Lucie ist eine der jungen Lehrerinnen, die ihre Vollzeitstelle verliert, obwohl sie sich ein Leben im Schuldienst aufgebaut hatte. Ab 14. August steht die junge Belgierin ohne Gehalt da.
Lucie ist eine der jungen Lehrerinnen, die ihre Vollzeitstelle verliert, obwohl sie sich ein Leben im Schuldienst aufgebaut hatte. Ab 14. August steht die junge Belgierin ohne Gehalt da.
Lucie schloss 2024 ihren Master ab und fand schnell eine Stelle als Französischlehrerin nahe ihrem Wohnort, der Stadt La Louvière im Süden Belgiens. Die Newsplattform „Sudinfo“ berichtet, dass sie mit 17 Wochenstunden startete. Diese sanken bald darauf auf fünf, weil die übrigen offenen Stunden an dienstältere Kolleginnen und Kollegen gingen.
Um an der Schule bleiben zu können, unterrichtete sie zeitweise Fächer, für die sie nicht speziell ausgebildet war. Im folgenden Jahr erhielt sie endlich eine Vollzeitstelle – doch die Reform der Regierung stellt diese Perspektive wieder infrage, schreibt „Sudinfo“.
Die Reform erhöht die Pflichtstundenzahl von Lehrkräften der Sekundarstufe II von 20 auf 22 Stunden. Oft werden die verfügbaren Stunden an Kollegen mit höherem Dienstalter verteilt – wodurch Lucie ihre Vollzeitstelle zum neuen Schuljahr wieder verliert. Ab Mitte August wird sie kein Gehalt mehr erhalten.
Lucie hatte ihr Leben auf eine Zukunft im Schuldienst ausgerichtet, ist umgezogen und hat sich ein Auto gekauft. „Ich habe das Gefühl, dass ich schon immer daran gehindert wurde, den Job zu machen, den ich liebe“, sagt sie „Sudinfo“. Mittlerweile sei sie bereit, in einer Bank, bei einer Versicherung oder in einem anderen Bereich zu arbeiten.
Lucie kritisiert nicht den Lehrerberuf, sondern die Strukturen, die jungen Lehrkräften zu wenig Sicherheit geben: „Nicht den Unterricht verlassen wir, sondern das System.“ Auch weitere Lehrerinnen berichten der Newsplattform über ihren Abschied aus der Schule.
Auch in Deutschland arbeiten viele Lehrkräfte in Teilzeit. Trotz Lehrkräftemangel war die Quote im Schuljahr 2024/25 auf dem höchsten Niveau seit 2009: 44 Prozent der rund 750.000 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen arbeiteten in Teilzeit, wie das Bildungsmagazin „News4Teachers“ berichtet. Bei Lehrerinnen waren es 51 Prozent, bei Lehrern 23 Prozent.
Zugleich war mehr als jede dritte Lehrkraft mindestens 50 Jahre alt. Elf Prozent waren Quer- oder Seiteneinsteiger ohne anerkannte Lehramtsprüfung.