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Fünf Jahre nach dem Afghanistan-Abzug: Lieber nicht mehr dran denken

Дата публикации: 14-08-2026 17:21:00

Der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan war eine unmögliche Mission. Und doch machten Union und SPD über Jahre mehr Gelder dafür locker. mehr...

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Cem-Odos Güler

Der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan war eine unmögliche Mission. Und doch machten Union und SPD über Jahre mehr Gelder dafür locker.

Ein Militätflugzeug auf einer Landebahn, eine Menschenschlange steht davor Menschen stehen am Flughafen von Kabul Schlange, um an Bord eines deutschen Militärflugzeugs zu gehen, am 25.8.2021

Foto: imago

E s sind harte Worte, die einer der ehemals ranghöchsten deutschen Soldaten wählt, wenn er über das Ende des Afghanistaneinsatzes vor fünf Jahren spricht. „Ich schäme mich heute noch“, schreibt Ex-General Andreas Hoppe dieser Tage in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Es geht ihm um das Ausbleiben einer Geste: Als die Soldaten aus dem nordafghanischen Masar-i-Scharif Ende Juni im niedersächsischen Fliegerhorst Wunstorf landen, steht dort außer Bundeswehrangehörigen niemand, um sie in Empfang zu nehmen.

Nicht Bundeskanzlerin Angela Merkel, die den mit Abstand blutigsten und teuersten Auslandseinsatz der Bundeswehr ihre gesamte Amtszeit lang mitverantwortete. Nicht Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, die als Verteidigungsministerin für den Truppenabzug zuständig war. Auch ein Beisein von Abgeordneten, die das Afghanistanmandat Jahr für Jahr im Bundestag verlängert hatten, ist nicht überliefert.

Obwohl längst klar war, dass die politischen Ziele mit Waffengewalt nicht zu erreichen waren, flossen immer mehr Gelder in die militärische Absicherung der Afghanistanmission. Von alldem wollte man in Berlin nichts wissen, schließlich standen im Herbst 2021 Wahlen an. Afghanistan war für die Union und die SPD ein Verliererthema, nur mit Abschiebungen und Entwicklungshilfe hoffte man noch auf ein paar Pünktchen. Ansonsten sollten die Ministerien und die Sol­da­t*in­nen den Einsatz doch bitteschön einfach abwickeln.

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Die 20-jährige Intervention der internationalen Koalition unter der Führung der USA, bei der nach Berechnungen der Brown-Universität zwischen 176.000 und 243.000 Menschen getötet und Millionen Menschen zur Flucht getrieben wurden, endete aus deutscher Sicht im niedersächsischen Hinterland. Der fehlende Empfang für die Sol­da­t*in­nen bei ihrer Rückkehr Ende Juni warf seinen Schatten voraus auf den katastrophalen Epilog, der sich dann wenige Wochen später in Kabul abspielte.

Denn während die Bundesregierung alle Entwicklungen in Afghanistan im wahrsten Wortsinne als Nebenkriegsschauplatz abtat, brachten die Taliban weite Landesteile wieder unter ihre Kontrolle. Als am 15. August 2021 dann auch Kabul an die Islamisten fiel, waren einige in Berlin tatsächlich überrascht. So musste die Bundeswehr noch mal ran, um Entwicklungshelfer*innen, europäische Staatsbürger und zumindest einige Ortskräfte aus Afghanistan zu retten, die durch die Ignoranz der Regierung den Taliban ausgeliefert wurden.

Heute sitzen Union und SPD wieder in der Regierung. Wenn sie über die Bundeswehr sprechen, wählen sie salbungsvolle Worte. Den gescheiterten Afghanistaneinsatz möchten sie so wie ihre Vor­gän­ge­r*in­nen vergessen machen. Der verweigerte Handschlag in Wunstorf darf auch das eigene Selbstbild nicht stören – dafür sind die Erwartungen, die man heute wieder an die Bundeswehr richtet, schlicht zu groß.

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Cem-Odos Güler

Cem-Odos Güler Redakteur

Berichtet seit 2023 als Korrespondent im Parlamentsbüro der taz über Verteidigungsthemen und die SPD. Studium der Sozialwissenschaften und Volkswirtschaftslehre in Köln, Moskau und London.

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