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Tötete Liebhaber: Ermittlerpannen erlauben Angela die Flucht

Дата публикации: 03-08-2026 11:51:00

Die nach monatelanger Flucht gefasste Tatverdächtige Angela R. soll ihren Freund in Castrop-Rauxel aus Rache erstochen haben. Nach der Tat gab es offenbar schwere Ermittlungspannen.

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Die nach monatelanger Flucht gefasste Tatverdächtige Angela R. soll ihren Freund in Castrop-Rauxel aus Rache erstochen haben. Nach der Tat gab es offenbar schwere Ermittlungspannen.

Die Nachricht von der Festnahme in Litauen hellte die Stimmung der Eltern von Onur in Castrop-Rauxel ein wenig auf. „Endlich haben sie das Mädchen“, heißt es. 20.000 Euro hatte das türkische Ehepaar für Hinweise zur Ergreifung der mutmaßlichen Mörderin ihres Sohnes ausgesetzt.

Zielfahnder des Landeskriminalamts NRW hatten die Jugendliche Angela R. nach fünfmonatiger Flucht in der Hafenstadt Klaipeda in Litauen im Juni aufgestöbert und festnehmen lassen. Inzwischen wurde die Deutsch-Russin an die hiesige Justiz ausgeliefert.

Staatsanwaltschaft Dortmund wirft Tatverdächtiger heimtückische Tat vor

Die Staatsanwaltschaft Dortmund wirft ihr heimtückischen Mord vor. Mitte Januar soll sie ihren gleichaltrigen Freund Onur in eine Falle gelockt und mit einem gezielten Stich in den Hals getötet haben. Ihr Strafverteidiger Burkhard Kapteinat pocht hingegen auf die Unschuldsvermutung und ging im Gespräch mit dem WDR zuletzt weiterhin davon aus, „dass eine Notwehrsituation vorgelegen hat und mein Ziel ist natürlich ein Freispruch“.

Nach FOCUS-online-Recherchen soll sich die Tatverdächtige, die offenbar in einem erzkonservativen Elternhaus aufgewachsen ist, höchst unglücklich darüber gewesen sein, vor ihrer Hochzeit mit einem Jungen geschlafen zu haben. Deshalb musste Onur offenbar sterben. Das Motiv soll demzufolge Rache gewesen sein. Angela R. soll ihren Geliebten nämlich dafür verantwortlich gemacht haben, dass sie sich zu sexuellen Handlungen bereit erklärt hatte.

Onur bricht blutüberströmt auf Straße zusammen

Das Geschehen nimmt am 14. Januar seinen Lauf und stellt sich nach Ansicht der Ermittler so dar: Per Chat lockt Angela R. ihren Lover auf die Terrasse eines verlassenen Hauses. Onur glaubt an ein neues Liebesdate, doch seine Freundin zückt bald ein Messer und sticht ihm in den Hals.

Das Opfer versucht zu flüchten, schleppt sich blutüberströmt zu einer nahegelegenen Bushaltestelle. Am Straßenrand bricht Onur zusammen. Er stirbt infolge des großen Blutverlustes.

Ermittler: Wohl schwerwiegende Fehler bei der Vernehmung

Schon bald führt die Spur zu Angela R. Die Polizei nimmt das Mädchen zunächst in Polizeigewahrsam. Die Staatsanwaltschaft wies bei bisherigen Anfragen den Verdacht stets zurück, dass es in dem Fall zu Ermittlungspannen gekommen ist. FOCUS-online-Recherchen weisen hingegen daraufhin, dass das Gegenteil der Fall ist.

Der wohl erste Fehler: Mangels ausreichender Kommunikation vergessen die Einsatzkräfte, der Tatverdächtigen ihr Handy abzunehmen. Und so hat Angela R. offenbar rund 15 Minuten Zeit, alle belastenden Chats zu ihrem mutmaßlichen Mordopfer zu löschen. Als die Polizei den Fauxpas bemerkt, wird das Mobiltelefon sichergestellt. Die kompromittierenden Daten sind zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits aus dem Speicher entfernt. Insofern weiß zunächst niemand etwas von der Beziehung zwischen der Beschuldigten und Onur. Die Ermittler weisen die Pannen-Vorwürfe auf Anfrage zurück.

Die Schülerin schildert den Ermittlern im Beisein ihres Verteidigers ihre Version der Abläufe. Zunächst will sie auf dem Weg zur Fahrschule von einem Unbekannten bedroht worden sein. Dann soll Onur versucht haben, sie zu vergewaltigen. Wie genau, das wirkt auf Ermittler einstudiert, erfuhr FOCUS online. Und dann gesellen sich weitere Ungereimtheiten dazu, die selbst die Mordkommission in Recklinghausen stutzig machen.

