Das neue Verteidigungsbündnis zwischen Saudi-Arabien, Pakistan und der Türkei könnte nach Einschätzung des Geopolitik-Experten Klemens Fischer weit über die Region hinauswirken.
Das neue Verteidigungsbündnis zwischen Saudi-Arabien, Pakistan und der Türkei könnte nach Einschätzung des Geopolitik-Experten Klemens Fischer weit über die Region hinauswirken.
Im Zentrum steht die Frage, was passiert, wenn Saudi-Arabien im Konfliktfall Beistand verlangt, die Türkei eingreift und anschließend selbst angegriffen wird. Dann könnte aus einem regionalen Konflikt rasch ein Fall für die Nato werden. Fischer verweist dabei auf die neue Qualität der Lage und sagt: „Wir erleben das erste Mal, dass drei islamische Staaten wieder ein Bündnis schmieden.“
Fischer sieht darin ein neuartiges sicherheitspolitisches Risiko. Der eigentliche Sprengsatz liege in einem möglichen Domino-Effekt beim Bündnisfall: Erst würde das Mekka-Bündnis aktiviert, dann könnte die Türkei im Falle eines Gegenangriffs Artikel 5 der Nato ins Spiel bringen. Damit würde aus einer regionalen Eskalation plötzlich ein Problem für das gesamte westliche Verteidigungsbündnis. Vor diesem Szenario warnt Fischer ausdrücklich:
„Spätestens dann wird ersichtlich, in welches Dilemma die Nato gerät.“
Zugleich beschreibt Fischer den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan als äußerst geschickten Machtpolitiker, der sich bewusst mehrere Optionen offenhält. Erdogan sei, so der Experte, ein „unglaublich guter Spieler“. Er verstehe es, parallel in unterschiedlichen geopolitischen Räumen zu agieren und daraus Vorteile für sein Land zu ziehen. Neben der Nato und der russischen Sphäre habe er nun mit dem neuen Bündnis auch in der islamischen Welt eine zusätzliche strategische Flanke eröffnet.
Nach Fischers Einschätzung verschafft sich Ankara damit einen sicherheitspolitischen doppelten Boden. Erdogan könne je nach Lage auf unterschiedliche Bündnisräume zurückgreifen und seine Verhandlungsposition gegenüber der Nato, Europa und den USA stärken. Gerade darin sieht Fischer die eigentliche Raffinesse: Der türkische Präsident nutze internationale Bündnisse nicht nur zur Absicherung, sondern auch als Machtinstrument, um seine außen- und verteidigungspolitischen Optionen gezielt zu erweitern. Fischer formuliert es so:
„Wir erleben hier einen Spieler am Brett, der es schafft, sich mehrere Optionen offen zu halten.“