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Der traurige Mensch hinter der Maske: „Spider-Man: Brand New Day“

Дата публикации: 28-07-2026 15:26:45

Im vierten Teil der Saga droht Peter Parker hinter seiner eigenen Legende zu verschwinden, als plötzlich Merkwürdiges mit ihm geschieht.

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Spider-Man oder Peter Parker. Das vierte Einzelabenteuer des freundlichen Superhelden wird zur Grundsatzfrage nach der eigenen Identität. Denn zum Erwachsenwerden gehört der Moment, in dem niemand mehr da ist, der einen auffängt. „Spider-Man: Brand New Day“ erzählt von genau diesem Moment. Ohne Netz. Und ohne doppelten Boden. Peter Parker (Tom Holland) ist zum ersten Mal wirklich auf sich allein gestellt. Tony Stark ist tot, Tante May ebenfalls. Doctor Strange hat ihn vergessen, Happy Hogan weiß nicht mehr, wer er ist. Die Menschen, die ihm Orientierung gegeben haben, existieren nur noch als Erinnerung. Wenn überhaupt. Peter bleibt nur Spider-Man, bezahlt jeden Sieg mit etwas, das sich nicht zurückholen lässt: einer Freundschaft, einer Liebe oder einem Stück seines alten Lebens.

Denn nach den Ereignissen von „No Way Home“ vor fast fünf Jahren kennt niemand mehr den jungen Mann hinter der Maske. MJ erinnert sich nicht an ihn. Ned ebenso wenig. Spider-Man ist berühmt, Peter Parker dagegen praktisch ausgelöscht, fristet ein einsames Dasein in einem ausgebauten Dachboden hoch über den Dächern von Queens. Seine einzigen Kontakte zur Außenwelt sind seine KI-Assistentin und regelmäßige Telefonate mit Detective DeWolff. Ausgerechnet der Held, der ständig andere rettet, muss akzeptieren, dass sich manche Verluste nicht rückgängig machen lassen.

Regisseur Destin Daniel Cretton interessiert sich hier erstaunlich wenig für den nächsten Weltuntergang. Ihn interessiert der Mensch hinter der Maske. Peter versucht, die Leerstelle in seinem Leben mit Spider-Man zu füllen. Jede Mission ersetzt eine Beziehung, jede Rettung soll den Schmerz betäuben, von der Leere und Langeweile in seinem Leben ablenken, ihn daran hindern, zu sehr MJ und Ned hinterherzutrauern. Irgendwann droht Peter Parker hinter seiner eigenen Legende zu verschwinden. Auch deshalb ist die neue Mutation im Film mehr als ein Comic-Effekt. Peters Sinne spielen verrückt, organische Netze brechen plötzlich aus seinem Körper, ein Inhibitor soll die Spinnenhormone kontrollieren. Natürlich ist das Comiclogik. Gleichzeitig beschreibt sie aber erstaunlich präzise dieses Lebensgefühl Anfang zwanzig, wenn der Körper schneller Veränderungen durchmacht als der Mensch selbst.

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Tom Holland trägt den Film mit einer Leichtigkeit, die leicht zu unterschätzen ist. Viele Schauspieler würden Peter Parker nach den Ereignissen von „No Way Home“ gebrochen oder zynisch spielen. Holland bewahrt sich sein eigenes Staunen. Mitten in einer grandiosen Actionszene gegen eine Gruppe rotgekleideter Ninjas hält er plötzlich inne, schaut sich um und sagt grinsend: „Das ist so cool.“ Ein kurzer, beiläufiger Satz, der seine Spielfreude auf den Punkt bringt. Ein kindliches Staunen über seine eigene Arbeit. Noch immer kann er nicht glauben, dass ausgerechnet er Spider-Man spielen darf.

Überhaupt findet der Film einen erstaunlich sicheren Ton. Spider-Man im Hamam bei Black Widow (Florence Pugh), eine kurze Unterhaltung mit Dr. Eric Banner (Mark Ruffalo) auf dem Campus, eine WG-Party bei MJ (Zendaya) und Ned (Jacob Batalon). Die kleinen Gags entstehen aus Peters Blick auf die Welt und nicht aus dem Reflex, jede ernste Szene sofort mit einem lockeren Spruch auflösen zu müssen. Weil man das bei Marvel eben schon immer so gemacht hat.

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Auch die Action bleibt angenehm geerdet, wenn auch über den Wolken. Das Schwingen durch die Hochhäuser Manhattans macht wieder genau das, was Spider-Man immer ausgezeichnet hat. Es vermittelt Freiheit. Man fliegt mit Peter durch die Straßenschluchten, spürt Tempo und Höhe. Die Trennlinie zwischen Film und Computerspiel verschwimmt immer mehr.

Der Film nimmt seinem Helden dabei konsequent jedes Sicherheitsnetz. Nicht nur die Mentoren sind verschwunden. Auch MJ steht längst für mehr als eine verlorene Liebe. Sie erinnert Peter an ein Leben, das er nie zurückbekommen wird. Er kämpft nicht um ihre Zuneigung, aber trauert um die Version seiner selbst, die mit ihr möglich gewesen wäre. Ausgerechnet der junge Mann, der täglich andere Menschen rettet, findet keinen Weg zurück in sein eigenes Leben. Während Spider-Man New York rettet, muss Peter Parker diesmal lernen, ohne Netz und doppelten Boden zu leben. Und sich dabei nicht zu verlieren. Sein bisher größter Kampf in einem seiner besten Filme.

Action/Science-Fiction, USA 2026, 145 min., von Destin Daniel Cretton, mit Tom Holland, Zendaya, Mark Ruffalo *****

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