer:innenfreundlichen Gestaltung von technischen Systemen beschäftigt.
rbb|24: Was macht man als Referendarin also genau?
Zeltner: Das Referendariat ist der Vorbereitungsdienst für den höheren Bibliotheksdienst. Das heißt, ich werde auf Führungsaufgaben vorbereitet - im Studium an der Berliner Humboldt Universität und im Praxisteil in der Bibliothek. Dabei durchläufe ich einmal das gesamte Haus. Und die ZLB ist ein sehr großes Haus. Ich bin also dabei, wenn Bücher eingestellt werden, sitze aber auch in Gremien oder in Sitzungen zur Organisationsentwicklungsstrategie.
rbb|24: Sie haben es gerade gesagt, die ZLB ist ziemlich groß. Haben Sie einen Lieblingsort dort?
Zeltner: Ich bin sehr gerne im Hof im Lesegarten. Aber ich mag auch die Werkstatt, die es im Bereich Bestandserhaltung gibt, besonders gern. Da sind ehemalige Buchbinder beschäftigt und da kann man alte Papiere und halb gebundene Bücher sehen. Das sieht total toll aus.
rbb|24: Sind Bibliotheken heute vor allem Orte für Boomer?
Zeltner: Wer während der Abitur- oder MSA-Prüfungen in eine Bibliothek geht, kann gut sehen, dass da nicht nur Boomer sind. Sie sind auch für junge Menschen sehr attraktiv. Denn in Bibliotheken finden sich heute ja nicht nur Bücher, sondern sie sind auch wichtige Lernorte oder auch Plätze, an denen man einfach sein kann. Gerade in Berlin gehören sie zu den wenigen Orten, die nicht zwangsweise verlangen, dass man Geld ausgibt.
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In Bibliotheken finden sich heute ja nicht nur Bücher, sondern sie sind auch wichtige Lernorte oder auch Orte, an denen man einfach sein kann.
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Tabea Zeltner
rbb|24: Wenn dort so unterschiedliche Menschen anzutreffen sind: gibt es Begegnungen mit Menschen an die sich gut erinnern - oder kommen gar Promis in die Bibliothek?
Zeltner: Wenn man Promis treffen will, kann man beispielsweise zu einer der Lesungen gehen. Da sind für mich persönlich die Autoren nämlich die Promis. Zu unserem Hoffest am 6. Juni kommt beispielsweise Leif Randt, darauf freue ich mich sehr.
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Die ersten dokumentierten Archive und Bibliotheken gibt es bereits vor Tausenden von Jahren, beispielsweise in Mesopotamien und bei den alten Ägyptern. Der Gedanke dahinter: Wissen sammeln, bewahren und zugänglich machen. Was damals vornehmlich in Privatsammlungen stattfand, soll später weiten Teilen der Bevölkerung Bildung ermöglichen.
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In Berlin beginnt die Zeit der großen Bibliotheken vor 125 Jahren mit der Gründung der Stadtbibliothek. Zu diesem Zeitpunkt existieren bereits 27 "städtische Volksbibliotheken", aber eine zentrale Institution fehlt. Am 6. Juni 1901 beschließt die Berliner Stadtverordnetenversammlung die Gründung der Berliner Stadtbibliothek (BStB). Sie soll, wie der Name schon verrät, der ganzen Stadt, also allen Berliner Bürgerinnen und Bürger offenstehen.
ZLB
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Die Geschichte der Stadtbibliothek ist eng mit der Historie Berlins verbunden: Vom Kaiserreich, über die Weimarer Republik, die Zeit des Nationalsozialismus und die anschließende Zerstörung im Zweiten Weltkrieg mit der darauffolgenden Teilung der Stadt in Ost und West, sowie der Wiedervereinigung.
ZLB
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Ab 1907 sind die Bestände, die vor allem auch aus Privatbesitz (u.a. von Rudolf Virchow) stammen, zunächst in der Zimmerstraße in der Friedrichstadt untergebracht. Doch der Platz reicht schnell nicht mehr aus. Ein zunächst beschlossener Neubau scheitert am Ersten Weltkrieg und so zieht der Standort 1921 in den Alten und Neuen Marstall in der Breiten Straße in Mitte. Die Nutzerinnen und Nutzer können zu dieser Zeit bereits aus einem Bestand von rund 220.000 Büchern schöpfen.
