Ein Vater wird nach der Rettung seines Kindes eindringlich gewarnt. Stunden später müssen auch seine beiden anderen Kinder gerettet werden.
Ein Vater wird nach der Rettung seines Kindes eindringlich gewarnt. Stunden später müssen auch seine beiden anderen Kinder gerettet werden.
Als ich den Bericht aus Senden gelesen habe, hat mich nicht die erste Rettung sprachlos gemacht. Um was geht es? Die „Neu-Ulmer Zeitung“ berichtet: Am nördlichen Waldsee in Senden musste die BRK-Wasserwacht mehrfach wegen derselben Familie eingreifen. Zunächst retteten die Einsatzkräfte ein unbeaufsichtigtes, etwa dreijähriges Kind aus hüfttiefem Wasser und ermahnten den Vater, besser auf seine Kinder zu achten.
Am Abend mussten sie erneut eingreifen, als zwei weitere Kinder der Familie (etwa fünf und sieben Jahre alt) neben einem Steg mehrfach unter Wasser gerieten und den Halt verloren. Die Wasserretter konnten beide Kinder rechtzeitig retten. Alle drei Kinder blieben unverletzt.
Besonders diese Sätze aus dem Bericht machen nachdenklich: „Der Vater sei daraufhin ermahnt worden, besser auf seine Kinder aufzupassen. Leider wirkte die Ermahnung nicht nachhaltig.“
Was mich fassungslos zurückgelassen hat, war: Ein Kind wird gerettet, der Vater wird auf seine Aufsichtspflicht hingewiesen und nur wenige Stunden später müssen zwei weitere Geschwister derselben Familie erneut aus einer lebensgefährlichen Situation gerettet werden.
Wer mit kleinen Kindern an einen Badesee oder ins Freibad fährt, übernimmt die Verantwortung vom Betreten bis zum Verlassen des Geländes. Diese Verantwortung endet nicht, weil das Handy klingelt, ein Gespräch interessanter wird oder man glaubt, ältere Geschwister würden schon aufpassen.
Genau das können sie nicht. Kinder sind keine Aufsichtspersonen. Sie wollen selbst spielen, springen und Spaß haben. In einer Notsituation sind sie genauso überfordert wie jeder andere Gleichaltrige.
Viele Menschen haben noch immer das falsche Bild vom Ertrinken im Kopf. Sie erwarten Schreie, wildes Winken und laute Hilferufe. Die Realität sieht völlig anders aus. Kinder kämpfen oft lautlos um ihr Leben.
Sie verschwinden innerhalb weniger Sekunden unter der Wasseroberfläche. Wer in diesem Moment nicht hinsieht, bemerkt den Notfall häufig erst, wenn es zu spät ist.
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Mich beschäftigt noch eine andere Frage. Wenn Kinder innerhalb weniger Stunden mehrfach gerettet werden müssen und eine vorherige Belehrung nichts verändert, sollte dann nicht geprüft werden, ob Polizei oder sogar das Jugendamt informiert werden müssen?
Mir geht es dabei nicht darum, Eltern an den Pranger zu stellen. Mir geht es ausschließlich um den Schutz der Kinder. Wer wiederholt zeigt, dass er seiner Verantwortung am Wasser nicht gerecht wird, muss damit rechnen, dass weitere Stellen eingeschaltet werden. Das sollte keine Bestrafung sein, sondern eine Maßnahme, um Kinder vor noch größerem Schaden zu bewahren.
Bei aller Diskussion über die Verantwortung der Eltern dürfen wir eines nicht vergessen. Dass diese Geschichte heute nicht tragisch endete, verdanken wir den Frauen und Männern der Wasserwacht. Sie leisten ihren Dienst ehrenamtlich. Sie opfern ihre Freizeit, stehen bei Hitze stundenlang am Wasser und greifen ein, wenn andere in Not geraten.
Viele Badegäste nehmen ihre Anwesenheit als selbstverständlich wahr. Das ist sie nicht. Ohne dieses Engagement würden viele Unfälle deutlich schlimmer ausgehen. Die Einsatzkräfte verdienen nicht nur Respekt, sondern unsere volle Unterstützung und Anerkennung.
Der Fall aus Senden zeigt für mich vor allem eines. Wasser verzeiht keine Nachlässigkeit. Nach einer ersten Rettung und einer deutlichen Belehrung darf es keine zweite lebensgefährliche Situation mehr geben.
Eltern tragen die Verantwortung für ihre Kinder. Wasserwacht und Badpersonal sorgen für Sicherheit. Wer diese Verantwortung wiederholt ignoriert, darf nicht nur mit einer Ermahnung nach Hause gehen. Denn beim nächsten Mal gibt es vielleicht niemanden mehr, der rechtzeitig ins Wasser springt.
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