150 Jahre lang galt ein Bibliotheksbuch als verschwunden, bis eine Familie es zufällig in ihrem Kamin entdeckte. Die Verspätungs-Gebühr hätte mehr als 17.000 Euro betragen.
150 Jahre lang galt ein Bibliotheksbuch als verschwunden, bis eine Familie es zufällig in ihrem Kamin entdeckte. Die Verspätungs-Gebühr hätte mehr als 17.000 Euro betragen.
In einer Teekiste, eingemauert im hauseigenen Kamin, entdeckte eine Familie im australischen Kiama eine verstaubte Ausgabe des Buches The Antiquities of Athens.
Doch was ein potenziell seltenes und wertvolles Exemplar hätte sein können, drohte stattdessen, für die Familie zur finanziellen Bürde zu werden. Denn die Ausgabe gehört der Bibliothek des Ortes in New South Wales und hatte in rund 150 Jahren Ausleihe 28.000 australische Dollar (circa 17.110 Euro) an Strafe gesammelt, wie ABC News erklärt.
Zum Glück der Familie verlangt die Bücherei jedoch keine Bußgelder mehr, somit sind die drei Pence für jede der über 7800 Wochen hinfällig. „Sie wissen nicht, woher es stammt, aber es ist schön, dass jemand dachte, das wäre etwas Besonderes für die Bibliothek. Und das ist es auch“, so Bibliothekarin Michelle Hudson.
In der Bücherei von New South Wales bekommt The Antiquities of Athens jetzt einen Sonderplatz im Regal der historisch relevanten Werke. Laut Hudson wolle man so dafür sorgen, dass die Mitglieder der Gemeinde etwas über das kulturelle Erbe und die Kultur erfahren. Auch die Familie, die das Buch fand, soll aufgrund der Rückführung gewürdigt werden.
Wer sich gefragt hat, wie die Bestimmungen für das Ausleihen von Büchern im Jahr 1872 aussahen, wird im Einband fündig. Nicht nur durften Personen im betrunkenen Zustand kein Exemplar mit nach Hause nehmen, bei ungebührlichem Verhalten drohte zudem eine Strafe von fünf Schilling.
In den späten 1860er- und 1870er-Jahren erlebte die Bücherwelt eine echte Revolution, wie ein Artikel der University of Huddersfield erklärt: Bibliotheken wandelten sich schrittweise von exklusiven Bildungsvereinen für die Oberschicht (sogenannte Mechanics’ Institutes), zu frei zugänglichen Büchereien für die breite Bevölkerung.
Wie die Cambridge University dokumentiert, rollte damals eine regelrechte Welle neuer Gesetze durch Großbritannien, die USA und Kolonien wie Australien. Städte durften plötzlich Steuern nutzen und gründeten hunderte kostenlose Kommunalbibliotheken.
Statt digitaler Verzeichnisse gab es damals nur Bücher, die handschriftlich Gebühren auflisteten. Genau das war das Glück der Familie in Kiama: Das Ausleihregister aus den 1870ern ging im Laufe der Jahrzehnte einfach verloren, wie der „Guardian“ berichtet. Sonst hätte die enorme Strafe womöglich bezahlt werden müssen.
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