Die EU erlaubt mit einer neuen Verordnung künftig genomeditierte Lebensmittel großteils ohne Zulassung und Kennzeichnung. Kernlose Brombeeren, beruhigende Tomaten und nicht bräunende Bananen können bald auf den Teller kommen.
Neuregelung für gentechnisch veränderte Lebensmittel von kernlosen Brombeeren über beruhigende Tomaten für die EU

Ende Juli ist die Verordnung zu neuen genomischen Techniken in der EU in Kraft getreten: Viele neue gentechnisch veränderte Pflanzen werden dadurch künftig den konventionell gezüchteten Sorten weitgehend gleichgestellt. Schnell wachsende Salate, nicht-bräunende Bananen und kernlose Brombeeren könnten die ersten Neulinge sein.
Bisher konnte es einem allenfalls im Urlaub in Asien oder Amerika passieren, dass man gentechnisch veränderten Reis oder ähnliche gentechnisch veränderte Feldfrüchte direkt aß. In der EU waren vorrangig gentechnisch veränderte Futtermittel in Umlauf. Das wird sich künftig ändern: Im Juli ist eine Verordnung zur Neuregelung der so genannten neuen genomischen Techniken in Kraft getreten. Damit sind Pflanzen gemeint, deren Erbgut maßgenau mit Genscheren zurechtgeschneidert wird. Sie sind gentechnisch verändert, artfremdes Erbmaterial enthalten sie in aller Regel jedoch nicht. Solche NGT-Pflanzen – NGT für "Neue Gentechnik – gibt es in Australien, Japan, Kanada und den USA schon. Bei den meisten sind weniger als 20 Buchstaben des genetischen Codes umdesignt. Solche Pflanzen werden mit der neuen Verordnung konventionellen Sorten im Wesentlichen gleichgestellt: Sie dürfen künftig in der EU ohne Zulassung, ohne Risikobewertung und Kennzeichnung vermarktet werden.
Es liegt nahe, dass dieselben oder vergleichbare Produkte in die EU gelangen. Was kommt künftig auf den Tisch?
Eines der ersten NGT-Gemüse in den USA war ein genomeditierter Senfsalat, den das kalifornische Start-up Pairwise 2023 herausbrachte. Bunt und ein bisschen wie junger Spinat sehen diese Blätter aus. Was dem Unternehmen aber wichtig war: Sie schmecken nicht mehr so scharf, dass einem die Tränen in die Augen steigen wie das bei Senfsalat sonst der Fall wäre: „Wir haben diesen strengen Wasabi-Geschmack aus den Blättern entfernt“, berichtet der Technologie-Manager Ryan Bartlett. 17 Myrosinase-Gene wurden dafür gezielt mithilfe von Genscheren deaktiviert. Das Enzym Myrosinase sorgt nämlich dafür, dass die scharfen Senföle beim Kauen im Mund entstehen.
Pairwise kooperiert mit dem Agrarchemieunternehmen Bayer. Man werde den neuen Salat in das Portfolio integrieren, heißt es dort. Bayers Schwerpunkt liegt aber darauf, den Massenkulturen Soja, Mais, Baumwolle, Weizen und Raps mithilfe neuer genomischer Techniken fehlende Wunschmerkmale zu verleihen.
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