ZLB
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Während der Zeit des Nationalsozialismus gelangen etwa 40.000 Bücher als NS-Raubgut aus jüdischen Haushalten [provenienzforschung.zlb.de] in die Stadtbibliothek. Etwa die Hälfte davon wird mutmaßlich gewinnbringend weiterveräußert. Bei rund 1.500 Werken konnte durch Provenienzforschung die Herkunft inzwischen geklärt werden. Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) geht aber davon aus, dass 1,1 Millionen Bücher in ihrem Bestand NS-Raubgut sein könnten. Das betrifft alle Bücher, die nach 1933 in den Bestand aufgenommen oder vor 1945 gedruckt wurden [provienzenforschung.zlb.de].
dpa
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Zum Schutz vor Bombenangriffen werden während des Zweiten Weltkrieges Bestände der Berliner Bibliotheken aus der Stadt gebracht und etwa in der Prignitz, im Spreewald oder dem heutigen Polen eingelagert, wie im "Handbuch zu historischen Buchbeständen" nachzulesen ist. Tausende Bücher werden allerdings bei Luftangriffen auf die Stadt 1943 dennoch zerstört.
ZLB
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Mit der Teilung Berlins durch die Alliierten geht auch die Berliner Bibliotheksgeschichte getrennte Wege: Im Ostteil der Stadt wird die Stadtbibliothek wieder aufgebaut, im Westteil entsteht die Amerika-Gedenkbibliothek. Beide sind seit 1995 unter dem Dach der Zentral- und Landesbibliothek zusammengefasst.
ZLB
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Nach Gründung der DDR 1949 befindet sich die Stadtbibliothek in Ost-Berlin. Neben der Stadtbibliothek liegen die meisten öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken, wie die Staatsbibliothek und die Bibliothek der Humboldt-Universität in der DDR. Auch ein Großteil der übriggebliebenen Bestände befindet sich in der DDR.
ZLB
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In West-Berlin wird 1954 die Amerika-Gedenkbibliothek (AGB) errichtet. Nach Ende der Berlin-Blockade finanzieren die USA der Berliner Bevölkerung die erste deutsche "Public Library". Sie soll Bildung niedrigschwellig anbieten und ein Ort der Meinungsfreiheit sein. Der schlanke Bau am Blücherplatz in Kreuzberg wird von den Architekten Willy Kreuer und Fritz Bornemann entworfen.
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Nach der Fertigstellung wird die Bibliothek bestückt: Im Mai 1954 werden die ersten Bücherkisten in die neue Bibliothek getragen. Die Kosten in Höhe von fünf Millionen Dollar werden aus Mitteln des Marshallplans finanziert.
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Am 17. September 1954 wird die Amerika-Gedenkbibliothek (AGB) eröffnet. Drei Tage später, zur Eröffnung für Besucherinnen und Besucher, ist der Andrang groß. Die West-Berliner reißen sich um einen Leseausweis.
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Neu ist, dass Besuchende im "Freihandsystem" nach Themen stöbern und sich die gewünschten Bücher direkt aus dem Regal herausnehmen können. Die Bibliothek ist beliebt. Acht Monate nach der Eröffnung wird bereits der 500.000 Besucher gezählt. 1956 studieren diese Herren im Lesesaal der Bibliothek.
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Nicht nur Bücher, auch Schallplatten kann man in der Kreuzberger Bibliothek ausleihen. Im Januar 1958 wird die 50.000. Schallplatte in einer Hörerkabine der Musikabteilung aufgelegt.
akg
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Auch im Osten der Stadt entsteht ein Neubau: In Mitte bekommt die Stadtbibliothek 1966 zur Breiten Straße hin Zuwachs. Heinz Mehlan gestaltet eine dreigeschossige, fast vollständig verglaste Fassade, die durch schmale Aluminium-Fensterprofile und Gesims-Streifen in Muschelkalk gegliedert ist. Im Hof entsteht ein lichtdurchfluteter Flachbau.
ZLB
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Der Künstler Fritz Kühn schmiedet das schwere Eingangsportal. Es besteht aus 117 gusseisernen Varianten des Buchstaben A. Die verschiedenen Schrifttypen sollen die Vielfalt der Bücher symbolisieren.
