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Router-Hacks, Bauschaum-Attacken, Fake News: Putins „hybride Bedrohung“ wie in Leipzig kann schon heute jeden treffen

Дата публикации: 07-08-2026 08:00:00

Der Leipziger Drohnen-Vorfall lenkt den Blick auf die hybride Bedrohung – vor allem durch Russland. Bereits heute gibt es regelmäßig Angriffe, deren Opfer theoretisch jeder werden kann.

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Der Leipziger Drohnen-Vorfall lenkt den Blick auf die hybride Bedrohung – vor allem durch Russland. Bereits heute gibt es regelmäßig Angriffe, deren Opfer theoretisch jeder werden kann.

  • Im Video oben spricht der Terror-Experte Schindler: „Leipzig-Halle Knotenpunkt für möglichen Angreifer Russland“

Der Begriff ist nach dem Drohnen-Vorfall am Leipziger Flughafen wieder in aller Munde: „hybride Bedrohung“. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach davon, ebenso wie manche Sicherheitsexperten.

Andere finden den Begriff unpassend. Sven Weizenegger, der das „Cyber Innovation Hub“ der Bundeswehr leitet, schrieb bei X, eine mit Sprengstoff bestückte Drohne am Flughafen sei kein „hybrides Ereignis“. Er meint: „Sie ist ein Angriffsversuch auf kritische Infrastruktur. Wir sollten aufhören, konkrete Aggression durch abstrakte Begriffe sprachlich zu entschärfen.“

Zahlreiche hybride Angriffe Russlands sind nachweisbar

Welchen Begriff man auch wählt: Klar ist, dass es in Deutschland in den vergangenen Jahren zahlreiche Vorfälle gab, die verdeckt ausgeführt wurden und unter der Schwelle eines offenen Krieges blieben.

Ermittler und Experten vermuten meist, dass Russland dahintersteckt – manchmal ist das sogar eindeutig nachweisbar. In Leipzig ist es noch nicht so weit, Dobrindt sprach zunächst vorsichtig von „fremden Mächten“ als möglichen Strippenziehern. Der Vorfall würde aber zum Muster russischer Operationen passen.

Um Deutschland zu destabilisieren, bedienen sich die Angreifer ganz unterschiedlicher Methoden. Schon heute kann theoretisch jeder Bürger Opfer dieser Bedrohung werden.

1. Physische Angriffe auf kritische Infrastruktur

Der Vorfall in Leipzig reiht sich ein in eine lange Liste von mehr oder weniger konkreter Bedrohung kritischer Infrastruktur. Besonders Flughäfen spielen dabei immer wieder eine Rolle. So wurden dort in den vergangenen Jahren in Hunderten Fällen Drohnen gesichtet, woraufhin der Flugverkehr eingestellt werden musste.

Russlands Beteiligung lässt sich zwar nicht direkt nachweisen. Denn häufig sind es nicht direkt aus Russland entsandte Agenten, die die Infrastruktur ausspähen, sondern sogenannte „Wegwerfagenten“ ohne Hintergrundwissen über die Auftraggeber. Die Bundesregierung geht aber davon aus, dass die Vorfälle auf das Konto Russlands gehen.

Auch der Leipziger Flughafen war schon einmal Ziel eines Angriffs. Im Juli 2024 ging dort ein mit einem Brandsatz versehenes Paket im DHL-Logistikzentrum in Flammen auf. Es hätte sich zu diesem Zeitpunkt eigentlich bereits an Bord eines Frachtflugzeugs befinden sollen, das allerdings Verspätung hatte.

Aber auch weitere Orte sind gefährdet: Über Bundeswehrkasernen werden regelmäßig Drohnen gesichtet. Im August 2025 mussten Armee-Standorte kurzzeitig geschlossen und abgeriegelt werden, weil Löcher in Zäunen festgestellt wurden. Die Bundeswehr befürchtete, dass möglicherweise die Trinkwasserversorgung der Anlagen vergiftet worden war. Der Verdacht bestätigte sich allerdings nicht.

Nicht nur zu Lande ist Russland wohl aktiv. Auch Häfen werden mutmaßlich von Russland ausgespäht. Die Schattenflotte stellt eine Bedrohung für Unterseekabel und Pipelines dar. Auch wenn bei der Nord-Stream-Sprengung die Indizien auf einen ukrainischen Anschlag hindeuten, könnte Russland ähnliche Operationen durchführen.

2. Physische Angriffe auf Unternehmen und Geschäftsleute

Auch Unternehmen werden zur Zielscheibe. Besonders Rüstungskonzerne stehen dabei im Fokus. Beispielsweise brannte 2024 eine Fabrik des Unternehmens Diehl in Berlin. Zunächst vermuteten Ermittler einen Unfall, später gingen die Ermittler von einem russischen Anschlag aus. Ziel sollte es offenbar sein, Waffen- und Munitionslieferungen an die Ukraine zu stören.

