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Vor Ceuta ertranken 100 Migranten: „Baden fühlt sich komisch an, wo Leichen sein könnten”

Дата публикации: 05-08-2026 18:19:00

Ceuta versucht, nach dem Ansturm von zehntausenden Migranten aus Marokko langsam zur Normalität zurückzufinden. Inzwischen baden die Einwohner sogar wieder im Meer unweit des Ortes, wo vor Kurzem rund 100 Menschen ertranken. Es gibt auch welche, die kein gutes Gefühl dabei haben.

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Ceuta versucht, nach dem Ansturm von zehntausenden Migranten aus Marokko langsam zur Normalität zurückzufinden. Inzwischen baden die Einwohner sogar wieder im Meer unweit des Ortes, wo vor Kurzem rund 100 Menschen ertranken. Es gibt auch welche, die kein gutes Gefühl dabei haben.

Wer jetzt an der Playa del Chorrillo entlangspaziert und nicht weiß, was sich hier nahe der Grenze zu Marokko vor wenigen Tagen ereignet hat, findet keine Anzeichen mehr, die auf das Chaos hinweisen.

Stattdessen sieht man etliche Dutzend Sonnenschirme, die im dunklen, heißen Sand stehen, ordentlich ausgebreitete Badetücher, viele Strandliegen. Und dazwischen badende Erwachsene und Kinder, die mit Schwimmreifen im Wasser spielen.

Nur 2,5 Kilometer vom Strand am Grenzübergang Tarajal entfernt, wo an den letzten beiden Julitagen rund 100 Menschen ertranken: Playa del Chorrillo.

Nur 2,5 Kilometer vom Strand am Grenzübergang Tarajal entfernt, wo an den letzten beiden Julitagen rund 100 Menschen ertranken: Playa del Chorrillo. Ulf Lüdeke / FOCUS online
Strandbesucher in Ceuta: „Fühlt es sich schon komisch an“

Klar ist: An genau dieser Südostküste von Ceuta, vor dem Grenzübergang Tarajal, der rund zwei Kilometer entfernt ist, ertranken vergangene Woche rund 100 meist junge Migranten. Polizei und Rettungskräfte gehen davon aus, dass die Zahl der Todesopfer noch weiter ansteigen könnte und weiterhin Leichen in dem Wasser vor Ceuta treiben.

Ein etwa 35 Jahre alter Familienvater, der – Strandliege und Sonnenschirm unterm Arm – gerade mit Frau und Tochter im Begriff ist, die Playa del Chorillo zu verlassen, ist sich dessen bewusst.

„Natürlich muss ich immer wieder an diese Tragödie denken. Und es gibt Momente, da fühlt es sich schon komisch an, im Meer zu baden, im Wissen, dass dort noch immer Leichen sein können“, sagt der Mann und schaut betreten zu Boden.

Doch verzichten möchte er mit seiner Familie trotzdem nicht darauf. „Die vergangenen Tage waren wirklich hart für jeden in Ceuta. Ein Stück Normalität ist nach dem Schock wieder zurückgekehrt, wie man ja hier sehen kann.“ Bis jedoch wieder alles so sei wie vor dem Migrantenansturm, werde es noch einige Zeit dauern. „Ein bisschen Erholung ist jetzt besonders wichtig.“

Die meisten Strandbesuchern wollen einfach nur genießen

So sehen das die meisten Strandbesucher. Sie genießen die Sonne und das Wasser und machen sich wenig Gedanken darüber, was geschehen ist oder was noch passieren könnte.

Zwei junge Männer Mitte 20, die unter einem Strohsonnenschirm gerade einen Joint rauchen, schütteln den Kopf, als der Reporter sie fragt, ob ihnen das Baden jetzt nicht unbehaglich sei. „Nein“, sagt einer der beiden, der in Belgien lebt und für den Sommer zu seinen Eltern nach Ceuta zurückgekommen ist, „darüber mache ich mir keine Gedanken“.

Viel mehr beschäftige ihn die Frage, wie viele illegale Migranten sich noch immer in Ceuta aufhalten. „Ich habe nichts gegen Migranten, schon gar nicht aus Marokko, weil meine Familie selbst aus Marokko stammt und hier vor drei Generationen eingewandert ist.“ Er habe Verwandte dort, die Familie besitze sogar ein Haus. Und wenn er einem Migranten helfen könne, sei das für ihn eine Selbstverständlichkeit.

„Aber wenn dann plötzlich Hunderte vor deinem Haus stehen und anfangen, dich zu bedrohen und frech zu werden, dann ist das nicht mehr lustig. Dann würde ich das Haus im Zweifelsfall auch verteidigen“, sagt der Mann, der seinen Namen nicht nennen will, wütend.

Badende an der Playa del Chorrillo fünf Tage nach Migrantenanstrum auf Ceuta.

Badende an der Playa del Chorrillo fünf Tage nach Migrantenanstrum auf Ceuta. Ulf Lüdeke / FOCUS online
„Das ist ja doch ein Stückchen weg“

Drei vornehme, ältere Frauen aus Ceuta, die in ihren Liegestühlen die späte Nachmittagssonne genießen, haben sich darüber bislang noch keine Gedanken gemacht. „Wir waren gestern das erste Mal wieder hier am Strand und auch im Wasser. Das ist ja doch ein Stückchen weg vom Grenzübergang am Tarajal, wo sich die Katastrophe im Meer ereignet hat“, sagt eine der drei, die wie alle anderen anonym bleiben möchte.

Was sie und ihre Freundinnen hingegen „richtig enttäuscht“, ist, dass die Regierung von Pedro Sanchez in Madrid ständig versuche, die Zahlen herunterzuspielen, um das Problem kleiner erscheinen zu lassen, als es sei. „Premier Sanchez hat lange behauptet, es seien 50.000 gewesen, die gekommen seien, bis dann das Innenministerium die Zahl auf 60.000 nach oben korrigierte.“ Gleiches gelte für die illegalen Migranten, die immer noch hier seien. Sanchez erklärte, es seien 2500, der Präsident von Ceuta hingegen spreche von bis zu 5000.

Doch der Ärger über die Politik verschwindet an diesem Tag im Sand am Strand. „Trotz allem“, fügt die ältere Frau hinzu, „wollen wir es uns nicht nehmen lassen, das Meer genießen zu können“.

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