Viele Menschen geben an, ihren Sitzplatz für Schwangere oder ältere Personen freizumachen. Eine Umfrage zeigt, wie sich das im Alltag widerspiegelt.
Viele Menschen geben an, ihren Sitzplatz für Schwangere oder ältere Personen freizumachen. Eine Umfrage zeigt, wie sich das im Alltag widerspiegelt.
Eine hochschwangere Pendlerin hat in Belgien für Diskussionen über Rücksicht im öffentlichen Nahverkehr gesorgt. Die Frau, die regelmäßig auf der Strecke zwischen Ottignies und Brüssel unterwegs ist, berichtet die belgische Zeitung „La Dernière Heure“, dass sie in einem überfüllten Zug trotz sichtbarer Schwangerschaft keinen Sitzplatz bekam.
Nach eigenen Angaben war die Frau im siebten Monat schwanger und an diesem Tag zu erschöpft, um mit dem Auto zu fahren. Im Zug bat sie andere Reisende, ihr einen Platz zu überlassen — ohne Erfolg. Ihr Satz macht deutlich, wie direkt die Zurückweisung war: „Ich habe die Fahrgäste gebeten, mir ihre Sitze zu geben, aber ich wurde komplett abgelehnt.“
Laut „La Dernière Heure“ sei es nicht bei einzelnen Absagen geblieben. Vielmehr hätten andere Fahrgäste weggeschaut und geschwiegen. Die Frau schildert zudem, man habe ihr gesagt, sie habe keinen Vorrang, weil der betreffende Sitz nicht ausdrücklich für mobilitätseingeschränkte Personen oder Schwangere reserviert gewesen sei.
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Besonders auffällig ist der Kontrast zwischen Umfragewerten und Alltag: In einer Leserumfrage erklärten 98 Prozent der Befragten, sie würden ihren Platz für Schwangere oder ältere Menschen selbstverständlich räumen. Der geschilderte Vorfall zeigt jedoch, dass diese Haltung im echten Pendelverkehr offenbar nicht immer gelebt wird.
Der Fall trifft einen Alltag, in dem sehr viele Menschen auf Busse und Bahnen angewiesen sind. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts waren 2025 rund 11,5 Milliarden Fahrgäste im Linienverkehr mit Bussen und Bahnen unterwegs, davon 11,3 Milliarden im öffentlichen Personennahverkehr. Allein der Nahverkehrsbus kam auf 5,3 Milliarden Fahrgäste, Straßenbahnen auf 3,9 Milliarden.
Gerade weil der ÖPNV so stark genutzt wird und viele Verbindungen zu Stoßzeiten überfüllt sind, gewinnen klare Regeln für Vorrangplätze und gegenseitige Rücksicht zusätzlich an Bedeutung. Wenn täglich Milliarden Fahrten stattfinden, sind Sitzplätze für Schwangere, Ältere oder mobilitätseingeschränkte Personen eben keine Kleinigkeit, sondern ein wichtiger Teil eines funktionierenden und inklusiven Nahverkehrs.
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