ZLB
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Mit dem Neubau erhalten die Musikbibliothek, die Ratsbibliothek und die Sondersammlungen der Stadtbibliothek neue Räume. In der modernen Halle können Nutzerinnen und Nutzer einen Bestellschein abgeben und erhalten an der Buchausgabe ihre Bücher. 1974 zieht die Ärztebibliothek in das Haus ein.
ZLB
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Besonders viele Besuchende ziehen die Lesungen von Schriftstellenden sowohl in Ost- als auch in West-Berlin an. 1979 liest in der Stadtbibliothek die Autorin Christa Wolf aus ihrem Buch "Schatten eines Traumes".
akg-images
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Die Berliner Stadtbibliothek kann im Jahr 1993 über eine Million Bände [fabian.sub.uni-goettingen.de] verzeichnen. Dazu kommen rund 35.000 Musikalien, 73.000 Tonträger und 24.000 Kunstblätter, Grafiken und Diaserien. Die Amerika-Gedenkbibliothek kommt 1995 auf knapp 900.000 [fabian.sub.uni-goettingen.de] vorwiegend deutschsprachige Bände und weist eine große Sammlung an Büchern über Berlin auf.
ZLB
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Nach der Wiedervereinigung von DDR und BRD werden die beiden Bibliotheken in Ost- und West-Berlin - Stadtbibliothek und Amerika-Gedenkbibliothek - im Jahr 1995 zur Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) zusammengeführt.
ZLB
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Die Berliner Stadtbibliothek hat sich auf die Gebiete Medizin, Naturwissenschaften und Recht spezialisiert. Die historischen Sammlungen sowie jene über die Stadt selbst bieten umfangreiche Informationen zur Geschichte Berlins.
SZ Photo/Rolf Zöllner
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Die Kinder- und Jugendbibliothek der AGB ist die größte Deutschlands. Die AGB hat neben einer Cinemathek, einer Phonothek auch eine Artothek. In letzterer können 2.000 Originalkunstwerke ausgeliehen werden. Mit dem Bibliotheksausweis ist die Ausleihe eines Gemäldes, einer Grafik oder Fotografie kostenlos.
Picture Alliance/Annette Riedl
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Mit gut 3,4 Millionen Medien ist die ZLB mit ihren zwei Standorten heute die größte öffentliche Bibliothek Deutschlands. Bis zu 5.000 Menschen nutzen täglich das Angebot vor Ort.
Jens Gehring
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Die Gebäude aus den 50er bzw. 60er Jahren sind stark sanierungsbedürftig. Seit Jahren ringt die ZLB mit dem Berliner Senat um einen neuen Standort, an dem die Sammlungen beider Häuser untergebracht werden können. Pläne für einen Umzug in die ehemalige Galerie Lafayette in der Friedrichstraße haben sich vorerst zerschlagen. Verhandelt wird noch über einen Umzug in die Galeria Kaufhof am Alexanderplatz.
dpa
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Mit über 1,1 Millionen Besuchenden jährlich zählt die ZLB als bestbesuchte Kultureinrichtung Berlins. An einem neuen Standort soll der zur Gründung gehegte Wunsch nach Bildungsmöglichkeiten für jedermann zeitgemäß und barrierefrei möglich sein. Doch bisher gibt es keine Entscheidung für ein künftiges Zuhause der ZLB.
dpa
rbb|24: Wie können die Bibliotheken Menschen erreichen, die bisher noch nicht hingehen?
Zeltner: Wir stellen uns diese Frage hier jeden Tag. Und ich persönlich merke immer mehr, dass die Bücher zwar wichtig sind, aber nicht das einzige Lockmittel. Viele kommen von selbst, wenn sie hier gut ausgestattete und schön eingerichtete Arbeitsplätze vorfinden. Denn der Bedarf ist auf jeden Fall da. Die Menschen suchen gerade in einer Stadt wie Berlin, wo viele in sehr kleinen Wohnungen wohnen, Orte, wo sie hinkönnen. Die Bibliotheken werden als dritter Ort neben der Arbeit und dem Zuhause immer wichtiger.
rbb|24: Was wird, was muss sich künftig noch verändern?