Große Aufmerksamkeit haben Berichte erregt, wonach Rheinmetall-Chef Armin Papperger ermordet werden sollte. US-Geheimdienste warnten Deutschland davor, dass Russland den Unternehmer beseitigen will. Auch andere Führungskräfte von Rüstungskonzernen sollen demnach gefährdet sein.

Rheinmetall produziert Kamikaze-Drohnen

Russland wollte offenbar Rheinmetall-Chef Armin Papperger ermorden. Rolf Vennenbernd/dpa
3. Cyberattacken auf Politik und Wirtschaft

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Cyberattacken auf politische Akteure und Unternehmen. Gleich mehrere Vorfälle konnten der russischen Gruppe APT28 zugeordnet werden.

Laut Verfassungsschutz zählt sie zu den aktivsten und gefährlichsten Cyberangreifern weltweit. Verantwortlich ist die Gruppe laut dem Geheimdienst unter anderem für Angriffe auf den Bundestag im Jahr 2015, auf die SPD-Parteizentrale im Dezember 2022 und auf die Deutsche Flugsicherung im August 2024.

Opfer von Cyberattacken kann theoretisch jeder werden: Sicherheitsbehörden warnen davor, dass Russlands Geheimdienst FSB das Internet systematisch nach Routern mit unsicheren Einstellungen durchsuche. Ziel sind vor allem Unternehmen und staatliche Stellen, aber auch für Russland relevante Privatpersonen könnten durch die Hacker gefährdet sein.

4. Angriffe auf einzelne Bürger

Auch einzelne Bürger können zum Ziel hybrider Angriffe durch Russland werden. Ein Beispiel dafür ereignete sich vor der Bundestagswahl 2025: Drei Männer und eine Frau sollen die Abgasrohre von Autos mit Bauschaum befüllt haben. Zudem sollen sie einen Aufkleber mit der Aufschrift „SEI GRÜNER!“ mit einem Bild des damaligen grünen Kanzlerkandidaten Robert Habeck am Fahrzeug angebracht haben.

Laut Staatsanwaltschaft gab ein Verdächtiger an, dass der Auftrag für die Aktion von einem serbischen Staatsangehörigen aus Russland kam. Die Ermittler vermuten, dass die Bauschaum-Attacken wie das Werk von radikalen Klimaaktivisten aussehen sollten – um die Wut auf eine klimafreundliche Politik und die Grünen zu schüren und so das Bundestagswahlergebnis zu beeinflussen.

5. Desinformation zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung

Im Bundestagswahlkampf spielte auch russische Desinformation eine Rolle. So tauchten im Internet Falschmeldungen auf, wonach CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz psychisch krank sein soll oder wonach Grünen-Politiker in einen Korruptionsskandal in der Ukraine beteiligt sein sollen. Rechercheure vermuten, dass die russische Propagandagruppe Storm-1516 dahintersteckt.

Auch vor den im September anstehenden Landtagswahlen werden wieder zahlreiche Falschinformationen über Kandidaten verbreitet, wieder vermutet man die Drahtzieher in Russland. Die vermeintlichen Skandale werden zum Beispiel auf Websites veröffentlicht, die wie Doppelgänger seriöser Internetseiten aussehen. Die Falschinfos werden dann über bezahlte Influencer oder Bots verbreitet.

Dabei geht es nicht um die perfekte Täuschung, sondern mit einfachen Mitteln massenhaft Fake News zu verbreiten. Das Ziel ist es, so Wahlen zu beeinflussen und die Bevölkerung zu verunsichern.

6. Migration zur Destabilisierung der Gesellschaft

Verunsicherung soll auch dadurch entstehen, dass ein politisches Großthema weiter befeuert wird: die Migration. Schon seit 2021 lockt Belarus – als Verbündeter Russlands – Flüchtlinge zum Beispiel aus Afghanistan ins Land. Dann werden sie an die EU-Grenze zu Polen oder Litauen gebracht.

Auch als in der vergangenen Woche Zehntausende Flüchtlinge aus Marokko in die spanische Exklave Ceuta kamen, vermuteten manche einen hybriden Angriff Russlands dahinter. Belege gibt es dafür aber nicht. Unabhängig davon, ob der Ceuta-Ansturm ein solcher Angriff war, besitzt Russland die Möglichkeiten, Migration in Afrika zu steuern. Präsident Wladimir Putin und seine Truppen haben Einfluss auf zahlreiche Länder auf dem Kontinent und damit auch Einfluss auf wichtige Migrationsrouten.

Indem Russland das Thema Migration befeuert, heizt es auch die politischen Debatten in Deutschland und anderen europäischen Ländern an. Häufig können davon extrem rechte Parteien wie die AfD profitieren, die dem Kreml wesentlich unkritischer gegenüberstehen als andere Parteien.

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