Vernehmungsbeamte hinterfragen Aussagen der Schülerin

Zunächst will die Beschuldigte Onur mit einer Glasscherbe getötet haben, doch nach hartnäckigem Nachfragen erzählt sie eine andere Geschichte. Unter ihrem Körper will das Mädchen überraschend ein altes Messer gefunden und zugestochen haben. Aus ihrer Sicht ein Akt von Notwehr.

Die Vernehmungsbeamten geben sich mit dieser Version nicht zufrieden. Wie denn das Messer ausgesehen habe, wollen sie wissen. So genau kann Angela R. diese Frage nicht beantworten. Die Tatwaffe sei völlig verrostet gewesen. Onurs Tod habe sie nicht gewollt, beteuert die mutmaßliche Messerstecherin. Die Tatwaffe wurde nie gefunden. Trotz dieser Widersprüche kommt die Tatverdächtige frei. Der Staatsanwalt widerspricht einer Vorführung vor den Haftrichter.

IT-Forensiker rekonstruieren Handy-Daten der Tatverdächtigen

Am 20. und 21. Januar können die IT-Forensiker der Polizei die ersten verräterischen Handy-Chats rekonstruieren. Auf Englisch vermerkt Angela R. in einer Handy-Notiz, dass sie einen Mann töten will. Zudem finden sich Google-Anfragen. Unter anderem wurde die Frage eingegeben, wie man am schnellsten mit einem Halsstich mordet. Auch stellte die Rechtsmedizin keine Verletzungen an ihrem Körper fest, die eigentlich typisch für eine versuchte Vergewaltigung wären.

Immer noch steht das abschließende Handy-Gutachten aus. Zwei Tage später suchen Präventionspolizisten vormittags die Wohnadresse der Tatverdächtigen auf. Die Beamten finden das Mädchen mitsamt Mutter auf der Couch vor. Besorgt erkundigen sie sich nach dem Zustand von Angela R. Zu diesem Zeitpunkt ist offenbar noch nicht durchgedrungen, dass man längst tatverdächtige Mobiltelefon-Daten gefunden hat.

Angela R. kann flüchten

Am frühen Nachmittag stellt sich anhand von Chats heraus, dass der Teenager seit einigen Monaten eine sexuelle Beziehung zu dem späteren Opfer unterhalten hat. Dies beweist, dass Angela R. gelogen hat. Im Verhör jedoch beteuert sie, dass es keine Liebesaffäre gegeben habe. Spätestens am 23. Januar wissen die Ermittler davon. Doch zunächst passiert nichts.

Vielmehr vergehen drei weitere Tage, bis ein Haftbefehl wegen Mordes ergeht. Als sich jedoch die Todesermittler zur Adresse der Eltern begeben, sind beide nicht zu Hause. Bei einem Telefonat mit dem Vater erklärt dieser, seine Tochter zu einer Verwandten gebracht zu haben – aus Furcht vor Rache.

Opfer-Familie bekommt Gefährderansprache

Alles Weitere solle man nun über den Strafverteidiger Kapteinat klären. Die Tatverdächtige wird zur öffentlichen Fahndung ausgeschrieben. Der Anwalt teilt den Strafverfolgern mit, dass seine Mandantin vermutlich zu einer Tante nach Rumänien geflüchtet sei.

Unterdessen suchen zwei Beamte die Opferfamilie Salbas auf. Nachdem sie Vater Sevket und Mutter Nazli über die neue Wendung im Fall unterrichtet haben, reagieren diese tief getroffen. Zugleich versichern sie, dass sie keine Vergeltung vorhaben. Doch die Besucher der Polizei lassen nicht locker und halten eine sogenannte Gefährderansprache. Dabei erfährt die Familie, dass ihr Sohn mutmaßlich ermordet wurde – eine für die Familie von Onur absurde und schwer zu ertragende Situation.

Eltern von Onur fordern ein gerechtes Urteil

Zu den Geschehnissen befragt, erklären Onurs Eltern: „Wir hatten schon fast die Hoffnung verloren – und sind nun sehr glücklich, dass die mutmaßliche Mörderin unseres Sohnes endlich hinter Schloss und Riegel ist.“ Die Geschichte, sie sei angeblich Vergewaltigungsopfer ihres Sohnes geworden und habe in Notwehr gehandelt, „glaubt ihr sicherlich niemand mehr“.

Mutter und Vater ist es besonders wichtig, „dass der Ruf unseres Sohnes wiederhergestellt und ein gerechtes Urteil gesprochen wird“. Opferanwalt Burkhard Benecken aus Marl spricht von einem „der kaltblütigsten Teenager-Morde der Rechtsgeschichte“. In der Hauptverhandlung werde man alles daransetzen, die Hintergründe des Verbrechens aufzuklären.

„Dies ist für die Eltern Onurs essentiell – richtig abschließen werden sie mit diesem furchtbaren Verbrechen wohl nie können.“

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