Zeltner: Ich bin persönlich großer Fan des Trends der "Open Library". Da ist die Bibliothek im besten Fall 24/7 geöffnet – nur mit Wachschutz oder ganz auf Vertrauensbasis. Das Konzept wird andernorts schon erfolgreich umgesetzt und Berlin schaut sich das durchaus mit großem Interesse an. Das läuft im Normalfall so, dass man den Bibliotheksausweis braucht, um reinzukommen. Das kann man dann aber auch um 2 Uhr nachts machen - und da sitzt dann vielleicht eher kein Bibliothekar.
rbb|24: Wie haben das Internet und Social Media die Bibliotheken verändert? Und gilt heutzutage eigentlich noch immer: "Kein Döner im Lesesaal" und "Psst, leise!"?
Zeltner: Darum, keinen Döner im Lesesaal zu essen, würde ich immer noch bitten. Leise muss man aber nicht mehr in allen Bibliotheken sein. Gerade die erfolgreichen Bibliotheken haben Bereiche wo man leise und welche, in denen man laut sein kann. Damit sich die Menschen unterhalten und auch arbeiten können.
Das Internet hat auf jeden Fall viel verändert. Einmal sind wir ein wichtiger Ort, der Wlan und Computerarbeitsplätze anbietet. Außerdem hat sich dadurch auch in unserem Angebot viel verändert. Wir haben ja längst nicht mehr nur Bücher, sondern beispielsweise auch Streamingdienste, mit denen man Filme schauen kann.
rbb|24: Bibliotheken sind ja auch mythische Orte, die oft mit versteckten Gängen und Geheimnissen assoziiert werden. Was gibt es über Bibliotheken wirklich zu wissen, was kaum jemand weiß?
Zeltner: Wenn ich gefragt werde, was man wirklich wissen muss, dann nenne ich lieber unsere neuen Angebote und weniger die alten verstaubten Kellergänge. Die Berliner Stadtbibliothek hat ja mit ihren 125 Jahren eine lange Geschichte - da gibt es natürlich auch interessante Orte wie die historischen Sammlungen. Was aber viele gar nicht glauben wollen ist, dass ich persönlich noch nie eine Person getroffen habe, für die ich nicht das passende Angebot in der Bibliothek gefunden hätte. Wir haben Dungeons & Dragons, wir haben Schreibkurse für FLINTA, wir haben DJ-Kurse. Wenn mir jemand von seinen Interessen erzählt, ist es für mich eine richtige Challange, herauszufinden, was derjenige in der Bibliothek dazu passend finden könnte.
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Ich persönlich habe noch nie eine Person getroffen, für die ich nicht das passende Angebot in der Bibliothek gefunden hätte.
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Tabea Zeltner
rbb|24: Angeblich finden Bibliotheksmitarbeiter in zurückgegebenen Büchern mitunter bizarre Fundstücke wie alte Socken oder eingetrocknete Pizzastücke. Ist Ihnen das auch schon passiert?
Zeltner: Sowas habe ich noch nicht gefunden und ich hoffe, das bleibt auch so. Aber einmal habe ich in einem Buch, das wohl zuvor länger nicht ausgeliehen worden war, einen Kassenzettel aus meinem Geburtsmonat März 1996 gefunden. Das fand ich lustig. Meist sind das vergessene Lesezeichen.
rbb|24: Es heißt, das meistgelesene Buch in Bibliotheken sei die Bibel und das meistgeklaute das Guinessbuch der Rekorde. Deckt sich das mit Ihren Erfahrungen?
Zeltner: Ich wüsste nicht, warum Leute das Guinessbuch der Rekorde klauen sollten. Dass die Bibel wiederum viel gelesen wird, kann ich mir schon vorstellen. Es könnte aber auch sein, dass sie gern ausgeliehen wird, wenn die Schwiegermutter kommt und man sie vorweisen können möchte. Ich sehe ansonsten viele Romane und viel Fantasy über den Tisch gehen. Was bei uns aber auch sehr gut läuft, sind Sprachlernbücher. Daran merkt man, dass wir ein internationales Publikum haben.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Sabine Priess, rbb|24. Es handelt sich bei dem Beitrag um eine gekürzte und überarbeitete Fassung des Gesprächs.
Sendung: rbb|24, 06.06.2026, 10:01 Uhr
Audio: rbb|24, 06.06.2026, Sabine Priess im Gespräch mit Tabea Zeltner
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