Nach mehr als 20 Jahren auf der Insel wurde Nancy Mensah im Juli nach Ghana abgeschoben. Ihren pflegebedürftigen Partner musste sie zurücklassen.
Nach mehr als 20 Jahren auf der Insel wurde Nancy Mensah im Juli nach Ghana abgeschoben. Ihren pflegebedürftigen Partner musste sie zurücklassen.
Nach rund 24 Jahren auf Borkum ist Nancy Mensah am 14. Juli nach Ghana abgeschoben worden. Die Ausländerbehörde des Landkreises Leer hatte ihren Antrag auf Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis im Februar 2026 abgelehnt, da die rechtlichen Voraussetzungen fehlten. Darüber berichtet „Borkum Aktuell“.
Nach Ablauf einer Frist zur freiwilligen Ausreise und einem erfolglosen Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht Oldenburg vollzog die Polizei am 13. Juli den Zugriff.
Laut Behörden begründeten weder der langjährige Aufenthalt noch Mensahs feste Anstellung in einer Borkumer Rehaklinik, die Partnerschaft oder die angekündigte, aber nicht vollzogene Ehe ein Bleiberecht.
„Die Abschiebung von Nancy Mensah nach 24 Jahren in Deutschland ist durch nichts zu rechtfertigen“, kritisiert der Flüchtlingsrat Niedersachsen. „Selbst wenn sie rechtlich zulässig gewesen sein mag, war sie nicht alternativlos: Der Landkreis Leer hätte seine Handlungsspielräume nutzen müssen, um Nancy Mensah eine Bleibeperspektive zu eröffnen, statt sie abzuschieben.“
Für Mensah und ihren pflegebedürftien Lebensgefährten kam die Abholung nach Feierabend völlig überraschend. Als sie an diesem Tag von der Arbeit nach Hause kehrte, um sich um ihren Partner zu kümmern, überraschten die Einsatzkräfte sie. Die Abschiebung erlebt Mensah, die nun bei ihrer Schwester nahe Kumasi lebt, als schwer traumatisierend. In Ghana hat sie weder Einkommen, funktionierende Bankkarten noch eine Krankenversicherung und ist vollständig auf finanzielle Hilfe aus Deutschland angewiesen.
Ihr Lebensgefährte, der gesundheitlich eingeschränkt ist und nur eine geringe Rente bezieht, blieb allein zurück. Seine Versorgung wird vorübergehend von Angehörigen und Freunden gestemmt; zudem droht der Verlust der gemeinsamen Wohnung. Das Paar setzt nun Hoffnung auf eine Eheschließung in Ghana, um eine Rückkehr via Familienzusammenführung zu erwirken.
Der Vorfall sorgt auf Borkum für Unverständnis, auch bei ihrem bisherigen Arbeitgeber, der Klinik „Kur & Reha Borkum“. Mensah war dort über mehrere Jahre in der Reinigung und Hauswirtschaft tätig. Klinikleiterin Christina Schmock bedauerte den abrupten Verlust einer integrierten Mitarbeiterin – gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels.
Politische Kritik kommt von den Borkumer Grünen, die von einem „fatalen Zeichen“ und verfehlter Abschiebepolitik sprechen, sowie von der SPD, die eine stärkere Berücksichtigung beruflicher und gesellschaftlicher Integration im Aufenthaltsrecht fordert. Eine private Spendeninitiative sammelt derweil 5000 Euro für Anwaltskosten und Beckers Reise nach Ghana.
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