Im Gespräch mit RFI erklärt die Politikwissenschaftlerin Marie Mendras, warum die nordkoreanischen Soldaten Russland zwar personell unterstützen, den Kriegsverlauf auf dem Schlachtfeld aber nicht entscheidend verändern werden.
Im Gespräch mit RFI erklärt die Politikwissenschaftlerin Marie Mendras, warum die nordkoreanischen Soldaten Russland zwar personell unterstützen, den Kriegsverlauf auf dem Schlachtfeld aber nicht entscheidend verändern werden.
Nordkorea will Russland im Krieg gegen die Ukraine offenbar erneut mit Soldaten unterstützen. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj könnten 30.000 bis 50.000 nordkoreanische Soldaten nach Russland geschickt werden.
Im Gespräch mit RFI erklärt die Politikwissenschaftlerin Marie Mendras, warum die zusätzlichen Truppen für Moskau zwar wichtig sind, den Verlauf der Kämpfe aber nicht entscheidend verändern dürften. Die Nordkoreaner werden offensichtlich keinen Unterschied machen„, sagt die Professorin der Sciences Po.
Selenskyj hatte Ende Juli noch von rund 30.000 nordkoreanischen Soldaten gesprochen. Nun nennt er eine mögliche Zahl von bis zu 50.000. Reuters berichtet, dass der ukrainische Präsident nicht erklärte, auf welche Informationen sich die neue Schätzung stützt.
Für Mendras zeigt die mögliche Entsendung vor allem, wie groß der Personalbedarf der russischen Armee inzwischen ist. „Wenn der Kreml den Krieg auf dem Schlachtfeld fortsetzen will, braucht er immer mehr Soldaten“, sagt sie im RFI-Interview. Für neue Offensiven könne Russland nicht die „Hunderttausenden Männer“ mobilisieren, die dafür notwendig wären.
Die Politikwissenschaftlerin schätzt, dass auf russischer Seite seit Beginn der groß angelegten Invasion mindestens 1,5 Millionen Menschen getötet, verwundet oder dauerhaft außer Gefecht gesetzt wurden. Eine unabhängig bestätigte Gesamtzahl für die russischen Verluste gibt es nicht.
Die nordkoreanischen Soldaten können nach Einschätzung von Mendras deshalb zwar Lücken schließen, aber keine entscheidende Wende auf dem Schlachtfeld bringen. Die russische Armee habe Schwierigkeiten, ausreichend gut ausgebildete und motivierte eigene Soldaten zu gewinnen.
„Man sieht nicht recht, wie Männer, die nicht vorbereitet sind und nicht an die Front wollen, wirklich effektiv sein können“, sagt Mendras. Die russische Führung versuche deshalb auch, mit der Aussicht auf neue Offensiven Angst zu verbreiten.
Bereits 2024 hatte Nordkorea nach bisherigen Schätzungen rund 14.000 Soldaten in die russische Region Kursk geschickt. Sie unterstützten dort die russischen Streitkräfte beim Zurückdrängen ukrainischer Einheiten.
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Die militärische Zusammenarbeit zwischen Russland und Nordkorea geht damit weit über einzelne Truppeneinsätze hinaus. Putin und Kim Jong-un schlossen 2024 einen Vertrag, der gegenseitige Unterstützung im Fall einer Aggression gegen einen der beiden Staaten vorsieht.
Für Nordkorea bietet der Einsatz die Möglichkeit, Erfahrungen mit moderner Kriegsführung zu sammeln und Zugang zu russischer Militärtechnik zu erhalten. Russland wiederum bekommt zusätzliche Soldaten und Waffen, ohne dafür allein auf die eigene Bevölkerung zurückgreifen zu müssen.
Doch genau darin liegt nach Einschätzung von Mendras die Schwäche der Unterstützung: Die nordkoreanischen Truppen können Russlands Personalproblem lindern, aber den Krieg auf dem Schlachtfeld nicht entscheidend zugunsten Moskaus wenden.